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Zapping - unsere TV-Kritik: Netflix entdeckt die Hollywoodlegenden
Linda Tomlin (l.) und Jane Fonda können trotz ihres Einsatzes die Serie nicht retten.

Zapping - unsere TV-Kritik: Netflix entdeckt die Hollywoodlegenden

(FOTO: NETFLIX)
Linda Tomlin (l.) und Jane Fonda können trotz ihres Einsatzes die Serie nicht retten.
Kultur 2 2 Min. 16.05.2015

Zapping - unsere TV-Kritik: Netflix entdeckt die Hollywoodlegenden

Bei Netflix’ neuster Serie, „Grace & Frankie“, ist ein Ende der Anfang. Nach 40 Jahren Ehe teilen Grace (Jane Fonda) und Frankies (Lily Tomlin) Ehemänner ihnen bei einem gemeinsamen Restaurantbesuch mit, dass sie sich von ihnen trennen. Was folgt ist leider zu unausgegoren.

Von Chris Pesch

Bei Netflix’ neuster Serie, „Grace & Frankie“, ist ein Ende der Anfang. Nach 40 Jahren Ehe teilen Grace (Jane Fonda) und Frankies (Lily Tomlin) Ehemänner ihnen bei einem gemeinsamen Restaurantbesuch mit, dass sie sich von ihnen trennen. Dabei ist es keineswegs so, dass ihre Gatten sich, wie es sich für Herren fortgeschrittenen Alters mittlerweile gehört, jüngere Partnerinnen wünschen. Ganz im Gegenteil: Robert (Martin Sheen) und Saul (Sam Waterston) haben sich ineinander verliebt, und wollen ihre letzten Jahre gemeinsam verbringen. Für Grace und Frankie ein Schock, ist es für den Zuschauer der Beginn einer unterhaltsamen Komödie.

Verschlimmernd für die beiden Frauen kommt hinzu, dass sie ihr Leid rein gar nicht miteinander teilen wollen, sind sie doch in einer innigen Abneigung verbunden. Die adrette Grace legt großen Wert auf ihr Äußeres, ist weltgewandt und genießt die schöneren Facetten des Lebens. Kein Wunder, dass Althippie Frankie für sie ein rotes Tuch darstellt, malt diese doch abstrakte Kunst, meditiert und erforscht ansonsten nicht nur ihre Seele, sondern auch den gesamten Kosmos.

Der Zufall will es jedoch, dass die beiden Familien sich vor Jahren zusammen ein Strandhaus gekauft haben, in dem sowohl Grace als auch Frankie nun Unterschlupf finden. Und es ist in diesem Strandhaus, dass die Serie ihre stärksten Augenblicke erlebt. Fonda und Tomlin gemeinsam auf dem Bildschirm zu erleben, ist wahrlich ein Genuss, da die Chemie zwischen diesen Legenden Hollywoods ganz einfach stimmt.

Shopping-Queen trifft Althippie

Die beiden Darstellerinnen verfügen über ein halbes Jahrhundert an Erfahrung, und finden für jeden noch so beliebigen Gag den richtigen Ton, um der Serie Frische einzuhauchen. Zwischen ihnen entsteht ein wunderbares Hin- und Her, am Ende dessen eigentlich jede Spitze sitzt. Dies ist auch nötig, denn abgesehen von der fürs Fernsehen ungewohnten Präsenz eines gleichgeschlechtlichen Paares im dritten Alter, bietet die Reihe kaum Bahnbrechendes.Vielmehr folgt „Grace & Frankie“ bekannten Mustern. Das nun glückliche Paar und die beiden Verlassenen brauchen einige Zeit, um sich in ihrer neuen Konstellation zurecht zu finden.

Zu dem gesellen sich Grace und Roberts zwei Töchter und Frankie und Sauls beiden Söhne, um der Serie zu einem größeren Spielraum zu verhelfen. Leider entwickeln vor allem die erwachsenen Kinder kaum Eigendynamik und nehmen so Sendezeit ein, die man lieber mit ihren Müttern verbrächte.

Und so sehr man Martin Sheen und Sam Waterston auch mag, muss man doch gestehen, dass es schwerfällt, ihnen ihre Liebe zueinander abzukaufen. Fast krampfhaft versuchen sie, nicht der klischeehaften Darstellung eines homosexuellen Mannes zu folgen, nur um schlussendlich fast leblose Charaktere zu kreieren. Ihnen fehlt es an jener Lockerheit und Fantasie, mit welcher Fonda und Tomlin ihre Szenen bereichern. So wirkt die Handlung ganz nett, doch fesselnd ist sie nicht.

Und hierin liegt das wahre Problem der Serie. So lustig und mitreißend ihre Hauptdarstellerinnen auch sind, ist das Gesamtgefüge zu dünn, als dass „Grace & Frankie“ eine Serie sein könnte, die man nicht verpassen darf. Liefe die Serie im regulären Fernsehen, wäre es sicherlich vorstellbar, dass man sich wöchentlich eine halbe Stunde dafür Zeit nimmt. Doch stetig umgeben von spannenderen Möglichkeiten auf Netflix, ist es eher eine Show, in die man reinschaut, um sie dann wieder zu vergessen. Schade, denn all zu viele Gelegenheiten Fonda und Tomlin so in Aktion zu sehen, wird es wohl nicht mehr geben.

Zugriff auf die Serie über die Stream- und Downloadplattform www.netflix.lu (Abonnement Gesamtangebot ab 7,99 Euro/Monat)