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Zapping: Von Genen und Geschlechtern
Kultur 1 3 Min. 06.09.2020

Zapping: Von Genen und Geschlechtern

Kaltschnäuzige Visionärin: Mit Professorin Tanja Lorenz (Jessica Schwarz) ist nicht zu spaßen.

Zapping: Von Genen und Geschlechtern

Kaltschnäuzige Visionärin: Mit Professorin Tanja Lorenz (Jessica Schwarz) ist nicht zu spaßen.
Foto: Netflix/Marco Nagel
Kultur 1 3 Min. 06.09.2020

Zapping: Von Genen und Geschlechtern

Michael JUCHMES
Michael JUCHMES
In der Netflix-Serie „Biohackers“ geben starke Frauen den Ton an.

Grüne Parkanlagen, ein kleiner Fluss, dazu eine bezaubernde Altstadt – Freiburg im Breisgau gilt nicht grundlos als beliebtes Ausflugsziel für Urlauber, die es in den Südwesten Deutschlands zieht. Auch den Streaminganbieter Netflix hat es jüngst in die Stadt an der Dreisam verschlagen: Sie bietet die passende Szenerie für die neue Serie „Biohackers“. Ansporn für den Ausflug nach Baden-Württemberg war jedoch nicht nur das rustikale Ambiente der Stadt, gegen das die schmutzige Hauptstadt Berlin oder die Bankenmetropole Frankfurt, die eigentlichen Serienhauptstädte Deutschlands, nur wenig entgegenzusetzen haben. Nein, ein Grund war wohl auch die dortige Universität, eine der besten des Landes, die als einer der wichtigsten Schauplätze der sechsteiligen Staffel dient.

Im Zentrum der Handlung steht – wenig verwunderlich – eine Studentin: Mia Akerlund (Luna Wedler), die einen Studienplatz in Medizin ergattert hat, setzt alles daran, den Kontakt zu ihrer Professorin Tanja Lorenz (Jessica Schwarz) herzustellen. Behilflich ist ihr dabei zunächst Jasper (Adrian Julius Tillmann), ein älterer Student, der die visionäre Wissenschaftlerin bei ihren genetischen Forschungen unterstützt.

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Schnell wird jedoch klar, dass Mia Akerlund nicht unbedingt an guten Noten interessiert ist: Ihre Verbindung zu Tanja Lorenz ist mit einem traurigen Schicksalsschlag verbunden. Mia, die eigentlich Emma Engels heißt, möchte sich an der hochintelligenten Wissenschaftlerin rächen. Sie ist für den einige Jahre zurückliegenden Tod ihres Zwillingsbruders Ben verantwortlich – und auch für den Unfall ihrer Eltern, der sie nur kurze Zeit später zur Waise machte.

Wettlauf gegen die Zeit

Mia und ihr bis zur letzten Folge im Verborgenen bleibender Komplize haben jedoch Probleme, Tanja Lorenz das Handwerk zu legen und sie für ihre verbotenen Genexperimente zur Rechenschaft zu ziehen. Trotz Unterstützung durch Niklas (Thomas Prenn), den Mitbewohner Jaspers, überschlagen sich alsbald die Ereignisse, die schließlich zum Ausbruch eines gefährlichen Virus führen, der das Leben zahlreicher Unbeteiligter bedroht.

Im Zentrum der Handlung steht die Frage, die derzeit auch im echten Leben die Wissenschaftswelt beschäftigt: In welchem Bereich ist Genforschung am Menschen ethisch vertretbar? Noch gilt die Arbeit am „lebenden Objekt“ als verwerflich. Ein Fall aus dem vergangenen Jahr – chinesische Wissenschaftler veränderten das Erbgut von Zwillingen – löste heftige Diskussionen aus. Das Forscherteam wurde für den Gesetzesbruch mit einer Haftstrafe belegt. „Biohackers“ greift das Thema auf interessante Weise auf, fokussiert sich aber auf die negativen Seiten der Forschung. Ein tiefer Einblick in die Thematik gelingt aber nicht wirklich – das ist in sechs knapp 40-minütigen Folgen einfach nicht möglich.

Forscherin Tanja Lorenz wird als Bösewicht abgestempelt, als eine schier übermächtige Figur, die im wahrsten Sinne des Wortes für ihre Ziele über Leichen geht. Als Superkraft dient das eigene Gehirn, das über Jahrzehnte angesammelte Wissen. Jessica Schwarz gelingt es hervorragend, dieser ungewöhnlichen Frau die kalte Hülle zu verpassen, an der sich die anderen Protagonisten die Zähne auszubeißen scheinen. Als Zuschauer will man mehr über ihre Beweggründe erfahren – die jüngst angekündigte zweite Staffel könnte womöglich einige Fragen beantworten.

Liebenswerte Nebencharaktere

Auch Luna Wedler überzeugt als Studentin Mia/Emma, die angetrieben von einem Rachegefühl unglaubliche Risiken eingeht. Sie verdreht gleich zwei Männern den Kopf, ohne dabei auf körperliche Reize zu setzen. Es bedarf keines „Brille absetzen, Zopf öffnen“-Moments, um die junge Forscherin zum Objekt der Begierde werden zu lassen. An ihrer Seite kann ebenfalls Adrian Julius Tillmann als Jasper glänzen. Der frisch gebackene Absolvent der Filmuniversität Babelsberg gibt körperlich alles, um der Figur Leben einzuhauchen. Schwach dagegen sein Kontrahent, Thomas Prenn als Niklas, der in der Serie zwar das Herz von Mia/Emma erobert, als Darsteller aber blass bleibt. Wiedererkennungswert? Fehlanzeige.

Das kann man von den Mitbewohnern der Protagonistin übrigens nicht behaupten. Chen-Lu (Jing Xiang), Lotta (Caro Cult) und Ole (Sebastian Jakob Doppelbauer) wirken wie durchgedrehte Comic-Charaktere: mit Spleens und doch auf ihre Art liebenswert. Sie verleihen dem Format die komödiantische Note, die für die nötige Abwechslung sorgt – und die man auch in der zweiten Staffel irgendwie nicht missen möchte.

Alle sechs Folgen sind bei Netflix erschienen (Abo kostenpflichtig). 

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