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Zapping: "Space Force" - galaktisch gut gelacht
Kultur 1 3 Min. 05.07.2020

Zapping: "Space Force" - galaktisch gut gelacht

SPACE FORCE

Zapping: "Space Force" - galaktisch gut gelacht

SPACE FORCE
Aaron Epstein/Netflix
Kultur 1 3 Min. 05.07.2020

Zapping: "Space Force" - galaktisch gut gelacht

Vesna ANDONOVIC
Vesna ANDONOVIC
So herzhaft und lauthals gelacht wie bei der Netflix-Produktion "Space Force" hat man schon lange nicht mehr - nur einem wird dieses Lachen im Hals stecken bleiben: dem US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump.

 Was macht ein hochdekorierter amerikanischer Vier-Sterne-General, wenn eine Mission unter seinem Kommando so richtig in die Hose geht und vor seinen Augen – und denen seiner Vorgesetzten – gerade Millionen Dollar an Steuergeldern regelrecht verpuffen? 

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Einfach: Er schließt sich in sein Büro und ... singt. So lautet das Geheimrezept von General Mark R. Naird, um die körperliche und seelische Anspannung zu lösen.  

Viel auf dem Buckel

Und Gründe für letztere hat er ziemlich viel auf dem Buckel: Denn während er auf das Kommando der Air Force hoffte, findet er sich plötzlich an der Spitze der United States Space Force, der neuen Weltraumdivision der US-Armee, wieder, muss mit seiner großstadtgewöhnten Teenagertochter Erin (Diana Silvers) in die buchstäbliche Pampa von Wild Horse, Colorado, ziehen, findet sich da als Alleinerziehender wieder, weil seine Frau Maggie (Lisa Kudrow, die Phoebe aus „Friends“) im Knast landet, und muss auch noch mit dem querulant-befehlshinterfragenden Oberwissenschaftler Dr. Adrian Mallory (John Malkovich) und einem übereifrigen Social-Media-Beauftragten Tony „Fuck Tony“ Scarapiducci (Ben Schwartz) umgehen.

Die Zielvorgabe von höchster Stelle sprich vom US-amerikanischen Präsidenten (ein unsichtbar bleibender doch vom Drehbuch unverkennbar gezeichneter Donald Trump) ist klar: Potus will „boots on the moon“ sehen, sprich amerikanische Astronauten auf dem Erdtrabanten, als erste Zwischenstation zum Mars – und zwar schnell!

Eine Katastrophe jagt die nächste

John Malkovich ist ein wunderbar querulanter, befehlshinterfragender Oberwissenschaftler Dr. Adrian Mallory.
John Malkovich ist ein wunderbar querulanter, befehlshinterfragender Oberwissenschaftler Dr. Adrian Mallory.
Aaron Epstein/Netflix

Doch warum sollte es für Generäle anders sein als für Normalsterbliche: Denn so einfach, wie sein Chef sich das vorstellt, ist das für Naird, der mit der Umsetzung der brillanten Idee beauftragt ist, natürlich nicht.

 Eine Katastrophe jagt die nächste, doch Naird hält wacker die Stellung ...

Auch wenn der Großteil der Handlung hanebüchen, ja stückweit geradezu absurd daherkommt – ein paar Fünkchen Wahrheit gibt es hier schon: Die in der Serie gezeigte „United States Space Force“ existiert wirklich. 

Reale Vorlage

Sie wurde am 20. Dezember 2019 feierlich aus der Taufe gehoben – und sorgte sogleich mit einem Logo, das verdächtig nach Star Trek aussieht, auch gleich für eine Welle hämischen Gelächters auf den sozialen Netzwerken, die dem US-Präsidenten so lieb sind.

Nur knapp fünf Monate brauchte Steve Carell, der vom „Life“-Magazin“ zu „Amerikas witzigstem Mann“ ernannte Schauspieler, Drehbuchautor, Produzent und Regisseur, um am 29. Mai 2020 zum medialen Gegenschlag anzusetzen: Rekordverdächtig schnell liefert er mit „Space Force“, für die er gemeinsam mit seinem „The Office“-Kollegen Greg Daniels verantwortlich zeichnet, eine geradezu genial-abstruse Space Farce.

Schallende Ohrfeige des Humors für Trump

Sie zeigt, was Serien vermögen, wenn man gestandenen Schauspielern pointiert geschriebene Dialoge, schräge Charaktere und eine Geschichte mit grandios grotesken Momenten (Stichwort: Hund und Affe im Weltall!) vorlegt: nämlich ein regelrechtes Feuerwerk der Aberwitzigkeit abzuschießen.

Meist läuft es nicht so, wie General Naird (Steve Carell, r.) sich das vorstellt.
Meist läuft es nicht so, wie General Naird (Steve Carell, r.) sich das vorstellt.
Aaron Epstein/Netflix

Carell und Malkovich funktionieren als charmant-gegensätzliches Ying-Yang-Duo in den kurzweiligen 30-Minuten-Episoden perfekt miteinander und trotz eines regelrechten Aufmarschs der Klischees kommt der Zuschauer nicht umher, die ernsten, gesellschaftskritischen Töne und politische sowie militärische Infragestellung in diesem bunten Wirrwarr zu sehen.

Wer sich auf die irgendwie altmodisch überdrehte Art von „Space Force“ einlässt, und das Ganze aus einer ironischen Warte betrachtet, die akzeptiert, dass hier nichts für bare Münze zu nehmen ist, kann so manches Mal herzhaft und vor allem lauthals lachen.

Welch bessere Lektion als diese schallende Ohrfeige des Humors kann man sich für den meist unfreiwillig lächerlichen Donald Trump vorstellen ...

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Die zehn, jeweils 30-minütigen Episoden der ersten Staffel von „Space Force“ sind auf Netflix abrufbar. 



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