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Zapping: Taylor Swift, allein im Goldfischglas
Kultur 1 2 Min. 15.03.2020

Zapping: Taylor Swift, allein im Goldfischglas

Das Netflix-Porträt „Miss Americana“ über US-Sängerin Taylor Swift gewährt einen sehenswerten Einblick in das Gefühlsleben eines Superstars.

Zapping: Taylor Swift, allein im Goldfischglas

Das Netflix-Porträt „Miss Americana“ über US-Sängerin Taylor Swift gewährt einen sehenswerten Einblick in das Gefühlsleben eines Superstars.
Foto: Netflix
Kultur 1 2 Min. 15.03.2020

Zapping: Taylor Swift, allein im Goldfischglas

Jörg TSCHÜRTZ
Jörg TSCHÜRTZ
Ein Teenie-Idol wird erwachsen: Der Netflix-Film „Miss Americana“ zeigt die erstaunliche Wandlung des US-Superstars.

50 Millionen verkaufte Alben, 10 Grammys, 127 Millionen Instagram-Follower: Taylor Swift strahlt als gleißend heller Fixstern am Pop-Himmel. Trotz ihres jungen Alters – Swift wurde im Dezember 30 – hat die US-Sängerin bereits viele Verwandlungen hinter sich: 2014 begrub sie die Teenie-Country-Swift und legte mit ihrer fünften LP „1989“ den Grundstein für ihre Regentschaft als Königin des Zuckerwatten-Pop. Drei Jahre später schaufelte sie sich schon wieder ein neues Grab und feierte als grimmig dreinblickender Vamp ihre Wiederauferstehung.

Swifts erstaunliche Wandlung vom dauerlächelnden „Everybody's Darling“ zur coolen Pfeif-mir-nix-Powerfrau ist das zentrale Thema in der Netflix-Doku „Miss Americana“ (Regie: Lana Wilson). Während 85 Minuten folgt ihr die Kamera ins Studio, hinter Konzertkulissen und in ihr Zuhause. Parallelen zur Lady-Gaga-Doku „Five Foot Two“ werden erkennbar. Swift liest aus ihrem Tagebuch vor, wartet nervös auf Social-Media-Reaktionen, zupft an der Gitarre, erzählt über ihr Leben im Goldfischglas, einsam und ständig unter Beobachtung, wie im Musikvideo zu ihrem Song „Lover“.

Schon in den ersten Szenen des Films wird man hellhörig. „Ich wollte stets ein gutes Mädchen sein. Ich war so erfüllt von Anerkennung“, erzählt die Protagonistin, ohne dabei weinerlich zu wirken. „Ich wurde die Person, zu der mich alle machen wollten.“

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Derart viel Selbstreflexion ist man von Superstars nicht gewöhnt. Scharfsinnig sinniert Swift über die Zwänge der Musikbranche, spricht offen über ihre privaten Auf und Abs – und sorgt mit markigen Sprüchen ein ums andere Mal für Aha-Momente. Die Behauptung, dass sich weibliche Popstars im Laufe ihrer Karriere „20 Mal“ häufiger neu erfinden müssen als ihre männlichen Kollegen, hat etwas für sich.

Spitze Feder, dünne Haut, offenes Herz

Zwei Negativerlebnisse haben besonders tiefe Spuren in der Seele der Künstlerin hinterlassen – und ihre Kampfeslust als Frauenrechtlerin geweckt. 2009 stellte Rapper Kanye West die damals 19-Jährige bei einer MTV-Preisverleihung brutal bloß. 2013 wurde Swift bei einem Fototermin von einem Radio-DJ begrapscht. Den darauf folgenden Gerichtsprozess gewann sie.

Bei aller zur Schau gestellten Offenheit wird man das Gefühl nicht los, dass in Wahrheit die Hauptdarstellerin die Regie im Film führt. Über ihr Liebesleben gibt „Miss Americana“ nur fragmentarisch Auskunft. Kritik an ihr lässt sie hauptsächlich durch TV-Rückblenden zu. Dennoch ist das Netflix-Porträt keine hagiografische Lobhudelei.


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Im Verlauf des Films werden die Konturen einer komplexen Persönlichkeit hinter dem scheinbar perfekten Popstar erkennbar. Swifts authentische Art, ihre Ernsthaftigkeit und Hingabe beim Songschreiben lassen einen erstaunen. Die Sängerin aus Nashville, Tennessee, will kein Mitleid, dies kann sie sich als Multimillionärin ohnehin nicht erwarten. Doch den Mund will sie sich auch nicht verbieten lassen

„Ich will weiterhin eine spitze Feder, eine dünne Haut und ein offenes Herz haben“, sagt sie in einer Szene. Das frühere Postergirl des weißen, konservativen Amerika scheut es auch nicht mehr, sich politisch zu äußern und für demokratische Politiker zu werben. US-Präsident Donald Trump mag ihre Musik deshalb „um etwa 25 Prozent weniger“. Mit ihrem Hitsong „You Need To Calm Down“ hat sich die Sängerin im Vorjahr zudem der LGBTQ-Community als Ikone angedient. Das Verwandlungsspiel geht munter weiter.

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„Miss Americana“ läuft auf Netflix. 


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