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Zapping: "The Rain"
Die Überlebende Beatrice (Angela Bundalovic) wappnet sich für den nächsten Schauer.

Zapping: "The Rain"

Foto: Netflix
Die Überlebende Beatrice (Angela Bundalovic) wappnet sich für den nächsten Schauer.
Kultur 2 Min. 12.06.2018

Zapping: "The Rain"

Der Kampf um den Erhalt der menschlichen Spezies startet erneut: Die dänische Netflix-Serie „The Rain“ setzt dabei auf verseuchten, todbringenden Regen.

von Kathrin SCHUG

Wer in den achtziger Jahren in der Obhut ökologisch ambitionierter Eltern aufwuchs, hat gute Chancen, ein gesundes Misstrauen gegenüber Niederschlag in sich zu tragen. Die Warnung vor saurem Regen und nuklearem Fallout haben einer ganzen Generation den Kinderglauben vergällt, dass von oben nur Gutes käme. Angesichts dieser reichen Assoziationen wundert man sich, dass der Regen als apokalyptisches Motiv in Film und Fernsehen bisher keine rechte Würdigung erfahren hat. Durften die Serienhelden sich bereits mit Zombies, giftigem Nebel und gläsernen Wänden herumschlagen, wird die Lücke des todbringenden Regens erst jetzt von der dänischen Produktion „The Rain“ gefüllt. Durch ein medizinisches Experiment wird der Regen zu einem tödlichen Virenträger – wer mit dem Wasser in Kontakt kommt, stirbt binnen Sekunden.

Unheilvoller Wolkenbruch

Die Normalität, in die die Katastrophe hereinbricht, das ist im Fall von „The Rain“ der Schulalltag der Teenagerin Simone (Alba August), der sich um Referate und Verabredungen dreht, bis ihr aufgebrachter Vater die peinlich berührte Tochter ins Auto verlädt und mit quietschenden Reifen stadtauswärts rast. Dass die unheilschwangeren Regenwolken über der Stadt nichts Gutes bringen, erfährt die Familie schon recht bald am eigenen Leib: Die Mutter gerät in den Regen und stirbt einen spektakulären Tod – Zuckungen, Erbrechen, ein letztes Röcheln. Eine deutliche Empfehlung, vielleicht doch lieber drinnen zu bleiben.

Und so richten Simone und ihr kleiner Bruder Rasmus (Lucas Lynggaard Tønnesen) sich im Bunker ein, während draußen die Welt im Giftregen zugrunde geht. Die Jahre vergehen, der Vater bleibt verschollen und eines Tages neigen sich die üppigen Vorräte dem Ende zu. Die mittlerweile jungen Erwachsenen wagen sich hervor in eine Welt, in der nichts mehr ist, wie es war. Eine paramilitärische Einheit macht Jagd auf die letzten verbliebenen Menschen, Tiere sind todbringende Überträger des Virus und – wie sich das für jede postapokalyptische Ordnung gehört – es regiert das Recht des Stärkeren.

Kampf ums Überleben

Gemeinsam mit einer Gruppe von Überlebenden kämpfen die Geschwister sich in Richtung jener Forschungseinrichtung vor, die zunächst als rettender Hafen erscheint, aber ein dunkles Geheimnis birgt.

Solide und erwartbar arbeitet die Serie die Storyline der postapokalyptischen Erzählung ab: Einbruch der Katastrophe, Überlebenskampf mit harten Bandagen, Rückblenden in das frühere Leben der Protagonisten und schließlich Erkenntnis über den Ursprung der Katastrophe.

Die immer wiederkehrenden Dialoge über Moral in unmoralischen Zeiten sind rechtschaffen, aber eben auch schon Tausende Male so oder so ähnlich gehört.

Die Serie plätschert dahin wie gleichmäßiger Regen an einem grauen Sonntagnachmittag. Aber immerhin: Man lernt, die Segnungen eines ganz und gar ungiftigen Sommerregens wertzuschätzen.

Alle Folgen seit 4. Mai auf Netflix abrufbar.