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Zapping: „The X-Files“: Die Wahrheit ist immer noch da draußen
Ob es ihnen diesmal gelingt, endlich Licht ins Dunkel um die X-Files zu bringen? Mulder und Scully ermitteln wieder.

Zapping: „The X-Files“: Die Wahrheit ist immer noch da draußen

Foto: Fox
Ob es ihnen diesmal gelingt, endlich Licht ins Dunkel um die X-Files zu bringen? Mulder und Scully ermitteln wieder.
Kultur 1 2 Min. 21.02.2016

Zapping: „The X-Files“: Die Wahrheit ist immer noch da draußen

Das Comeback der „The X-Files“ offenbart gleich in der ersten Folge seine Schwächen. Wer dann trotzdem dranbleibt, wird belohnt.

von Pit Thommes

In fettgedruckter Schrift prangt „I want to believe“ auf einer verschwommenen Aufnahme eines Ufos. Das weltberühmte Plakat, das in den 1990er-Jahren gleichzeitig in Mulders Büro und in zehntausenden Jugendzimmern hing, dient diesmal als Fußabtreter und Zielscheibe für die Bleistiftprojektile des frustrierten FBI-Agenten.

Das Comeback der „The X-Files“ offenbart gleich in der ersten Folge seine Schwächen. Zwar werden die beiden FBI-Agenten Fox Mulder und Dana Scully aus dem Ruhestand zurückgerufen, doch sie müssen untersuchen, inwieweit ihre alten Fälle nur eine geschickte Täuschung gewesen sind. Dafür greift Chris Carter tief in die Verschwörungskiste. Angefangen bei Roswell 1947 wird bis hin zu „9/11“ alles in einen Topf geworfen. Carter, Schöpfer der Serie, entpuppt sich einmal mehr als ihre Achillesferse. Er kann die Finger einfach nicht von der Mythologie lassen – der undurchsichtigen Hintergrundgeschichte, die sich als roter Faden durch 208 Folgen und zwei Spielfilme ziehen soll. Sowohl eingefleischte Fans als auch ein neues Publikum merken gleich die billige Schaumschlägerei.

Die Schokoladenseite von „The X-Files“

Wer dann trotzdem dranbleibt, wird belohnt. Die darauffolgenden Episoden präsentieren nämlich die Schokoladenseite von „The X-Files“. James Wong konstruiert in Folge zwei eine klassische Akte X: ein mysteriöser Tod, das Monster-der-Woche und eine Prise Paranormales. Beide Hauptdarsteller, David Duchovny und Gillian Anderson, brillieren und unterstreichen einmal mehr, dass die Serie von der Chemie zwischen ihnen lebt.

Ein wahres Feuerwerk folgt in „Mulder and Scully Meet the Were-Monster“. Verantwortlicher ist kein anderer als Darin Morgan, der bereits in 90er Jahren die Comedy-Episoden als festen Bestandteil der Serie etablierte. Hier wird das Monster-der-Woche-Konzept wieder geschickt dekonstruiert. Mulder leidet an einer Depression, er glaubt, seine Irrwege erkannt zu haben und will von Übernatürlichem, Außerirdischen und Verschwörungen nichts mehr wissen. Die sonst skeptische Scully kann sich aber nicht recht darüber freuen – Mulder ist eben nur glücklich, wenn er glaubt, Unerklärliches gefunden zu haben.

Highlight in Zeiten der Armut

Während knapp 45 Minuten wird nun alles von Rang und Namen aus Thriller- und Horrorfilmen zitiert. Da wäre der Kiemenmensch aus „Creature from the Black Lagoon“, das Motel aus „Psycho“, „Moby Dick“ und natürlich „The X-Files“. Selbstironisch spielt Mulders Handy die Titelmusik der Serie, Mulder und das Waldmonster unterhalten sich auf den Gräbern von früheren Mitarbeitern – kurz, die ganze Episode ist der Lohn für über Jahre hinweg etablierte Topoi. Sie unterstreicht auch, dass die Fernsehlandschaft um einiges ärmer geworden ist, seitdem man die Akten X geschlossen hat.

Die Rückkehr von „The X-Files“ auf die heimische Mattscheibe wird von kurzer Dauer sein. Bereits nach sechs Episoden ist Schluss. Und doch hat dieses kurze Aufflackern etwas Tröstliches. Alles ist beim Alten, die Folgen sind durchwegs sogar besser als die verschmähte achte und neunte Staffel. Experimente gibt es nicht – wieso auch?

Nicht hoch genug kann man den Verdienst einschätzen, den „The X-Files“ für die moderne TV-Serie geleistet haben. Auch die sechs neuen Folgen sind ein Vergnügen. Im Bezug auf den Wermutstropfen Mythologie gilt für Fans indessen Mulders Wahlspruch: „Die Wahrheit ist irgendwo da draußen.“

„The X-Files“, amerikanische Mystery-Serie. Sechs neue Episoden, jeweils montags um 21.10 Uhr auf ProSieben.