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Zapping: Viele Effekte, wenig Tiefgang
Kultur 1 3 Min. 17.11.2019

Zapping: Viele Effekte, wenig Tiefgang

Diesmal geht es für den Agenten Jack Ryan in den Sumpf der südamerikanischen Politik.

Zapping: Viele Effekte, wenig Tiefgang

Diesmal geht es für den Agenten Jack Ryan in den Sumpf der südamerikanischen Politik.
Foto: Amazon
Kultur 1 3 Min. 17.11.2019

Zapping: Viele Effekte, wenig Tiefgang

Marcel KIEFFER
Marcel KIEFFER
Mit solider Machart, schönen Bildern und einer spannenden, wenn auch zuweilen überkomplizierten Handlung wissen die Macher das Publikum in Atem zu halten. Und doch enttäuscht die zweite Staffel von „Tom Clancy’s Jack Ryan“ auf Amazon als groteskes Heldenepos.

Dass Konkurrenz auch im Seriengeschäft den Markt belebt, ist eine Tatsache, ebenso wie die Annahme, dass der Wettstreit um die Gunst des Zuschauers nicht zwangsläufig auf qualitativer Ebene entschieden wird. Mit der zweiten Staffel seiner aufwendig produzierten Serie „Jack Ryan“ hat Amazon Prime Video zweifellos gegenüber dem übermächtigen Konkurrenten Netflix punkten können. 

Dennoch bleibt beim kritischen Serienfan jener negative Eindruck zurück, der sich immer dann einstellt, wenn Anspruch und Wirklichkeit allzu weit auseinander klaffen. Mehr noch als bei der ersten Staffel, als der wieder auferstandene, von Kultautor Tom Clancy geschaffene Actionheld sein Land und die Welt vor einem islamistischen Terroristen rettete, ist das bei den neuesten Abenteuern des unbesiegbaren CIA-Agenten der Fall, den es diesmal – in Anlehnung an durchaus reale geopolitische Fakten – nach Venezuela verschlägt. 

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Die Lage in dem lateinamerikanischen Land hat in der Tat viel soziopolitischen Zündstoff, den ein geschickter Drehbuchautor in einen erfolgreichen Serienstoff umwandeln könnte.


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Es gibt eine komplizierte politische Situation mit schwelenden revolutionären Tendenzen, ein diktatorisch geführtes antiwestliches Regime, große Ressourcen, die es zum Objekt der Begierde anderer Mächte und multinationaler Konzerne machen, eine zwischen weit verbreiteter Armut und dem schamlos zur Schau gestellten Reichtum einer privilegierten Oberschicht zerrissene Gesellschaft. 

Dazu kommen herrliche, opulente Landschaften, undurchdringliche Dschungelgebiete, eine lebensfrohe, gewinnende Volksseele.

Kein Platz für Reflexion und Realismus

Was die beiden Serienschöpfer Carlton Cuse und Graham Roland allerdings aus dem vorhandenen Potenzial für ihre zweite Jack-Ryan-Staffel gemacht haben, ist für einen, auch mit einem Mindestmaß an kritischem Anspruch ausgestatteten Zuschauer eine Zumutung. Natürlich könnte man darüber hinwegsehen, dass die Actionfigur Jack Ryan, wie sie John Krasinski auch diesmal wieder sehr plastisch verkörpert, wenig Raum für tiefgründige Reflexion und ernsthaften Realismus lässt. Allerdings überschreitet diese zweite Amazon-Produktion doch in mancher Hinsicht die Grenzen des Grotesken.


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Soviel Hurrapatriotismus, klischeehafter Amerikanismus und nuancenlose Schwarz-Weiß-Malerei auf einmal, gespickt mit übertriebenem, unglaubwürdigem Heldenmut der Guten gegen die Bösen, setzt voraus, dass der Zuschauer einfach nur unterhalten werden will.

Das wiederum hat diese zweite Staffel durchaus zu bieten. Mit solider Machart, schönen Bildern und einer spannenden, wenn auch zuweilen überkomplizierten Handlung wissen die Macher das Publikum in Atem zu halten. Vordergründig geht es um die wiederum gemeinsamen Ermittlungen von Jack Ryan und seinem CIA-Kollegen James Greer (Wendell Pierce) wegen vermuteter Atomwaffenlieferungen nach Venezuela. 

Mit der Hilfe des zu der Serie hinzugestoßenen lokalen CIA-Chefs Mike November, hinter dem sich mit Michael Kelly (Doug Stamper aus „House of Cards“) ein positiv überraschender Neuzugang verbirgt, gelingt es dem unerschrockenen, immer wieder auf eigene Faust ermittelnden Duo, hinter die Machenschaften des venezolanischen Präsidenten Nicolás Reyes (Jordi Molla) zu kommen und dabei dessen rücksichtslosen Kampf gegen seine vorbildliche demokratische Herausforderin Gloria Bonalde (Cristina Umaña) zum Besten von Gerechtigkeit, Moral und Anstand zu entscheiden.


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Weniger transparent als die Hauptprotagonisten erweisen sich die Figurenzeichnungen des Auftragsmörders Max Schenken (Tom Wlaschiha) und der sporadisch an der Seite von Jack Ryan auftauchenden BND-Agentin Harriet Baumann, die von Noomi Rapace (Lisbeth Salander aus der Millennium-Trilogie) relativ zusammenhanglos verkörpert wird.

An diesen Figuren ist in symptomatischer Weise ablesbar, wie sehr es bei den Amazon-Produktionen des Jack Ryan in erster Linie um den Effekt beim Zuschauer geht, statt um eine tiefer schürfende Annäherung an eine Thematik, die im Grunde – und die angedeutete Situation der sozialen und politischen Realitäten Venezuelas hätten sich in besonderer Weise dazu angeboten – weitaus mehr Tiefgang verdient hätte. Es ist fraglich, ob die bereits geplante dritte Staffel dem Rechnung tragen wird.
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Die Serie „Tom Clancy‘s Jack Ryan“, Staffel zwei, ist auf Amazon Primevideo in acht Folgen abrufbar. 


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