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Zapping: Schnittmusterkomödie „Brooklyn Nine-Nine“
Captain Ray Holt (Andre Braugher, r.) muss bei Jake Peralta (Andy Samberg, l.) ordentlich Nerven bewahren.

Zapping: Schnittmusterkomödie „Brooklyn Nine-Nine“

FOTO: EDDY CHEN/FOX
Captain Ray Holt (Andre Braugher, r.) muss bei Jake Peralta (Andy Samberg, l.) ordentlich Nerven bewahren.
Kultur 1 2 Min. 25.10.2015

Zapping: Schnittmusterkomödie „Brooklyn Nine-Nine“

Die amerikanische Serie „Brooklyn Nine-Nine“ läuft jetzt im Free-TV. Die Comedyautoren der Sitcom über ein Revier in Brooklyn verzichten auf Lacher aus der Dose und setzten auf die richtige Mischung zwischen Gags und wiedererkennbaren Charakteren.

Von Daniel Conrad

Die belasteten Nerven von Ray Holt (Andre Braugher) möchte man nicht haben. Da hat der homosexuelle Polizist endlich sein erstes eigenes Kommando über ein Revier in Brooklyn bekommen und dann trifft er ausgerechnet auf Mitarbeiter wie Jake Peralta (Andy Samberg). Der selbstbewusste Jungspund, der der Pubertät noch nicht ganz entwachsen scheint, setzt seinem neuen Captain ordentlich zu und doch geht es auch nicht ohne den Nervtöter. Peralta hat eben das nötige Talent und den richtigen Biss bei der Verbrecherjagd – doch reizt er seine Spielräume weidlich aus. Vorschriftsmäßige Krawatte und pünktliches Erscheinen? Nein, Danke! Regeln und Aktenarbeit? Was für Spießer.

Der Fahndungserfolg zählt für den Mittdreißiger, der nicht nur Holt, sondern auch seine Kollegen auf Trab hält: Da wären die taffe geheimnisumwitterte Rosa Diaz (Stephanie Beatriz), die ambitionierte Peralta-Konkurrentin Amy Santiago (Melissa Fumero) und der „Buchhaltertyp“, aber fleißige Helfer Charles Boyle (Joe Lo Truglio) – sowie noch mehr Gestalten, die den Mix in der skurrilen Reviermannschaft abrunden.

Zugeschnitten auf Andy Samberg

Die amerikanischen Sitcom- und Comedyautoren wissen recht genau, dass eben eine gute Comedyserie nicht nur von den reinen Gags – im Dialog, wie im komödiantischen Spiel – allein lebt. Sie braucht bei einem Team wie in „Brooklyn Nine Nine“, auch die richtige Mischung an wiedererkennbaren Charakteren, die ihren persönlichen Gegensätzlichkeiten genug Spielraum lassen, damit Komik und Identifikation entsteht.

Vielleicht eine Lehre aus den Figuren um Sheldon Cooper aus „Big Bang Theory“ oder Barney Stinson aus „How I Met Your Mother“. Die Beiden können sich jeweils zum Beispiel gut gegenüber dem Rest ihrer Truppe abgrenzen. Im Unterschied zu den Letztgenannten ist Jake Peralta aber im Vergleich noch deutlicher Protagonist und Zentrum der Serie.

Das liegt am Hauptdarsteller und Produzenten in Personalunion: Andy Samberg ist in den Vereinigten Staaten einer der ganz großen Gesichter der Comedy-Szene. Als ehemaliger Teil der Mannschaft von „Saturday Night Live“, einem der bekanntesten und langlebigsten Sketch-Comedy-Formate im US-Fernsehen, wurde er einem breiten Publikum bekannt.

Seine Späße an der Seite von Justin Timberlake sind legendär – zumindest unter der jüngeren Zielgruppe und der Internetgemeinde, die sie millionenfach geteilt hat. Vielleicht war die große Aufmerksamkeit ja auch die beste Voraussetzung für den Starterfolg der Serie, die inzwischen zwei „Golden Globes“ (als Comedyformat und für den besten Hauptdarsteller) verzeichnen kann.

Und doch wirkt das Ganze zumindest noch in der ersten Staffel nach zu starkem Schnittmuster. Neben dem großen Zuschnitt auf Samberg ist in jeder der jeweils 22-minütigen Folgen klar: Der Fall der Folge ist gelöst, die nächste persönliche Story der Kollegen erzählt und der Zusammenhalt im Team stimmt. Schnelle Gagschnitte und Rückblenden – nicht so klamaukig, unter dem Gürtel und häufig wie in „Scrubs“, aber markant – lockern zwar den ruhigen Fluss auf, echter Schwung kommt allerdings nicht auf.

Zum Glück verzichtet man bei der Single-Camera-Comedy auf Lacher aus der Dose. Vor dem Fernseher reicht dann auch oft ein Schmunzeln – besonders beim Anschauen der deutschen Synchronfassung. Polyglotten Zuschauern sei daher das amerikanische Original wärmstens ans Herz gelegt.

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Ausstrahlung der ersten Staffel immer freitags ab 21.10 Uhr in Doppelfolgen auf RTLnitro (insgesamt 22 Folgen). Zudem ist die Serie über Netflix in Luxemburg abrufbar (ein Abonnement des Streaming-Dienstes ist dabei Voraussetzung).


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