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Zapping - Serienstart von „Komm schon!“ : Leben und Leiden einer Sexualtherapeutin
Anette (Marlene Morreis) versucht sich nicht anmerken zu lassen, dass sie vom Verhalten ihres Freundes schockiert ist.

Zapping - Serienstart von „Komm schon!“ : Leben und Leiden einer Sexualtherapeutin

Foto: ZDF und Peter Drittenpreis
Anette (Marlene Morreis) versucht sich nicht anmerken zu lassen, dass sie vom Verhalten ihres Freundes schockiert ist.
Kultur 1 2 Min. 01.11.2015

Zapping - Serienstart von „Komm schon!“ : Leben und Leiden einer Sexualtherapeutin

In der Comedyserie „Komm schon!“ steht Anette, eine junge Paar- und Sexualtherapeutin, die ihren ganz eigenen Blick auf das seltsame Treiben um sich herum hat, im Zentrum. "Komm schon!“ ist derart betont lustig, dass es manchmal nur mehr nervig ist.

Von Maria Falkner

Eine in die Wechseljahre gekommene Mutter, eine sexuell enttäuschte Asperger-Autistin, und ein Frotteur, der nur durch Reibung in öffentlichen Verkehrsmitteln zum Höhepunkt kommen kann: Paar- und Sexualtherapeutin Anette (Marlene Morreis) hat einen nie langweiligen oder durch die Wirtschaftskrise gefährdeten Job. Nach außen wirkt sie souverän und erfolgreich, will damit jedoch nur von ihrem lahmen Privatleben ablenken. Ihren Freund und Optiker Oliver (Thomas Niehaus) ertappt sie nämlich beim Onanieren mit einem Tantra-Katalog, obwohl sie seit Tagen nichts anderes versucht, als mit ihm zu schlafen.

Am 5. November startet diese amüsant-komische Komödie, die als Mini-Serie konzipiert ist und von ZDFneo, dem Alternativsender für das junge ZDF-Publikum, in Zusammenarbeit mit der jungen Hamburger Produktionsfirma Tamtam erschaffen wurde. Im Gegensatz zur typischen Sitcom kommt „Komm schon!“ ohne eruptiven Witz und Hintergrundlacher aus. Vielmehr setzt Autorin Lena Krumkamp bewusst auf Entschleunigung, um den Schauspielern mehr Raum für die Entwicklung ihrer Rollen zu geben.

Regie führen zwei als Nachwuchstalente geltende Jungregisseure, Ester Bialas und Nathan Will, die mit dieser Serie ein intelligentes aber auch unterhaltendes Fernsehprogramm schaffen wollen.

Jede Folge von „Komm schon!“ beschreibt eine Therapiesitzung und einen sexuellen Problemfall, dem jeweils die persönlichen Probleme der Protagonistin gegenüberstehen. Dank dieser Abwechslung wirkt die Serie nie langweilig oder zu langsam, bleibt jedoch nah an Anettes schrägem Privatleben. Ihre freizügige Mutter Susann (Victoria Trauttmansdorff), frisch aus einer französischen Kommune ausgezogen, nimmt bereits ab der ersten Folge die therapeutische Hilfe ihrer Tochter in Anspruch. Anette, die schnell die Diagnose „Wechseljahre“ stellt, muss sich nun auch noch mit der sympathischen jedoch muttertypisch-peinlichen Susann herumschlagen.

Kostüme kontrastieren das Gesagte

Amüsant ist nicht nur das Thema von „Komm schon!“, sondern auch Maske und Bild der Comedy-Serie. Die Kostüme erinnern an die Mode der verklemmten 1950er-Jahre, in denen eine biedere Lebenswelt mit biederen Schnitten einherging. Farblich wühlen die Kostüme im Schlamm der Erdtöne und kontrastieren damit das Gesagte. Das, was nämlich aus den Mündern der Charaktere strömt, ist alles andere als konservativ-zurückhaltend. Der Widerspruch persifliert das Dilemma der heutigen Jugend, die zwar als „oversexed“ gilt, jedoch vor lauter Gehemmtheit diesem Bild nicht gerecht wird.

„Komm schon!“ spielt also ganz bewusst mit jener Misere und hält dem Zielpublikum einen Spiegel vor. Das gelingt auf subversive Weise. Denn Anette ist in ihrem Beruf zwar erfolgreich und selbstbewusst, hinter den eigenen vier Wänden erlebt sie jedoch all jene Probleme, für die sie anderen gerade noch eine Lösung präsentiert hatte. Es stellt sich nämlich heraus, dass ihr Freund Oliver vom Beruf seiner Liebsten verunsichert ist und sich ständig sexuell analysiert fühlt. Er ist gehemmt und greift deshalb zum Tantra-Katalog. Schließlich wird Anette durch ein Körpertherapie-Seminar bewusst, dass auch sie selbst gar nicht so locker und offen ist wie gedacht.

Die überzogene Un-Verkrampftheit der Serie wirkt letzten Endes an manchen Stellen zu forciert. Sie hebt ständig den mahnenden Zeigefinger und biedert sich gleichzeitig beim jungen Publikum an. „Komm schon!“ ist derart betont lustig, dass es manchmal nur mehr nervig ist. Wer ihr diese Schwäche verzeiht, wird aber zumindest kurzweilig unterhalten.

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„Komm schon!“, deutsche Comedy-Serie; ab 5. November immer donnerstags um 23.10 Uhr auf ZDFneo.


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