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Zapping: „Taboo“ : The Revenant
Tom Hardy als mysteriöser Rückkehrer in „Taboo“.

Zapping: „Taboo“ : The Revenant

Foto: BBC One
Tom Hardy als mysteriöser Rückkehrer in „Taboo“.
Kultur 1 3 Min. 29.01.2017

Zapping: „Taboo“ : The Revenant

Pol SCHOCK
Pol SCHOCK
Sie wurde im Vorfeld als das neue „Game of Thrones“ gehypt: die historische Serie „Taboo“ erweckte große Erwartungen durch das namhafte Cast um Tom Hardy und ein viel versprechendes Setting. Doch die BBC-Serie will auch nach drei Folgen noch nicht so recht in Fahrt kommen.

Von Pol Schock

Sie wurde im Vorfeld als das neue „Game of Thrones“ gehypt: die historische Serie „Taboo“ erweckte große Erwartungen durch das namhafte Cast um Tom Hardy und ein viel versprechendes Setting. Doch die BBC-Serie will auch nach drei Folgen noch nicht so recht in Fahrt kommen.

London 1814: Ein toter Adliger, ein zurückkehrender Sohn und jede Menge Interessenüberlagerungen. James Delaney taucht wider Erwarten der Londoner Society zum Begräbnis seines Vaters in London auf. Delaney galt seit Jahren als verschollen in den Tiefen Afrikas.

Die Rückkehr des Erben ist für die „British East India Company“ ein Gräuel. Denn die Familie Delaney gilt zwar mittlerweile als unehrenhaft, unbedeutend und verarmt, ist aber im Besitz eines Flecken Erde an der Küste des Pazifiks, das von großer machtpolitischer Bedeutung ist. Denn Großbritannien befindet sich gerade im Krieg mit den Vereinigten Staaten („Zweiter Unabhängigkeitskrieg“) und der Ort „Nootka Sound“ im Niemandsland zwischen den Vereinigten Staaten und Britisch-Kanada gilt als Schlüsselland im Handelsweg nach China. In Händen der „British East India Company“ wäre das imperiale Interesse Britanniens langfristig gesichert.

Doch der mysteriöse und unberechenbare Delaney steht diesen Zielen des „Empires“ im Weg. Denn er hegt andere Interessen – jenseits von Geld, Patriotismus und Macht, die sowohl Zuschauer als auch seinen Widersachern lange verborgen bleiben. Selbst Bestechungsversuche unterschiedlichster Art führen zu keinem Kompromiss. Also wird Delaney für die mächtige „Company“ zum prioritären Feind, den es zu eliminieren gilt ...

Blut, Schmutz und Dämonen

„Taboo“ spielt zu einer Zeit, die den Menschen der Gegenwart ein fremdes Land ist. Und gemäß des Authentizitätscredos der vergangenen Jahre bemüht sich die Serie um möglichst glaubwürdige Details: die Straßen von London überhäufen sich mit Müll, Schlamm und Ratten, die Kleider der Bürger sind schäbig sowie mit Blut und Schmutz befleckt und die Zähne – ob bei Adligen oder einfacher Dirndl – sind als solche kaum zu erkennen. Getreu dem Motto: Die Welt von gestern war hässlich. Die Serie bemüht sich um Historisierung, neigt aber gelegentlich dazu den Bogen leicht zu überspannen – auch Bürger zu Beginn des 19. Jahrhunderts wischten sich gelegentlich Blutspritzer von der Stirn ...

Die Handlung dreht sich dabei vollends um Delaney. Er ist Zentrum und Ankerpunkt und kommt gefühlt in zwei Drittel der Szenen vor. Es ist dabei Schwäche und Stärke zugleich, dass die von Tom Hardy überzeugend dargestellte Figur bis dato dem Zuschauer ein großes Fragezeichen bleibt. Offensichtlich hat er furchtbare Qualen und Leid in den Sklavenregionen in West-Afrika erlitten. Getrieben von inneren Dämonen, die ihn peinigen, ihm aber auch übernatürliche Kräfte zu verleihen scheinen, wirkt er wie ein Halbtoter zwischen Himmel und Hölle. Zu den wenigen Dingen, die man über ihn weiß, gehört die inzestuöse Liebe (Stichwort: Tabu?) zu seiner Halbschwester Zilpha Geary, gespielt von Charlie Chaplins Enkelin Oona Chaplin.

Die Idee zur Serie stammt von Tom und seinem Vater Chips Hardy, die beide genauso als Produzenten agieren wie Regisseur Steven Knight (Peaky Blinders) und Regielegende Ridley Scott. Überhaupt ist der Cast der Serie geradezu exzellent. Viele alte Bekannte aus Serien wie „House of Cards“ (Michael Kelly) oder auch „Game of Thrones“ (Jonathan Pryce, Oona Chaplin) sind vertreten – die Dialoge sind hervorragend. Die ruhige aber düstere Kameraführung, ebenso wie der wunderbare Soundtrack lassen „Taboo“ als überdurchschnittliche Serie erscheinen.

Einzig der Plot wird noch nicht recht ersichtlich. Das erinnert an Serien wie „Westworld“ und „Vinyl“. Während bei Ersterer nach und nach Erzählstrukturen zusammenliefen, erwies sich „Vinyl“ als Rohrkrepierer. Abwarten, wie es bei „Taboo“ sein wird.

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„Taboo“ läuft immer samstags um 21:15 Uhr auf BBC One.