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Zapping „The OA“ : Ebenso anstrengend wie spannend
Als Prairie nach sieben Jahren wieder auftaucht, kann das ehemals blinde Mädchen wieder sehen.

Zapping „The OA“ : Ebenso anstrengend wie spannend

FOTO: JOJO WHILDEN/NETFLIX
Als Prairie nach sieben Jahren wieder auftaucht, kann das ehemals blinde Mädchen wieder sehen.
Kultur 1 2 Min. 15.01.2017

Zapping „The OA“ : Ebenso anstrengend wie spannend

Pol SCHOCK
Pol SCHOCK
Bekanntlich braucht man als Zuschauer immer etwas Zeit, um in eine Serie „einzusteigen“. Bei der Netflix-Produktion „The OA“ kann sich dieses Vorspiel mal locker zur regelrechten Geduldsprobe entwickeln - doch es lohnt sich.

Von Vesna Andonovic

Bekanntlich braucht man als Zuschauer immer etwas Zeit, um in eine Serie „einzusteigen“. Je kürzer diese Phase ist, umso wirksamer dürften die Zutaten sein, die sie ausmachen. Bei der Netflix-Produktion „The OA“ kann sich dieses Vorspiel mal locker zur regelrechten Geduldsprobe entwickeln, denn nicht nur dauert es, bis die Geschichte Fahrt aufnimmt, auch nachdem sie das erreicht hat, wird der Zuschauer nicht wirklich schlau aus ihren Paradigmenwechseln.

Wer als zielorientierter Akteur durchs Leben und seine Serienvorlieben steuert, sollte sich demnach wohl besser enthalten. Wen aber die Entdeckung einer völlig neuen, in Nebel getauchten Landschaft reizt, darf sich auf spannende Entwicklungen freuen.

Als die ehemals blinde Prairie Johnson sieben Jahre nach ihrem mysteriösen Verschwinden wieder auftaucht, sich nur noch „The OA“ nennt, bizarre Narben auf ihrem Rücken hat und plötzlich wieder sehen kann, nimmt sie nicht nur eine Gruppe Jugendlicher, sondern auch den Zuschauer mit auf eine Reise durch ihre Vergangenheit – und die beginnt als Mädchen eines reichen, russischen Oligarchen bis sich die Ereignisse plötzlich überschlagen ...

Der Vergleich zu einer anderen Netflix-Produktion, „Stranger Things“ liegt logischerweise auf der Hand: Denn „The OA“ verströmt dieselbe Atmosphäre in der sich vielschichtig und manchmal etwas verwirrend Coming-of-age, SciFi, Horror und Mystery zu einer regelrechten Genreorgie vermischen. Nur geht die aktuelle Serie noch einen Schritt weiter in der Experimentierfreude.

Aufs Risiko hin, dass so mancher Zuschauer dabei auf der Strecke bleibt, weil ihm der Geduldsfaden reißt. Denn die Serienmacher Zal Batmanglij und Brit Marling, die hier Prairie spielte, bieten ihm als Ersatz keinen Ariadnefaden, der ihm in der labyrinthischen Erzählung den richtigen Weg Richtung Ausgang, sprich Erklärung weisen würde.

„Love it or hate it“

Dabei legen sie sich überaus geschickt dabei an, das Publikum emotional zu manipulieren, indem sie es – zeitgleich – mit den Figuren des Films die „Story“ entdecken und ihre Hoffnungen und Zweifel teilen lassen. Genau wie die Figuren will auch der Zuschauer herausfinden, was es denn mit diesem „OA“ und ihrer Geschichte auf sich hat. Das fordert die Bindung eher noch an die Figuren als an die Geschichte an sich und provoziert letztlich eine Art Stockholm-Syndrom beim Zuschauer.

Hauptdarstellerin Brit Marling, die mit Batmanglij bereits an „Sound of My Voice“ und „The East“ arbeitete, dosiert als Prairie ihr Spiel fein und ist ein magnetisch wirksamer Ankerpunkt.

Vielleicht ist die beste Zusammenfassung von „The OA“ am Ende ja das Altbekannte: „Was er macht, ist so geheim, dass er es selbst nicht weiß.“ Da bleiben eigentlich nur zwei mögliche Reaktionen: Man liebt oder man hasst es. Aber vielleicht kann man sich auch mal selbst überraschen ...

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Die acht Folgen der ersten Staffel von „The OA“ kann man sich über die Streamingplattform Netflix ansehen.