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Zapping: „Wahnsinn: ,Sawah‘ in 46 Ländern!“
Kultur 1 3 Min. 31.05.2020 Aus unserem online-Archiv

Zapping: „Wahnsinn: ,Sawah‘ in 46 Ländern!“

 DJ Skaarab (Karim Kassem) gerät mit dem Luxemburger Polizisten Miguel (Nilton Martins) aneinander.

Zapping: „Wahnsinn: ,Sawah‘ in 46 Ländern!“

DJ Skaarab (Karim Kassem) gerät mit dem Luxemburger Polizisten Miguel (Nilton Martins) aneinander.
Foto: Wady Films
Kultur 1 3 Min. 31.05.2020 Aus unserem online-Archiv

Zapping: „Wahnsinn: ,Sawah‘ in 46 Ländern!“

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Bei der Berlinale 2020 gelingt dem Luxemburger Regisseur Ady El Assal der Netflix-Deal - der zahlt sich jetzt aus.

Die Mühen haben sich gelohnt: Als der Luxemburger Regisseur und Produzent Ady El Assal seinen Streifen „Sawah“ – die Komödie, bei der ein ägyptischer DJ auf einer Reise zu einem Contest in Luxemburg strandet – bei der letzten Berlinale präsentierte, gelang ein Deal mit Netflix. In den Benelux-Zuschauercharts des Streamingdienstes steht der Film nun seit Tagen weit oben. Das tröstet El Assal etwas über die aktuelle Krisenzeit in seiner Branche hinweg.

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Ady El Assal, wie bringt man Netflix dazu, den eigenen Film in das Programm aufzunehmen?

Ich war schon seit ein paar Jahren in Kontakt mit Netflix und ich habe immer wieder versucht, weiter in Verbindung zu bleiben. Bei der letzten Berlinale hab ich dann einfach meinen Kontakt angeschrieben – und spontan hat er mich zu einem zehnminütigen Gespräch eingeladen. Und dort habe ich dann „Sawah“ noch einmal komplett gepitched, meinen Trailer gezeigt. Dann durfte ich den Film einreichen – und ein paar Wochen später kam dann der Anruf, dass sie den Film nehmen würden.

Und mit Erfolg, wie man sieht. Die Berlinale und besonders der Filmmarkt dort scheint Ihr perfektes Terrain zu sein...

Ja, eindeutig. Ich habe der Berlinale sehr viel zu verdanken und dort vertreten zu sein, hat mir immer viel gebracht. 2006 war ich als „Talent“ dabei. Und seitdem ist da diese besondere Verbindung. Und Sie haben es ja selbst gesehen, wie viel Promo und Aufmerksamkeit wir mit „Sawah“ 2019 bekamen – das ist schon etwas sehr Besonderes und ich bin unglaublich dankbar dafür.

Eigentlich sollte man auch erwarten, dass der Film vielleicht in den arabischsprachigen Ländern gut ankommen würde...

Es ist auch gut gelaufen. Leider hat er es dort nicht in die Kinos geschafft. In den dortigen Märkten gibt es Quoten. So ist ein großer Teil der Filme aus dem Sprachraum vorgesehen und leider nur wenige europäische Filme schaffen es neben den Hollywood-Streifen. Aber ich hatte das Glück, dass er im Fernsehen gezeigt wurde und auch bei den Fluggesellschaften im Bordprogramm war. Das war auch ein Argument für Netflix, einen Luxemburger Film zu übernehmen, der aber doch auch sehr gut für andere Märkte funktioniert.

Und Netflix zeigt ihn jetzt über den gesamten Globus?

Nein. Aber Wahnsinn: in 46 Ländern! Das ist echt super.

Vom, Dreh über die  Berlinale bis zu Netflix: Filmemacher Ady El Assal.
Vom, Dreh über die Berlinale bis zu Netflix: Filmemacher Ady El Assal.
Foto: Laurent Ludwig

Gibt denn Netflix Einblick, wie der Film ankommt – das könnte ja auch ein Fingerzeig für die eigene Arbeit sein?

Nein, leider nicht. Aber das Feedback, was mich erreicht, ist ungemein groß. Das Branchenblatt Screen International hat über die Positionierung auf Netflix berichtet – und seitdem steht mein Handy nicht mehr still. Ständig rufen Agenten an, auch aus L.A., die mich unter Vertrag nehmen wollen. Aber dafür fühle ich mich in Luxemburg viel zu gut – ich bin sehr dankbar für die Unterstützung der Filmbranche hier; und mit meiner Produktionsfirma bleibe ich mein eigener Herr und kann sehr genau bestimmen, was wie passiert; das ist mir sehr viel wert.

Das ist allerdings auch sehr viel Verantwortung – geht dieses Nebeneinander von Filmprojekten, Produktionsverantwortung und Vertrieb?

Schon, ich mag das auch – aber es bringt eben auch viel Verantwortung mit sich.

Apropos Projekte – was steht denn aktuell eigentlich an?

Die Vorbereitungen zu meinem nächsten Film „Hooked“ laufen weiter. Leider musste der Dreh für eine belgische Serie wegen der Corona-Krise abgesagt werden. Eigentlich hatte ich mich da sehr darauf gefreut, weil die Serie ganz nach meinem Geschmack ist. Die Produzenten kamen auf mich zu, weil sie auch „Sawah“ gesehen hatten. Das Format ähnelt sehr im Humor und Konzept der britischen Erfolgsserie „Shameless“ – und ich hoffe, dass wir so schnell wie möglich wieder an den Dreh gehen können.

Dieser Stopp in der ganzen Branche – wie empfinden Sie den?

Es ist schwer. Ich habe mein Büro aufgeben müssen, viele Freelancer und Produzenten- kollegen haben extreme Probleme. Und die bisher in Aussicht gestellten Hilfen kommen leider nicht bei uns an. Und ich hoffe sehr, dass sich da bald etwas tut.

„Sawah“ ist auf Netflix abrufbar. 

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