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Zapping: Weltrettung à la Zac Efron
Kultur 3 2 Min. 30.08.2020 Aus unserem online-Archiv

Zapping: Weltrettung à la Zac Efron

Zac Efron (M.) und Darien Olien (l.) suchen nach neuen Weisheiten.

Zapping: Weltrettung à la Zac Efron

Zac Efron (M.) und Darien Olien (l.) suchen nach neuen Weisheiten.
Foto: Netflix
Kultur 3 2 Min. 30.08.2020 Aus unserem online-Archiv

Zapping: Weltrettung à la Zac Efron

Kathrin KOUTRAKOS
Kathrin KOUTRAKOS
„Down to Earth with Zac Efron“, die Netflix-Serie, die richtig wehtut, weil sie zynisch macht

Sagt Ihnen der Name Zac Efron etwas? Falls ja, sind Sie entweder ziemlich jung oder haben Kinder im Teenager-Alter. Der Jungschauspieler aus Kalifornien wurde Ende der 2000er mit dem Kassenerfolg „High School Musical“ bekannt und beglückt seine vornehmlich junge und weibliche Anhängerschaft seitdem mit ähnlich anspruchslosen Filmchen.

Mit seiner jüngsten Produktion scheint Efron der Welt jetzt eine andere, ernsthaftere Facette seiner selbst zeigen zu wollen. Für seine Doku-Serie „Down to Earth with Zac Efron“ hat er sich nicht nur einen deutlich erwachseneren Look inklusive Vollbart zugelegt, sondern sich auch eine große Aufgabe gestellt: Die acht Episoden zeigen ihn und seinen väterlichen Freund Darien Olien auf ihrer Jetset-Reise um die Welt, auf der sie Ideen und Visionen für eine nachhaltigere Zukunft finden wollen.

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Schon in der Anlage dieser Show ist ein Widerspruch in sich: Ein Schauspieler mit wenig Ahnung, aber umso mehr Sendungsbewusstsein wird mitsamt einer Entourage um den ganzen Globus geflogen, um nachhaltiges Leben zu predigen. Aber nicht nur in dieser Hinsicht ist die Produktion problematisch: Die Überheblichkeit und Arroganz, mit der Efron und sein Kompagnon durch Island, Frankreich oder Costa Rica stapfen, kann auch Zuschauer nicht kalt lassen, die sonst beim Thema Postkolonialismus mit den Schultern zucken.

Da wird ein sardinischer Hirte dafür gelobt, dass er seine Tätigkeit „sehr professionell“ ausübe, eine 96-jährige Italienerin wird als „cool chick“ betitelt und einen – zugegeben relativ ahnungslosen – Gästeführer in Island lässt man die ganze Breitseite öffentlicher Demütigung spüren.

Privilegierte, weiße, reiche Männer

Die eigene Rolle dieser, man muss es leider so deutlich sagen, privilegierten, weißen, reichen Männer, wird an keiner Stelle hinterfragt oder thematisiert.

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Vielmehr wird eine ostentative Betroffenheit und Weltenretter-Mentalität kamerawirksam zur Schau gestellt, wenn etwa der Multimillionär Zac Efron der Wildtierrettungsstelle melodramatisch eine Spende zustecken kann, die das Team für die „unglaublich wichtige Arbeit“ gesammelt habe. 

Steilvorlagen zum Zynismus

Wer noch nicht zynisch ist, wird es beim Zuschauen. Am gefährlichsten sind jedoch die unwidersprochenen Einlassungen des selbsternannten Gesundheits-Gurus Darien Olien, dessen bescheidene akademische Referenz ein Bachelor-Abschluss in Ernährungswissenschaft ist: Von esoterischem Gefasel, dass etwa der Kontakt der Füße mit dem Boden die innere Uhr mit dem elektromagnetischen Feld der Erde verbinde, über den oft verbreiteten, aber nicht minder kruden Sprech von sogenannten „Superfoods“, die ernährungsphysiologisch bedeutungslos sind und je nach Hype eine andere Weltregion plötzlich ohne Grundnahrungsmittel dastehen lassen, bis zu der abenteuerlichen These, dass Wasserfälle negative Ionen absonderten und damit Stress entgegenwirkten – ebenfalls wissenschaftlich widerlegt. 

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Trotz der offensichtlichen Produktplatzierungen scheint kein Budget für eine simple Faktencheck-Redaktion vorhanden gewesen zu sein. Diese hätte der Serie, die sicher mit den besten Absichten produziert wurde, einige dicke Minuspunkte erspart.

Seit ihrer Ausstrahlung sorgt „Down to Earth“ übrigens für angeregte Diskussionen im Netz: Allerdings nicht aufgrund der haarsträubenden Halbwahrheiten und der oft unerträglichen Selbstdarstellung ihrer Protagonisten, sondern wegen des nackten Oberkörpers von Zac Efron, der in einigen Szenen zu sehen ist und seine Fans verzückt. Es scheint, der Weg vom Teenie-Star zum ernstzunehmenden Öko-Aktivisten wird ein langer sein.

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Alle Folgen von „Down to Earth with Zac Efron“ sind auf Netflix abrufbar.

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