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Zapping: Serie „The Widow“ taucht in Klischees ab
Kultur 1 2 Min. 17.03.2019

Zapping: Serie „The Widow“ taucht in Klischees ab

Georgia (Kate Beckinsale) lebt, seit ihr Mann bei einem Flugzeugabsturz starb, völlig zurückgezogen - bis sie ihn in einem TV-Bericht sieht.

Zapping: Serie „The Widow“ taucht in Klischees ab

Georgia (Kate Beckinsale) lebt, seit ihr Mann bei einem Flugzeugabsturz starb, völlig zurückgezogen - bis sie ihn in einem TV-Bericht sieht.
Foto: Two Brothers Pictures
Kultur 1 2 Min. 17.03.2019

Zapping: Serie „The Widow“ taucht in Klischees ab

Afrika-Themen haben neuerdings Potenzial auch im Seriengeschäft. Für Kate Beckinsale geben sie in der aufwendigen Amazon-Produktion „The Widow“ den Rahmen ab für tollkühne Abenteuer in der Rolle einer sich als Wonderwoman entpuppenden jungen, furchtlosen Witwe.

Von Marcel Kieffer - Kann es Zufall sein, dass quasi zeitgleich auf verschiedenen Streaming-Plattformen zwei groß aufgemachte Serienproduktionen sich mit Afrika und seinen dunklen Seiten als „Herz der Finsternis“ beschäftigen? 

Während auf Netflix mit „Black Earth Rising“ seit Ende Januar ein bemerkenswertes filmisches Epos über den Ruanda-Genozid läuft, das man in seiner Gesamtkonzeption als ein gelungenes Kunstwerk bezeichnen darf, hat nun auch die konkurrierende Amazon-Plattform Video Prime mit der britischen Co-Produktion „The Widow“ nachgelegt.

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Doch während bei der von Hugo Blick inszenierten Völkermord-Thematik eine profunde Annäherung an die Tragik der die Handlung bestimmenden Umstände quasi in jeder Szene und jedem Dialog spürbar ist, überwiegt in dieser neuen, vor allem die britische Hauptdarstellerin Kate Beckinsale – bekannt aus der amerikanisch-luxemburgischen Produktion „One against the wind“ (1991) und vor allem der Fantasy-Serie „Underworld“ – in den Vordergrund rückenden Serie vor allem das Bemühen um spannende Unterhaltung.


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Zudem haben die Macher der Serie, Harry und Jack Williams, dabei etwas zu tief ins Klischeefach gegriffen (Kindersoldaten, brandschatzende Milizen, gnadenloser Kampf um Coltan-Erz sowie korrupte Militärs), um ein differenziertes Bild afrikanischer Realitäten vermitteln zu können. Dennoch dürfte „The Widow“ dem an gut gemachtem Serienkino interessierten Zuschauer gefallen.

Georgia nimmt es mit allen auf

Ein hervorragendes Casting, spannende, mit vielen Überraschungseffekten angereicherte Handlungsstränge sowie schöne Landschaftsbilder machen zumindest teilweise den generellen Eindruck einer allzu sterilen filmischen Botschaft wett.

„The Widow“ ist Georgia Wells (Kate Beckinsale), eine sich im Verlauf der Handlung nach und nach als etwas zu glatt und einseitig gezeichnete Wonderwoman entpuppende Waliserin, die im Glauben, ihren Mann bei einem tödlichen Flugzeugabsturz in Afrika verloren zu haben, diesen plötzlich, auf Fernsehbildern aus der Demokratischen Republik Kongo zu erkennen glaubt. 

Im Netz von Ausbeutern und Söldnern

Weil Treue, Mut und Hartnäckigkeit selbstverständlich zu ihren bestimmenden charakterlichen Eigenschaften gehören, macht sie sich prompt auf ins Herz der Finsternis, wo sie es mit allen Gegnern und Widerständen aufnimmt und auch die gefährlichsten Situationen eindrucksvoll (und immer perfekt gekleidet) meistert. 


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Im Netz von nicht nur humanitär agierenden Hilfsorganisationen, Ausbeutern, Rebellen, Söldnern und sonstigen Mordgesellen, kommt sie natürlich – zumindest das kann man verraten – ihrem tot geglaubten Ehemann Will (Matthew Le Nevez) auf die Spur, aber auch dem Geheimnis um eben jenen tragischen Flugzeugabsturz, hinter dem sich so manche weitere Schicksale verbergen.

So z. B. jenes des blinden Isländers Ariel Helgason (Ólafur Darri Ólafsson, „Emerald City“), dessen Geschichte, genau wie jene der kleinen Kindersoldatin Adidja (Shalom Nyandiko) zu den, vielleicht etwas zu zahlreichen Handlungssträngen beiträgt, die der Serie über ihre ansonsten allzu offensichtliche thematische Dürftigkeit hinweghelfen.

Viele überraschende Wendungen

Zwischen Wales, Rotterdam, Kinshasa und Ruanda wickelt sich die – das muss man ihr lassen – niemals langweilige Handlung ab, in der Charles Dance („Game of Thrones“) als der väterliche Freund unserer Witwe sehr eindrucksvoll die Figur des bedächtigen und in jeder Situation das Richtige tuenden, pensionierten, aber immer noch scheinbar allmächtigen Geheimdienstagenten abgibt. 


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Die obligaten „cliffhanger“ und immer wieder überraschende Wendungen halten den Zuschauer in Atem und lassen ihn mit Georgia bei ihrer unermüdlichen Suche nach dem verschollenen Ehemann einen nach allen Regeln der Kunst von Oliver Blackburn und Samuel Donovan inszenierten, echten Action-Thriller erleben. 

Wobei der Begriff „Kunst“ mit einem nuancierten Umgang realer afrikanischer Realitäten in ihrer tatsächlichen Komplexität keinesfalls gleichzusetzen ist.
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„The Widow“ ist als achtteilige Serie auf Amazon Video abrufbar.


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