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Zapping: „The Young Pope“: Glaube, Macht, Größenwahn
Weißer Rauch: Jude Law spielt "The Young Pope".

Zapping: „The Young Pope“: Glaube, Macht, Größenwahn

Foto: SKY/HBO
Weißer Rauch: Jude Law spielt "The Young Pope".
Kultur 2 Min. 30.10.2016

Zapping: „The Young Pope“: Glaube, Macht, Größenwahn

Vesna ANDONOVIC
Vesna ANDONOVIC
"Habemus papam": Und zwar einen in aller Hinsicht ungewöhnlichen Papst - 47 Jahre jung, ein Amerikaner und auch noch von sich und seiner Mission überzeugt. Doch tut das auch Jude Law, der "The Young Pope"?

Lässig zündet er sich eine Zigarette an und betrachtet den aufsteigenden Rauch, wie den verführerischen Hüftschwung einer sinnlichen Bauchtänzerin. „Darf ich mir auch eine genehmigen?“, fragt sein Gegenüber ehrerbietig. „Nein: Rauchen ist überall im Vatikan verboten – hat Johannes Paul II. so entschieden“, antwortet er und zieht genüsslich langsam an seinem Glimmstängel.

Der Nachfolger Petri ist weder ein Mensch, noch ein Geistlicher, wie jeder andere – und der Neue schon gar nicht: Auf den Namen Lenny Belardo getauft, kommt er erstmals aus den Vereinigten Staaten von Amerika, ist mit seinen 47 Jahren im Kirchenstaat noch ein Bub und sieht auch noch (ziemlich) gut aus. Pius XIII. hat der neue Oberhirte sich genannt, und Jude Law leiht ihm seine Züge.

Gewagte Wahl

Eine vorab recht gewagte Wahl von Paolo Sorrentino, der beim Zehnteiler „The Young Pope“ Regie führt: Denn auch wenn der Brite – den man im Juni kommenden Jahres auch live im Grand Théâtre auf der Bühne erleben kann – bekanntlich ein gestandener Schauspieler ist, steht ihm oft genau dieses attraktive Äußere im Wege.

Nicht so in „The Young Pope“ und dies sei gleich vorab verraten: Allein schon durch Laws beeindruckendes Spiel dieses in aller Hinsicht ungewöhnlichen Papstes lohnt es, „The Young Pope“, dessen beide ersten Folgen am Freitag ausgestrahlt wurden, anzusehen. Wenngleich der italienische Filmemacher, dessen „La grande bellezza“ 2014 den Oscar des Besten nicht englischsprachigen Films erhielt, es dem Zuschauer nun wirklich alles andere als leicht macht, in die Serie einzusteigen.

Ein neuer Wind weht im Vatikan

Sorrentino vermischt gleich zu Beginn seine Erzählstränge so, dass es eine gewisse Zeit und eine gehörige Dosis Konzentration seitens der Zuschauer braucht, um auseinander zu halten, was Traum und was Wirklichkeit ist und in welche Richtung sich diese Geschichte denn eigentlich entwickeln wird.

Die Stärke der Serie sind dabei ihre Figuren, deren Charakter und Rollen sich das Publikum ebenfalls erst selbst erschließen muss. Nur spärlich versorgt Sorrentino die Zuschauer mit harten Fakten, wer denn hier wer ist und was er überhaupt will. Trotz des Risikos mit solch einem fordernden Einstieg Zuschauer zu verlieren, zieht der Regisseur und Drehbuchautor dies konsequent durch. Doch bleibt man erst am Ball, kann man kaum erwarten, herauszufinden welche neue Dimensionen sich als nächstes eröffnen.

"Cherry Coke Zero" zum Frühstück

Der neue Chef im Vatikan beginnt seinen Tag weder mit einem Gebet, noch einem üppigen Frühstück, lediglich eine „Cherry Coke Zero“ braucht er, um auf Touren zu kommen. Ein resolut neuer Wind, mit dem so mancher im alteingesessenen Mikrokosmos des Kirchenstaats seine Probleme hat – und schon ist die Basis für Intrigen und Machtspielchen gelegt.

Dabei gelingt es Sorrentino gleichzeitig noch spannendere Schichten einzuflechten, in dem urmenschliche Triebe wie elterliche Liebe, brüderlicher Neid, ja sogar blanker Größenwahn und unakzeptable Arroganz hinzuzudichten. Seine Nebenrollen besetzt er mit Diane Keaton als Pius' Mutterersatz Schwester Mary, Scott Shepherd als sein Bruder im Geiste, Kardinal Dussolier oder James Cromwell als der erzkonservative Mentor, Kardinal Michael Spencer, mit gestandenen Schauspielern.

Bekanntlich ist Fernsehen die neue kreative Spielwiese des Films, bei der sich auch be- und anerkannte Darsteller und Regisseure längst nicht mehr zu schade sind, statt auf großer Leinwand ihren Namen im Abspann einer Serie zu sehen: „The Young Pope“ ist ein weiteres Glied in dieser faszinierenden Kette.

Die Figuren auf dem Schachbrett der vatikanischen Macht sind hier demnach äußerst interessant platziert: Das Spiel kann nun beginnen ...

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„The Young Pope“ läuft im Doppelpack jeweils freitags, um 21 Uhr, auf Sky Atlantic an.