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Zapping: Unter den Roben aus Seide
Martha Costello setzt sich im rauen Anwaltsmilieu dank ihres Fachwissens durch.

Zapping: Unter den Roben aus Seide

Foto: BBC
Martha Costello setzt sich im rauen Anwaltsmilieu dank ihres Fachwissens durch.
Kultur 1 2 Min. 19.07.2015

Zapping: Unter den Roben aus Seide

Mit der Serie "Silk" beweist die BBC, dass Protagonistinnen nicht immer nur dank ihrer psychologischen Störungen Charaktertiefe entwickeln können. Nun läuft die letzte Staffel der Anwaltsserie an.

Von Pit Thommes

Das Anwaltsgeschäft in Großbritannien ist knallhart. Der Konkurrenzdruck ist groß, der Umgang vor Gericht rau, und nur die Besten werden angemessen entlohnt. „Silk“ nimmt den Zuschauer anhand der Figur Martha Costello (Maxine Peake) mit in den Alltag der Anwaltskanzlei Shoe Lane und den packenden Kampf um den begehrten Status des Kronanwalts – auf Englisch „to make silk“.

Auch die letzten Skeptiker müssen mittlerweile einsehen, dass das goldene Zeitalter der Fernsehserien anhält. Selten waren Serien von so hoher Qualität und erfreuten sich derart hoher Zuschauerresonanz. Umso merkwürdiger ist deswegen das Fehlen von weiblichen Hauptrollen. Abgesehen von einer Handvoll starker Protagonistinnen, die explizit eben nicht in „Games of Thrones“ zu suchen wären, fehlt es dem kleinen Bildschirm wie auch der großen Leinwand an eindrücklichen Vorbildern.

Zu nennen sind allenfalls „Girls“, die gleich eine ganze Schar um Lena Dunham zu Protagonistinnen macht, die etwas verschrobenen „Extant“ mit Halle Berry oder die Frauenknast-Gruppe aus „Orange Is the New Black“.

Endlich einmal eine klar gezeichnete Protagonistin

Die restlichen weiblichen Hauptrollen muten überzeichnet an. Wieso muss man Carrie (Claire Danes) aus „Homeland“ gleich mehrere psychische Störungen andichten, damit sie das Geheimdienstgeschäft aufmischt? Und wäre Elizabeth Jennings (Keri Russell) aus „The Americans“ nicht überzeugender, wenn sie nicht in jeder Szene als perfektes Modell auftreten würde?

Martha Costello ist da ein erholsames Gegenprogramm. Ihre Rolle in der Anwaltskanzlei wird authentisch beschrieben. Über weite Strecken tritt die Gender-Frage in den Hintergrund – wichtiger ist zunächst das Fachwissen. Die dramatisierten Diskussionen finden auf Augenhöhe statt und sind kein Vergleich mit den schenkelklopfenden Einzeilern aus „Ally McBeal“ oder „Boston Legal“. Auch treten nicht wie in „The Good Wife“ persönliche Empfindlichkeiten in den Vordergrund. 

Im Gerichtssaal kaum zu schlagen: Martha Costello.
Im Gerichtssaal kaum zu schlagen: Martha Costello.
Foto: BBC

Vielmehr werden Themen wie Abtreibung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie und Liebesleben am Rande der Handlung konzis abgehandelt. Im Zentrum steht stets die Kompetenz der Anwälte. Gerade ihr rechtliches Wissen lässt Martha dann auch am Ende der ersten Staffel Kronanwalt werden – sie vertritt nun vor Gericht die britische Krone und darf die begehrte Robe aus Seide tragen. Ihr männlicher Kollege Clive Reader, der mit zahllosen Intrigen zu Ehren kommen wollte, hat hingegen das Nachsehen.

Geheimtipp britischer Fernsehkunst

Zu Beginn der nun ausgestrahlten dritten Staffel kommt aber auch Clive zum Zuge, muss aber seine Feier unterbrechen, als sein Sohn für den Tod eines Polizisten verantwortlich gemacht wird. Seine Verteidigung übernimmt, wie könnte es anders sein, Martha Costello, obwohl der Fall für die Staatsanwaltschaft glasklar scheint.

Wie jede andere Justizserie kommt auch „Silk“ nicht ohne persönliche Verwicklungen aus. Der Unterschied liegt in der brillanten Darbietung von Maxine Peake als Martha Castello, die sich aufgrund von Kompetenzen und nicht mit weiblichen Reizen durchsetzen kann. Ungewöhnlich ist dann auch das bewusste Serienende mit der dritten Staffel – viele Fragen bleiben offen, alle Charaktere stehen vor neuen Herausforderungen und es ist am Zuschauer, Ordnung zu schaffen und einen Abschluss zu finden.

Ein Geheimtipp britischer Fernsehkunst, der geschickt zwischen den Geschlechter-Klischees zu navigieren weiß und eben deshalb etwas Aufmerksamkeit verdient.

„Silk – Roben aus Seide“, britische TV-Serie. Immer mittwochs 18.30 Uhr auf dem Pay-TV-Sender Sony Entertainment. Die beiden ersten Staffeln sind bereits auf DVD im Handel erhältlich, die dritte Staffel folgt am 28. August.