Zapping „This Is Us“

Geschichten, die das Leben schreibt

Geschichten, die das Leben schreibt

Eine Mischung aus Familien-Drama und Komödie: Im Mittelpunkt stehen die Zwillinge Kevin (Justin Hartley, e.v.l.) und Kate (Chrissy Metz, z.v.l) 
sowie ihr Adoptivbruder Randall (Sterling K. Brown, d. v. l.).
Foto: 20th Century Fox/ NBC

Von Kathrin Schug

Beim amerikanischen Publikum war die Serie ein sensationeller Erfolg, auch die Kritiker überschlugen sich mit Lob für die Produktion. In Deutschland gab es dann unerwartet eine kalte Dusche: Die Einschaltquote von 5,7 Prozent blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Man fragt sich, was da schiefgelaufen ist, denn „This Is Us“ erfindet zwar das Seriengenre nicht neu, ist aber eine erzählerisch und visuell ansprechende Serie, die ihr Publikum durchaus verdient hat.

Über den Zeitraum von 36 Jahren wird die Geschichte des Ehepaares Rebecca (Mandy Moore) und (Milo Ventimiglia) und ihrer Kinder Kate, Kevin und Randall verfolgt. Hier gibt es keine Superkräfte, keine politischen Krisen, keine übernatürlichen Phänomene, sondern schlicht und ergreifend Geschichten, die das Leben schreibt.

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Mit geschickten Einstellungen und Schnitten lässt Regisseur Dan Fogelman die Handlung zwischen den Jahrzehnten springen. Vom Tag der Geburt bis zum 36. Geburtstag der drei Geschwister. Ein erster Schicksalsschlag trifft die junge Familie dabei bereits im Kreißsaal: Rebecca ist mit Drillingen schwanger, ein Kind stirbt jedoch bei der Geburt. Kurzerhand adoptieren die Eltern einen Säugling, der in der selben Nacht geboren und vor einer Feuerwehrwache abgelegt wurde: Randall, Sohn eines afroamerikanischen Pärchens mit Drogenproblemen, verlässt als Dritter im Bunde mit seinen Adoptivgeschwistern das Krankenhaus.

Jeder trägt sein Päckchen

Die Eröffnungsfolge stellt die drei Geschwister kurz vor ihrem 36. Geburtstag vor, in Situationen, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Kate (Chrissy Metz) ist eine adipöse junge Frau mit Selbstzweifeln und einem obsessiven Verhältnis zu ihrem Zwillingsbruder Kevin (Justin Hartley). Jener ist ein mit Schönheit und Erfolg gesegneter Schauspieler, dem die lukrative, aber künstlerisch anspruchslose Rolle in einer Sitcom zu schaffen macht. Randall (Sterling K. Brown) hingegen scheint es in jeder Hinsicht geschafft zu haben: Erfolgreich im Job, glücklich verheiratet, zwei süße Töchter. Und doch plagt ihn die Ungewissheit, wer seine biologischen Eltern sind. So hat jeder sein Päckchen zu tragen.

Diese Konstellation ist der Auftakt zu einem erzählerischen Ansatz, den die Serie zu voller Stärke ausspielt. Mit den Rückblenden in die Vorgeschichten der Protagonisten gewinnen die Figuren eine Tiefe, die nah an der Authentizität des Lebens ist. Denn wie auch im echten Leben sind Familien, Menschen und Probleme nur schwer aus einer Momentaufnahme heraus zu verstehen, sondern immer auch das Produkt ihrer Vergangenheit.

Eine durchweg gute Besetzung, packende Dialoge (die allerdings in der deutschen Fassung entsetzlich viel Stärke und Witz verlieren) und eine originelle Regie machen die Serie zu einem Gewinn im aktuellen Fernsehprogramm. Allerdings sollte man eine hohe Toleranz für gut gemachten Kitsch und kurz getaktete Rührungsmomente mitbringen.

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„This Is Us – Das ist Leben“ läuft jeweils mittwochs, um 21.15 Uhr auf ProSieben.