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Zapping: Star Trek - Discovery: Das schwere Erbe
Kernfigur der ersten Folgen der neuen Star Trek-Serie ist eine Frau: „Michael Bernham“, gespielt von Sonequa Martin-Green.

Zapping: Star Trek - Discovery: Das schwere Erbe

Foto: CBS
Kernfigur der ersten Folgen der neuen Star Trek-Serie ist eine Frau: „Michael Bernham“, gespielt von Sonequa Martin-Green.
Kultur 1 4 Min. 08.10.2017

Zapping: Star Trek - Discovery: Das schwere Erbe

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Erst im dritten Kapitel der neuen Star Trek-Serie „Discovery“ enthüllt sich mehr um das neue Schiff und seine Crew – und letztlich die Frage, wie die Macher mit dem schweren Erbe aus alten Star Trek-Tagen umgehen.

Keine große Fanfare, kein durch die Sterne rauschendes Raumschiff – und das soll ein gutes Star Trek-Intro sein? Das erinnert doch eher an die angesagte Serie „Westworld“. – Wer noch nie eine einzige Folge oder einen der Kinofilme aus dem Star Trek-Universum gesehen hat, wird solche Sätze in den Debatten um „Discovery“ kaum verstehen. Was bitte ist schon an dem Vorspann der neuen Serie offenbar so schlecht, dass sich darüber aufregt wird?

Das ist eben bei Star Trek so. Unter Fans dieses Kosmos aus Serien, Filmen, Büchern, Comics und spezialisierten Internetforen wird jede Kleinigkeit hinterfragt, jedes Detail in das in Jahrzehnten aufgebaute Science Fiction-Puzzlewerk eingeordnet – und es hagelt harsche Kritik, wenn sich gar eine neue Serie von den fünf Vorläuferprodukten entfernt und sie andererseits nicht attraktiv genug für breite Zuschauerschichten wirkt.

Undankbar ist dieser Job für Serienmacher, wenn es bei weiteren Kapiteln um die Marke, die Befindlichkeiten von Zielgruppen und Märkte geht. Schon gar nicht, wenn sich das Format Serie an sich so deutlich verändert hat – im Konsum via Streamingplattformen und in der Art der Konzeption und Umsetzung.

In diesem rauen Umfeld startet die neue und insgesamt sechste Realfilmserie, „Star Trek: Discovery“, die seit 2015 vor dem großen Jubiläum zum 50-jährigen Bestehen des milliardenschweren Weltraumgeschichten-Universums angekündigt wurde. Seit dem 25. September wird nun im Verbund des US-Networks CBS und dem Streaming Netflix (außerhalb der USA) wöchentlich eine weitere, rund 40-minütigen Folge ausgestrahlt. Erst mal nur ein paar Serienteile bis November, der Rest der ersten „Discovery“-Staffel folgt im Januar 2018.

In den ersten beiden, mit Spannung erwarteten Folgen wird schon ordentlich viel geboten, was das Science-Fiction-Herz begehrt. Schlachten im All, ungewöhnliche Planeten, Aliens, untertiteltes „Klingonisch“. Das ganze Repertoire an Effekten, Setdesign und Masken, das Spiel mit Kameraführungen und Licht, vermischt mit einer großen Detailverliebtheit – so wurde der Weltraum noch kaum jenseits des Kinos gezeigt. Da wundern auch nicht die hohen Kosten pro Folge von geschätzten acht Millionen Euro.

Und die Verantwortlichen haben offenbar viel von dem Erfolg des Marken-Reboots im Kino aus dem Jahr 2009 (in einer so genannten „alternativen Zeitlinie“ und damit etwas außerhalb der klassischen Reihe stehenden Produkte) herausziehen können. Die Herangehensweise des Masterminds und Regisseur dieser Alternative, J. J. Abrams, findet sich direkt wieder. Kerniger geht es zu. Die Behäbig- und Durchschaubarkeit und auch die Eindimensionalitäten früherer Star Trek-Serien werden gebrochen.

Der Plot: Zehn Jahre vor den Abenteuern von Captain Kirk, dem berühmten Anführer der Enterprise (erste Star Trek-Serie), ist das Sternenflotten-Raumschiff Shenzhou auf der Mission, einen defekten Satelliten im Grenzgebiet zwischen der so genannten Föderation und den feindlichen Klingonen zu begutachten. Wie sich herausstellt eine clever erdachte Falle. Aus der Waffenruhe mit den Klingonen wird ein Gemetzel, das in einen Krieg mündet. Der Start ist also schon kein klassisches Forschen „wo noch nie ein Mensch zuvor gewesen ist“. Sondern die Frage, ob die bisherigen Grundfeste auch im Krieg noch halten sind, steht offenbar im Zentrum.

Mehr Komplexität

Die Schuld für den Kriegsausbruch und Tausende Tote auf Förderationsseite muss der erste Offizier der Shenzhou, Michael Bernham auf sich nehmen (aus ihrer Sicht entwickelt sich Serie). Auch wenn sie eine Lösung zur Verringerung des Konflikts gehabt hätte, sieht ihr Verhalten nach Meuterei und Verstoß gegen die Regeln der Sternenflotte aus. Sie wird verurteilt, verliert ihre Karriere und hadert mit der Schuld, insbesondere weil letztlich ihre Vorgesetzte und Mentorin, Captain Giorgiu, stirbt.

Mit der dritten Folge, die ein paar Monate später spielt, kommt Bernham, die als Mensch unter den Emotionen verdrängenden und logisch denkenden Vulkaniern aufwuchs, als Verurteilte auf das eigentlich im Zentrum der Serie stehende Sternenflottenschiff Discovery. Wie sich herausstellt, ist ihre Anwesenheit dort von dem undurchsichtigen Captain Lorca in die Wege geleitet worden.

Nach dem krachenden Beginn fächert nun die Serie ihre eigentliche Ausgangslage auf. Was will dieser Captain, dessen Schiff offenbar ein möglicherweise kriegsentscheidendes Geheimnis birgt? Warum will er Bernham so unbedingt an seiner Seite? Und wie geht man mit ihr um, die auf ehemalige Crew-Mitglieder der Shenzhou trifft und als Verfremte gilt?

Die neue Star Trek-Serie traut sich an sichtbar mehr Komplexität; gerade auch in den Charakteren – nach Serien-Protagonisten der letzten Jahre wie Dr. House oder Walter White und den Figuren von „Game of Thrones“ muss sich auch eben auch Star Trek anpassen. Auch wenn es immer Ansätze gab, stand doch immer eine nach Muster verfahrende Crew mit mustergültigem Wertekodex im Vordergrund. Und diese Art des Bruchs bei aller Tradition steht dem neuesten Puzzlestück der Reihe gar nicht so schlecht.

Neue Folgen immer montags via Netflix (Kostenpflichtiges Abonnement).


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