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Zapping- Unsere TV-Kritik: Diabolische Allianz
Francis J. Underwood (Kevin Spacey) geht in House of Cards über Leichen.

Zapping- Unsere TV-Kritik: Diabolische Allianz

Foto: Netflix
Francis J. Underwood (Kevin Spacey) geht in House of Cards über Leichen.
Kultur 1 2 Min. 25.09.2016

Zapping- Unsere TV-Kritik: Diabolische Allianz

Marcel KIEFFER
Das lange Warten auf die vierte Staffel hat sich gelohnt. Wer dachte, Frank und Claire Underwood, Doug Stemper und wie sie alle heißen, hätten bereits alle Abgründe der Niederträchtigkeit ausgereizt, sieht sich eines Besseren belehrt.

Das lange Warten auf die vierte Staffel hat sich gelohnt. „House of Cards“ treibt mit den 13 nächsten Folgen neuen Höhepunkten an allen erdenklichen Auswüchsen menschlicher Hypokrisie und Duplizität entgegen. Wer dachte, Frank und Claire Underwood, Doug Stemper, Jackie Sharp, Remy Danton und wie sie alle heißen, hätten in den 39 ersten Folgen der US-Erfolgsserie alle Abgründe der Niederträchtigkeit ausgereizt, sieht sich eines Besseren belehrt.

In einem Moment, in dem gerade tatsächlich ein Präsidentschaftswahlkampf in den USA stattfindet und manches dabei den europäischen Beobachter in ungläubiges Staunen versetzt, gerät „House of Cards“ zu einer in ihrer Eindringlichkeit geradezu beängstigenden Moralstudie, die die Erkenntnis nahelegt, wie tief und unentrinnbar der Sumpf von Interessen und Karrieresucht gesteuerter Politik ist, der sich hinter einer nur allzu durchschaubaren Kulisse gespielter Ehrbarkeit ausbreitet.

Macht und Ego

Selbst Bill Clinton und Barack Obama, erklärte Fans der Serie, haben es gesagt: „House of Cards“ kommt in vielem der politischen Realität in Washington sehr nahe. Es liegt also wohl nicht nur am Einfallsreichtum der hervorragenden Drehbuchschreiber, dass HOC beim Zuschauer immer wieder ein kaltes Schaudern hervorruft. Obwohl es stets nur um die Macht und das eigene Ego geht, ein Umstand, der anderen Produktionen früh die Luft hätte ausgehen lassen, gehen den Machern von „House of Cards“ auch in der vierten Staffel nicht die Szenarien aus, die ein von Anfang an gelungenes Casting ungemein gut umsetzt.

Kevin Spacey und Robin Wright als Frank und Claire Underwood stellen sich einmal mehr als perfekte Besetzung für ein schon ab dem Ende der dritten Staffel unter Druck geratenes Präsidentenehepaar heraus, bei dem es hinter der Glamourfassade bröckelt. Mehr noch: Ihre Ehe scheint definitiv am Ende, was sie zusammen hält, ist ein unbändiger Machthunger, der sie einander gegenüber jede Zurückhaltung abstreifen und aus purer Berechnung gemeinsam skrupellos immer böseren Intrigen entgegenstreben lässt. Frank – nach wie vor der sich über „die vierte Mauer“ offenbarende Vertraute des Zuschauers – bekommt es in seinem Präsidentschaftswahlkampf mit ebenso verschiedenen wie entschlossenen Herausforderern zu tun. Die schöne, kalte, berechnende Claire zeigt sich dabei besonders rücksichtslos.

Die schöne, aber eiskalte First Lady (Robin Wright).
Die schöne, aber eiskalte First Lady (Robin Wright).
Foto: Netflix

Dazu kommt die neue (vielleicht etwas karikatural überzeichnete) Figur des jungen, narzistischen republikanischen Herausforderers Will Conway, der von Joel Kinnaman (bekannt als Stephen Holder in der AMC-Serie „The Killing“) beeindruckend dargestellt wird. Eine kaputte Ehe, eine Ölkrise, ein Mordanschlag, der Kampf gegen den Terrorismus, sinkende Umfragewerte und zu guter Letzt der kalte Atem eines über die vergangenen Schandtaten des Frank Underwood recherchierenden Journalisten im Nacken treiben den politischen Machtmenschen in die Enge, der letztlich unter der Anleitung seiner nicht minder diabolischen „First Lady“ in der Flucht ins ultimative Chaos den Ausweg sucht.

So deutet sich für die (bereits von Netflix angekündigte) fünfte Staffel neuer, spannender Stoff an. Auch wenn Showrunner Beau Willimon die Produktion verlässt, verspricht die Qualität des Castings und der weiter an Bord bleibenden Drehbuchautoren (vor allem Melissa James Gibson und Frank Pugliese) neue faszinierende HOC-Erlebnisse ab dem kommenden Frühjahr.

„House of Cards“ läuft auf der in Luxemburg erhältlichen VOD-Plattform Netflix (deutsche Fassung).