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Zapping: "Troy: Fall of a City"
Bei den Mitteln wurde in „Troy: Fall of a City“ nicht gespart – die Serie rettet das unterm Strich dennoch nicht.

Zapping: "Troy: Fall of a City"

Foto: BBC Pictures
Bei den Mitteln wurde in „Troy: Fall of a City“ nicht gespart – die Serie rettet das unterm Strich dennoch nicht.
Kultur 20.06.2018

Zapping: "Troy: Fall of a City"

Vesna ANDONOVIC
Vesna ANDONOVIC
„Troy: Fall of a City“ macht aus der „Ilias“, dem Heldenepos des guten, alten Homer, eine Portion Popcorn, bei der leider allzu viele Körner nicht aufgeplatzt sind. Kein Wunder demnach, dass der Zuschauer ständig Gefahr läuft, sich daran die Zähne auszubeißen ...

So, wie man den Popcornbecher bis auf den Grund leer isst, selbst dann, wenn man schon längst gesättigt ist, schaut man sich dann auch die acht Episoden von „Troy: Fall of a City“ an – bis zum bitteren Ende.

Nicht, weil man wissen will, wie es nun ausgeht, denn das tun die meisten schon, bevor sie überhaupt in die Serienfassung des Trojanischen Krieges eintauchen. Nein, man tut es, weil die technischen und finanziellen Mittel, die Netflix und BBC One in diese Miniserie gesteckt haben, doch beachtlich sind – und sich das Ganze ohne größere Anstrengung, sprich Überlegung, ansehen lässt.

Man tut es jedoch ebenfalls, weil man irgendwann von der Neugier getrieben ist, was Serienautor Mika Watkins und Regisseur Mark Brozel sich noch als Änderung einfallen lassen, um Homers Geschichte fürs Publikum des 21. Jahrhunderts zu pimpen und mundgerecht zu portionieren: Ein schwarzer Zeus scheint dabei ebenso wirksam wie durchgestylte Kleider. Nicht von ungefähr heißt es im Vorspann dann fairerweise „von Homer inspiriert“.

Dass die britisch-amerikanische Koproduktion sich an diesen klassischen Stoff wagt, wundert letztlich nicht – findet man in den Sagen des klassischen Altertums und ihrer scheinbar verstaubten Moral doch alle Zutaten, die es zu einem modernen Blockbuster braucht: Spannung, Action, Drama, Herzschmerz, List, Verrat, Mord und Totschlag – kurz: den Stoff, aus dem die Albträume sind.

Angenehmer Lebenszeitverlust

Selbst wenn heutzutage der Raub einer schönen Frau (der Griechin Helena) durch einen Fremden (der trojanische Prinz Paris) nicht mehr zu einem zehnjährigen Krieg zwischen Nationen führt, dürfte die der Story zugrunde liegende „Meins“-„Deins“-Logik noch immer so manchen diplomatischen Zwischenfall erklären.

Um Glaubwürdigkeit geht es der Produktion nicht wirklich, eher schon um wirksame Unterhaltung – was dann auch größtenteils gelingt. Einen bleibenden Eindruck hinterlässt sie nicht. Leider wird dabei das Potenzial der dem Zeitgeist geschuldeten Ansätze verspielt, wie etwa die Frage der Emanzipation (die unglücklich verheiratete Helena verlässt ihren royalen Ehemann Menelaos) oder die Frage nach der eigenen Identität (Hirtenspross Paris entpuppt sich plötzlich als trojanischer Prinz Alexander). Unter dem Strich ist „Troy: Fall of a City“ ein achtstündiger Lebenszeitverlust, der zwar angenehm daherkommt, dessen Spuren im Sand der Zeit jedoch schnell verwischen.

Die acht jeweils 58 Minuten langen Folgen von „Troy: Fall of a City“ sind auf Netflix abrufbar.