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Zapping "Stranger Things": Die ewigen Achtziger
Die zweite Staffel von "Stranger Things" verspricht ähnlich erfolgreich zu werden wie die erste.

Zapping "Stranger Things": Die ewigen Achtziger

Foto: Netflix
Die zweite Staffel von "Stranger Things" verspricht ähnlich erfolgreich zu werden wie die erste.
Kultur 1 3 Min. 19.11.2017

Zapping "Stranger Things": Die ewigen Achtziger

Im vergangenen Jahr konnte Netflix einen überraschenden Coup landen: „Stranger Things“ wirkte wie eine vertraute Serie aus den Achtzigern, ohne jedoch Kopie zu sein. Die zweite Staffel knüpft nahtlos an die Qualität der ersten an.

Von Pol Schock

Eigentlich, dachte man, es sei längst vorbei. Nach der Wiederbelebung von Wave Pop und Synthesizerklängen, Karottenjeans, Oversize-Blazern und Leggings sowie filmischen Remakes von „Star Wars“, „Indiana Jones“ und „Ghostbusters“ schien die Achtziger-Nostalgiewelle sich totgelaufen zu haben.

Doch dem ist nicht so: Donald Trump zog im vergangenen Jahr mit Ronald Reagans Slogan „Let’s make America great again“ ins Weiße Haus ein, in den internationalen Beziehungen weht seither ein Hauch von Kaltem Krieg und auch Hollywood will sich nicht von diesem Jahrzehnt lösen: In den Kinos läuft gerade eine Neuverfilmung von Stephan Kings Horrorklassiker „It“ sowie ein zweiter Teil des dystopischen Kultfilms „Blade Runner“.

Dabei war es im vergangenen Jahr ausgerechnet eine Serie, die wie kein anderes kulturelles Erzeugnis den 1980er-Jahren huldigte: „Stranger Things“. Sie wirkte wie eine Stephen-King-Geschichte, die Wes Craven und Steven Spielberg  gemeinsam in den 1980er-Jahren verfilmt haben. Eine Gruppe von Außenseitern kämpft gegen irdisches und überirdisches Grauen.

Die jungen Freunde müssen sich gegen das Unverständnis der Erwachsenenwelt plagen, gegen das Mobbing von Altersgenossen, wollen gefallen und gemocht werden – ohne sich zu verbiegen und die eigene Identität und Ideale zu verraten. Und wenn das nicht bereits genug wäre, bedrohen auch noch Wesen aus einer Parallelwelt das Leben in der fiktiven Kleinstadt Hawkins.

Das klingt nach einem „Coming of Age“-Plot mit „Science Fiction“-Elementen. Das würde der Serie jedoch nicht gerecht werden: Denn „Stranger Things“ ist vielmehr eine Serie von Erwachsenen, die gerne wieder Kinder wären.

Sie führt uns zurück in eine vertraute Welt von Walkie-Talkies, als jeder sein Fahrrad einfach im Vorgarten liegen ließ und sich mit Süßigkeiten den Bauch voll schlug. Und dazu besitzen wir aber die Souveränität, kindische Herausforderung als solche zu entlarven und zu meistern. „Stranger Things“ heißt: Die Rückbesinnung in die jugendliche Lebenswelt mit der Erfahrung von heute.

Die Antwort lautet ja

Nun war die Frage, ob die Zwillingsbrüder Matt und Ross Duffer ihren Erfolg noch einmal wiederholen können. Die klare Antwort: ja – und wie. Denn die zweite Staffel ist mindestens so großartig wie die erste. Sie spielt 1984; exakt ein Jahr nachdem Eleven (Millie Bon Brown) aus der Welt der vier Freunde verschwand.

Dabei setzen die beiden Regisseure, die auch erst 1984 geboren sind und die die 80er selbst nur aus Filmen, Erzählungen und anderen popkulturellen Überlieferungen kennen, auf die gleichen Stilelemente wie bei der ersten Staffel: So viel Reminiszenz an die 80er wie nur möglich – von „Terminator“, „Ghostbusters“ über die Musik der Scorpions zu frühen, Elektroklängen sowie modischen Trends über Haargel und Vokuhila.

Und auch wenn man sich über diese Zutaten und Zitate freut, so sind sie doch nur Beiwerk. Denn der Erfolg der Serie liegt letztlich nicht an der Form, sondern am Inhalt. Die Duffers haben, um die exzellent gezeichneten Figuren und das sagenhaft gute Casting der Jungdarsteller, eine äußerst stimmige Geschichte geschrieben. Sie setzten auf eine klare Dramaturgie, ziehen allmählich das Tempo an, stets den roten Faden vor Augen, und lassen ihr Werk im Horror eskalieren.

Daneben streuen sie interessante Nebenschauplätze ein und zeigen gar in einem alternativen Szenario, welche Art von Serie „Stranger Things“ auch hätte sein können (Chapter Seven: The Lost Sister). Damit brechen sie nicht nur mit ihrem Seriennarrativ, sondern auch mit der klassischen Genrezuschreibung.

Wie im falschen Film

Lediglich einige neue Charaktere werfen Fragen auf: Die Figur des Bösewichts Billy Hargrove (Dacre Montgomery) ist zu krampfhaft gewollt und funktioniert deshalb nicht. Und Sean Austin wirkt irgendwie stets fehl am Platz: Seine kumpelhaften, väterlichen Tipps, wie „Sich-dem-Bösen-Stellen“ oder Gesellschaftsspiele bei Unwohlsein, erscheinen sinnvoll und richtig – stellen sich aber immer als Irrtum heraus. Ja, fast so, als wäre Sean Austin, der uns allen als Hobbit Samweis Gamdschie in Erinnerung ist, im falschen Film. Oder im falschen Jahrzehnt. „Lord of the Rings“ sind keine Achtziger.

Alle Folgen der ersten und zweiten Staffel von „Stranger Things“ sind auf Netflix zu sehen.


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