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Zapping - Unsere TV-Kritik: God Save the Queen – und die Quote
Kann Elisabeth der Last der Krone gerecht werden?

Zapping - Unsere TV-Kritik: God Save the Queen – und die Quote

Foto: Netflix
Kann Elisabeth der Last der Krone gerecht werden?
Kultur 2 2 Min. 13.11.2016

Zapping - Unsere TV-Kritik: God Save the Queen – und die Quote

Vesna ANDONOVIC
Vesna ANDONOVIC
Ist die neue Netflix-100-Millionen-Dollar-Serie „The Crown“ eigentlich mehr als ein „House of Cards“ trifft „Downton Abbey“?

Von Vesna Andonovic

Peter Morgan hat offensichtlich eine Fixation. Das Objekt seines geradezu obsessiven Interesses ist eine Dame aus (aller-)bester Gesellschaft: Elizabeth Alexandra Mary, geborene Windsor.

Und der Brite ist auch noch ein bekennender Wiederholungstäter dazu, der somit sein Sujet aus dem Effeff kennt und demzufolge meisterlich beherrscht. Denn nach dem Drehbuch zu Stephen Frears „The Queen“, der 2006 seiner Hauptdarstellerin Helen Mirren einen Oscar bescherte, und dem Theaterstück „The Audience“, in dem sie – und später Kollegin Kristin Scott Thomas – als Elisabeth II. auf den Bühnen des Londoner West End und New Yorks Broadway gefeiert wurden, zeichnet er nun verantwortlich für „The Crown“.

100 Millionen Dollar, so wird gemunkelt, habe Netflix in seine neue Produktion investiert – nach „The Get Down“, das zweitteuerste Projekt seiner Geschichte. „The Crown“ zeichnet den Weg nach, der aus Lilibet, älteste Tochter Georg VI., Königin Elisabeth II. machte.

Die erste von geplanten sechs Staffeln – eine pro Jahrzehnt Herrschaft der Monarchin – ist seit vergangenem Freitag auf der Streaming-Plattform Netflix abrufbar und lockte bereits Millionen Zuschauer weltweit an.

Blick hinter die royale Fassade

Nicht nur weil sie – mit 90 Lenzen – zu den ältesten regierenden Monarchen der Welt zählt, auch weil sie inzwischen 63 Jahre auf dem Thron Großbritanniens verbracht hat, ist Elisabeth II. eine Landmarke nicht nur europäischer, sondern auch der Menschheitsgeschichte. Seit ihrer Krönung, am 2. Juni 1953 – eine der ersten Fernseh-Liveübertragungen –, leitet sie „The Firm“, wie die königliche Familie zuweilen genannt wird. Und was gibt es Attraktiveres und Spannenderes, als (s)einer kleinen, voyeuristischen Freude zu frönen und hinter die prachtvollen königlichen Kulissen zu blicken, um Einblick in deren allzu menschliche Abgründe zu erlangen. Neugier wird hier geschickt geweckt und genährt.

Netflix positioniert sich mit „The Crown“ und dem dafür betriebenen Aufwand in einer Liga, die bislang eher großen Kinoproduktionen vorbehalten war. Das Erfreuliche daran: Die Serie hält – in puncto Anspruch und Qualität – was der Blick auf die Liste der Mitwirkenden vorab versprach.

Zur eigentlichen Geschichte muss das Drehbuch mit Episoden wie der Abdankung Edward VIII. wegen seiner skandalösen Beziehung mit der Amerikanerin Wallis Simpson, der Affäre von Prinzessin Margaret mit dem geschiedenen Peter Townsend oder aber dem tödlichen Smog über London im Dezember 1952 zur Dramatisierung an sich wenig hinzudichten. Geschickt verwebt Burton demnach – abwechslungsreich mit Rückblenden gestaltet – historisch belegte Ereignisse mit erfundenen „privaten“ Szenen; ohne dabei je in eine ebenso verlockende wie schale Sensationsgier zu verfallen.

Man spürt stets den wohlwollenden Respekt, den er den Figuren und ihren gesellschaftlichen Rollen entgegenbringt. Stephen Daldry, der u. a. bei „Billy Elliot“ und dem Stück „The Audience“ Regie führte, gibt in den ersten beiden Folgen die visuelle Vintage-Patina vor, die durchweg gehalten wird: typisch britische Zurückhaltung, gedämpfte Farben und gepflegte Bildkomposition.

Auch Claire Foy, die Anne Boleyn aus „Wolf Hall“, überzeugt als Elizabeth: Genau wie die wahre Queen, präsentiert sie dem Publikum eine festungsähnliche Fassade, die der Zuschauer nur schwer durchdringt, lässt aber gekonnt hie und da einen Hauch Emotionen wie Unsicherheit, gar Geschwisterneid durchscheinen, der ihrer Figur fesselnde Tiefe verleiht.

Die Nebenrollen sind mit u. a. Matt Smith als unangepasster Herzog von Edinburgh oder John Lithgow als berührender Churchill hochkarätig besetzt. „Long live the Queen“ ist demnach auch hier unanfechtbares Motto.