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Zapping - unsere TV-Kritik: 007 ohne Action, aber mit Stil
Kultur 3 3 Min. 29.08.2016

Zapping - unsere TV-Kritik: 007 ohne Action, aber mit Stil

In den Fängen des Teufels: Richard „Dickie“ Roper (Hugh Laurie) nimmt Jonathan Pine (Tom Hiddleston) in seine Organisation auf.

Zapping - unsere TV-Kritik: 007 ohne Action, aber mit Stil

In den Fängen des Teufels: Richard „Dickie“ Roper (Hugh Laurie) nimmt Jonathan Pine (Tom Hiddleston) in seine Organisation auf.
Foto: AMC/ BBC / Des Willie
Kultur 3 3 Min. 29.08.2016

Zapping - unsere TV-Kritik: 007 ohne Action, aber mit Stil

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Sexy Look und Fokus aufs Zwischenmenschliche: "The Night Manager" hat am 29. August Free-Premiere im ZDF. Wir haben in die Agentenserie mit Hugh Laurie ("Dr. House") als Oberfiesling reingeschaut.

Von Daniel Conrad

Wann haben Sie sich eigentlich zum letzten Mal in einer Naturlandschaft nackt unter einen Wasserfall gestellt, um zu duschen? Für den „Night Manager“ gehört das ganz normal dazu. Diese und andere Szenen sorgen für den sexy Look der BBC-Agentenserie – adaptiert und aktualisiert nach dem gleichnamigen Roman von John Le Carré, die nach ihrer BBC-Premiere auf Amazon Prime zu sehen ist.

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Kurz zum Inhalt – ohne allzu großen Spoiler: Der ehemalige britische Soldat Jonathan Pine verdingt sich als Nacht-Manager einer Kairoer Nobelherberge. Während des Arabischen Frühlings verliebt er sich in Sophie Alekan, Gast in der teuersten Suite, die offensichtlich um ihr Leben fürchten muss. Weil Pine Bekannte bei der britischen Botschaft hat, vertraut sie ihm – als Lebensversicherung und in der Hoffnung auf eine Flucht nach Großbritannien – schließlich Dokumente von höchster Brisanz an. Sie bezeugen illegale Waffenlieferungen im großen Stil – begangen von ihrem Mann und seinem Boss im Schatten, der sich sonst mit seinem sozialen Engagement in Krisenregionen brüstet.

Finstere Schatten eines Saubermanns

So wird Zug um Zug klar, dass hinter dem Schattenmann Richard Roper weit mehr als ein humanistischer Landmaschinenhändler steckt – ja sogar, dass er höchste Kreise schmiert, um ungestört seinen dunklen Machenschaften nachzugehen. Sophie Alekan muss trotzdem sterben – und Pine tatenlos dabei zusehen bzw. sich sogar mitverantwortlich fühlen.

Erst Jahre später bekommt er die Gelegenheit, sich für ihren Tod zu rächen. Von der aufs interne Abstellgleis manövrierten Geheimdienst-Operationsleiterin Angela Burr lässt sich Pine als Agent und V-Mann anwerben, um Roper endgültig zur Strecke zu bringen. Soviel zur Ausgangslage, die immerhin die erste Folge der achtteiligen Serie einnimmt.

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Das zeigt schon das Tempo: Regisseurin Susanne Bier darf sich Zeit lassen und Bilder voller Eleganz schaffen. Da wundert es auch nicht, dass sich die Miniserie auf der Berlinale präsentieren durfte und dabei die Experten mutmaßen ließ, ob das Streaming-Pantoffelkino inzwischen mehr Geld und Aufmerksamkeit als „richtige“ Filme erhalte. Ach, und wer Pine-Darsteller Tom Hiddleston eher als „Loki“ der Thor-Comic-Verfilmungen kennt, ist über dessen Wandlungsfähigkeit (diesmal in kurzem Haar und Maßanzug) erstaunt. Man hört gar Angela Burr sagen: „Sie sind fast zu perfekt“ – das trifft nicht nur auf den gespielten Charakter, sondern auch auf die Gestaltung der Serie zu.

Edle Verpackung für eine Agentenserie

Es dauert für den Showdown bis Folge sieben – bis dahin ist alles recht glatt und man fragt sich, ob da nicht noch mehr Unterschiede zwischen schillernder Fassade und dem Abgrund dahinter auslotbar gewesen wären. Stattdessen wird das Zwischenmenschliche betont, das Netz aus Vortäuschung, Intrige und Machtspiel immer stärker versponnen – das wird dann auch die Zuschauergemeinde spalten. Nervenaufreibende Action und Gewaltorgien sind hier eben eher Nebensache. Zudem verlässt sich das Team ganz auf die Ausstrahlungskraft seiner Protagonisten. Hugh Laurie-Fans dürfen sich freuen, dass der Ex-Dr. House als Oberfiesling seine Zornesmienen wieder auspacken darf.

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Das literarische Motiv der Nacht, die Operation im Dunklen, Verborgenen, wenn alles schläft, schält Regisseurin Susanne Bier über die Mittel des Films leider nicht genügend heraus. Dafür weidet sich die Kamera von Michael Snyman an Augen-Naheinstellungen um eindringlichere Schärfe zu generieren.

Natürlich liegt für die Agentenserie der Vergleich zu Bond nahe: 007 ist scheinbar in neuer Form auferstanden. Jonathan Pine ist ein einsamer Wolf – wie Bond ohne echten Familienanschluss, aber dafür mit mehr als genügend Anziehungskraft auf Weiblein wie Männlein gesegnet. Dazu gibt es einen perfiden Oberbösen mit entsprechendem Gefolge, sexy gefügigen Frauen und schwulem Exekutant, des Weiteren ein immer imposantes Setting mit Panoramaaufnahmen und britische Manieren – gut, Autos mit Raketenwerfer und Laser-Uhren fallen weg. Dennoch scheint man die Elemente alle schon zu kennen. Aber immerhin sind sie schön anzusehen.

Am 29. August hat "The Night Manager" um 22.15 Uhr seine Free-Premiere auf ZDF.