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Zapping: "The Americans": Mordspaar und Pokerface
Die drei ersten Staffeln von "The Americans" sind auf Netflix abrufbar.

Zapping: "The Americans": Mordspaar und Pokerface

Foto: Patrick Harbon/FX
Die drei ersten Staffeln von "The Americans" sind auf Netflix abrufbar.
Kultur 1 2 Min. 26.02.2017

Zapping: "The Americans": Mordspaar und Pokerface

Marcel KIEFFER
Entführungen, Verfolgungen und Mordanschläge: In der Spionage-Serie "The Americans" sorgt ein unscheinbares KGB-Pärchen für einen absoluten Spannungsfaktor.

Wenn eine 2013 gestartete Serie auch am Ende der dritten Staffel in unverminderter Weise von ihrer Spannung und dem überzeugenden Spiel ihrer Darsteller lebt, dann verdient sie zweifellos die Prädikate: außergewöhnlich überzeugend und selten gut. Das ist für die US-amerikanische Serie „The Americans“ der Fall, die jetzt schon bis 2018 verlängert wurde und somit voraussichtlich erst mit der sechsten Staffel enden wird.

Dabei ist die Handlung, die den Zuschauer in das Washington der 1980er-Jahre und die Zeit des Kalten Krieges zurückversetzt, durchaus nicht so neu. Doch dass die Rezepte des Spionage-Genres – denn um solches geht es bei „The Americans“ – auch aus einer gewissen anachronistischen Perspektive heraus nach wie vor funktionieren, beweist diese Produktion absolut. Und dies nicht nur weil sie auf der Idee von Drehbuchschreiber Joe Weisberg beruht, der, nach seinem Yale-Abschluss, selbst einige Jahre CIA-Agent war und das Milieu wie seine Westentasche kennt. Besetzung, Regie und Atmosphäre tun das Ihrige dazu, dass die im Grunde stagnierende, teilweise repetitive Handlung zu keiner Sekunde Langeweile führt.

Eine täuschend echte Normalität

So hat sich seit der ersten Staffel nur wenig am Handlungsrahmen verändert. In einem Vorort von Washington DC täuschen die beiden infiltrierten KGB-Agenten Philip und Elizabeth Jennings (Matthew Rhys und Keri Russell) unter der falschen Identität einer amerikanischen Durchschnittsfamilie mit zwei heranwachsenden Kindern eine unauffällige, biedere Normalität vor, die so rein gar nichts mit ihren tatsächlichen Aktivitäten zu tun hat.

Ob subtile, kühne Infiltrationen, atemberaubende Einsätze, Entführungen, Verfolgungen, Einbrüche, bis hin zu Mordanschlägen, falls es denn sein muss – das Spionenpärchen, das von ihren sowjetischen Führungsoffizieren zu immer gefährlicheren Einsätzen getrieben wird, scheut offenbar vor nichts zurück, auch nicht vor solchen Aktionen, die ihrem scheinbaren Ehe- und Familienglück alles andere als zuträglich sind.

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Die Garanten für das hohe Niveau von „The Americans“ sind aber nicht nur die Drehbuchfiguren von Philip und Elizabeth, in deren Alltag sich langsam, aber sicher Fragen und Zweifel mischen, sondern ein spezieller, sich aus der direkten Nachbarschaft der Jennings ergebender Spannungsfaktor. Genau gegenüber wohnt nämlich der über beide Ohren in Eheproblemen steckende Stan Beeman, seines Zeichens Spionageabwehr-Offizier beim FBI.

Noah Emmerich ist mit seinem abgeklärten Wesen und Minenspiel in der Rolle des Agent Beeman absolut überzeugend. Durch seine Verstrickung mit der Doppelagentin Nina Sergeevna (Annet Mahendru) eröffnen sich ebenso spannende Handlungsperspektiven zum sowjetischen diplomatischen Milieu wie durch Philip Jennings Undercover-Einsatz bei der naiven FBI-Sekretärin Martha Hanson (Alison Wright), die im jeweiligen Fall noch viel Potential haben. So wie in Diplomatie, Politik und in der Welt von Spionen und Agenten jede Doppelbödigkeit und jede Wende denkbar sind, spürt man bei „The Americans“, dass das so ganz spezielle Leben der Familie Jennings noch manche Überraschung bereit halten kann.

Wobei der Spannungsbogen von den allmählich auftauchenden Skrupeln bei den sich immer mehr als Paar begreifenden Philip und Elizabeth über die moralischen Prinzipien ihrer Tochter Paige bis zum kühlen Pokerface des Agent Beeman reicht.

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