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Zapping: Verstörendes Entertainment
Kultur 1 2 Min. 24.05.2020

Zapping: Verstörendes Entertainment

Joe Exotic mit einem seiner Tiger.

Zapping: Verstörendes Entertainment

Joe Exotic mit einem seiner Tiger.
Foto: Netflix
Kultur 1 2 Min. 24.05.2020

Zapping: Verstörendes Entertainment

Mireille MEYER
Mireille MEYER
Dokuserie „Tiger King“ stolpert von einer Unglaublichkeit zur nächsten.

Die sieben, von Rebecca Chaiklin und Eric Goode gedrehten Episoden kommen ähnlich großmäulig daher wie ihre Hauptfigur Joe Schreibvogel, auch bekannt als Joe Exotic. Der Exzentriker bezeichnet sich selbst als „Tiger King“; er hat einen Zoo in Oklahoma betrieben – nun sitzt er im Gefängnis. Wegen Tiermissbrauchs. Und: Er wollte seine Rivalin, die Tierschutzaktivistin Carole Baskin, mit Hilfe eines Auftragsmörders beseitigen lassen.

Joe züchtete in seinem „Greater Wynnewood Exotic Animal Park“ Tiger, ließ sie in den ersten Wochen nach ihrer Geburt gegen Bares von Zoobesuchern begrapschen und verkaufte sie dann. So Joes Version. Sein Tierpfleger Erik Cowie behauptet allerdings, Joe hätte die Tiere umgebracht, sobald sie zu gefährlich für das Gehätschel waren.

   „Big Cat Rescue“  

Carole Baskin hält in ihrem „Big Cat Rescue“-Gehege die Großkatzen ebenfalls in Käfigen, lässt sie auch von zahlenden Besuchern bestaunen und von unbezahlten Freiwilligen pflegen. Joe ist überzeugt: Carole hat ihren reichen Ex-Mann ermordet und an die Tiger verfüttert.

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Abgerundet wird die haarsträubende Geschichte durch Joes zwei Ehemänner; Bhagavan „Doc“ Antle, der ebenfalls Tiger züchtet, ein Doktorat in „mystical science“ sowie eine Reihe Frauen besitzt, die er finanziell und sexuell ausbeutet; Joshua Dial, einen Verkäufer in der Munitionsabteilung von Walmart, den Joe engagierte um seine politische Kampagne zu managen (Joe wollte für das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten kandidieren); Jeff Lowe, den neuen Besitzer des Zoos, der seine Frau nach der Geburt ihres Kindes ins Fitnessstudio schickt und sich dann an die Nanny ranmacht; und durch einen Selbstmord am Rande einer laufenden Kamera.

Gaffen und ergötzen

Chaiklin und Goodes Absicht soll es gewesen sein, mit Hilfe dieser Serie auf die Ausbeutung und den Missbrauch exotischer Tiere aufmerksam zu machen. Die beiden Filmemacher scheinen jedoch selber überrascht über jeden neuen Abgrund zu sein, der sich hinter den Aussagen dieser schillernden, bizarren und tragischen Personen auftut. Das ist das Problem dieser Dokumentation: Sie hat keine Richtung, kein Ziel. Der rote Faden geht mit jedem Überraschungsmoment noch weiter verloren. Man erfährt zwar so einiges über das große Geschäft mit wilden Tieren, doch im Endeffekt geht es überhaupt nicht um die Tiger.

Vielmehr wird das Unterhaltungspotenzial der Personen exploitiert. Deutlich wird dies zum Beispiel an einer Szene, die James Garretson, der gegen Joe vor Gericht ausgesagt hat, auf einem Jetsky zeigt – in Slow Motion unterlegt mit Survivor’s „Eye of the Tiger“. Lächerlich? Auf jeden Fall. Erhellend? Nicht im Geringsten.

 Eine Realityshow  

„Tiger King: Murder, Mayhem and Madness“ ist eher auf wahren Begebenheiten basiertes Entertainment, eine Realityshow, als eine Dokumentation. Sie verleitet den Zuschauer dazu, zu gaffen, sich an den unkonventionellen Persönlichkeiten und ihren Lebensweisen zu ergötzen. Wenn man es allerdings schafft, nicht über sie zu urteilen, erhält man einen interessanten Einblick in das Big Business mit Großkatzen, das bis nach Hollywood betrieben wird.

Zwei Adaptationen der „Tiger King“-Story sind derzeit in Arbeit, in der einen übernimmt Nicolas Cage die Rolle des Joe Exotic, in der anderen spielt Kate McKinnon Carole Baskin.

Die sieben Episoden von „Tiger King: Murder, Mayhem and Madness“ sowie die Reunion-Show „The Tiger King and I“ sind auf Netflix. 

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