Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Zapping: Roboter weinen im Wald
Kultur 3 2 Min. 19.07.2020

Zapping: Roboter weinen im Wald

In der Welt von „Tales from the Loop“ scheinen die sonst gewohnten Grenzen der Realität aufzubrechen – und was haben diese Bauten und ihre Wirkung mit den Menschen gemacht?

Zapping: Roboter weinen im Wald

In der Welt von „Tales from the Loop“ scheinen die sonst gewohnten Grenzen der Realität aufzubrechen – und was haben diese Bauten und ihre Wirkung mit den Menschen gemacht?
Foto: Amazon Prime Video
Kultur 3 2 Min. 19.07.2020

Zapping: Roboter weinen im Wald

Sophia SCHÜLKE
Sophia SCHÜLKE
Brüche in Raum und Zeit: „Tales from the Loop“ ist poetisch schön und verstörend traurig zugleich.

Ein Traktor, der über einem Feld schwebt, eine mysteriöse Kapsel, in der zwei Freunde die Körper tauschen und ein Schalter, mit dem ein verliebtes Teenager-Paar den Moment anhält – für Monate. Ausgediente Roboter lungern unbeachtet in einem äußerst mysteriösen Wald herum, dazwischen liegt gefährlicher Technikschrott: Klingt fantastisch und aufregend?

360 Videos werden hier nicht unterstützt. Wechseln Sie in die Youtube App, um das Video anzusehen.

In der Amazon-Serie „Tales from the Loop“ geraten diese Science-Fiction-Abenteuer poetisch, melancholisch und, gelegentlich, recht bitter.

In dem ungenannten ländlichen US-Provinzstädtchen gibt es für die meisten Erwachsenen nur ein Ziel: ein Job in dem unterirdischen Forschungslabor „The Loop“, einem Teilchenbeschleuniger, der Zeitreisen und Parallelwelten gebiert. So auch für Physikerin Loretta (Rebecca Hall), ihren Schwiegervater (Jonathan Pryce) und ihren Ehemann (Paul Schneider). Das Leben ihrer Kinder und deren Freunde gerät zwangsweise auch in diesen Sog. „The Loop“ ist das Mysterium, das sie eint, weil es sie durch Unfälle im Raum- und Zeit-Gefüge trennt.

360 Videos werden hier nicht unterstützt. Wechseln Sie in die Youtube App, um das Video anzusehen.

Der teils verstörende Pessimismus und die oft bezaubernde Erzählkraft dieser Serie speisen sich aus dem Universum des schwedischen Designers Simon Stålenhag und dessen gleichnamigen Grafikband. Stålenhag verbindet darin retrofuturistische Anmutung und technikkritische Philosophie, die Serienschöpfer Nathaniel Halpern und Matt Reeves verlegen die Geschichten von Schweden in die USA und gehen in dem halb episodischen, halb anthologischen Achtteiler zeitlose Themen an: Suche nach Liebe, Verlust, einsames Vergehen, Hoffnung. Was der Loop ist, wie er funktioniert, warum Kollateralschäden klaglos hingenommen werden, bleibt ungesagt.


Zu behaupten, dass General Mark Naird (Steve Carell, M.) es nicht leicht mit seiner "Space Force" hat, wäre schamlose Untertreibung.
Zapping: "Space Force" - galaktisch gut gelacht
Die Netflix-Produktion ist eine herrlich überdrehte Weltraum-Farce mit einem Fünkchen Wahrheit.

Die Serie riskiert damit, hartgesottene und actionhungrige Science-Fiction-Fans zu langweilen, sticht aber aufgrund ihrer kontemplativen Erzählweise, der poetischen Bilder und starken dramatischen Konsequenz aus dem Friede-Freude-Eierkuchen-Einheitsbrei hervor. Erst recht, weil die Macher und ihre acht Regisseure, darunter Oscarpreisträgerin Jodie Foster, nicht davor zurückschrecken, Fragen offen zu lassen und den Zuschauer mit hoch dosierter Einsamkeit zu betrüben, wenn nicht gar zeitweise existenziell zu verunsichern. Vielleicht eine Folge, die sich in Zeiten des Post-Confinements und nicht absehbarer Folgen der Pandemie verstärkt, aber die Serie wohl nicht an jedem Abend zur passenden Unterhaltung macht.

Ein Konzentrat der Momente, die Gefühle kristallisieren

Auch wenn nicht jede Folge emotional packt, bestechend ist die Serie vor allem auf der Erzählebene, trifft doch der Zuschauer in jeder Episode ein anderes Mitglied aus Lorettas Beziehungsgeflecht.


Snowpiercer
Zapping: Gemächlich durch Schnee und Eis
Nach dem Comic und dem Film nun die Netflix-Serie „Snowpiercer“, der es aber an Biss fehlt.

Ihre Geschichten werden ohne Hast erzählt, mit dem Ticken der Uhren in einem leeren Haus, dem Zirpen der Grillen auf einer Sommerwiese. Zeit genug, um in ihre Geheimnisse zu blicken. Die dauern einen Sommer oder länger als ein Menschenleben. Aber in „Tales from the Loop“ ist ein Moment oder ein Leben eh fast dasselbe; hier vergeht Zeit verdammt schnell, läuft vor oder zurück, so oft, bis es normal scheint, dass ein Junge über einen Bach springt und Kind bleibt, während seine Familie um Jahrzehnte altert.  

360 Videos werden hier nicht unterstützt. Wechseln Sie in die Youtube App, um das Video anzusehen.

Zeit verschwimmt einfach, woran die minimalistische Musik des oscarnominierten Komponisten Philip Glass ihren Anteil hat, wenn sie die enigmatische Atmosphäre der Bilder auf der Tonspur verstärkt.

So entsteht kunstvoll ein Konzentrat der Momente, in denen sich lebensprägende Gefühle kristallisieren und wird „Tales from the Loop“ zur fantastischen Auszeit von der Realität, von der der Zuschauer paradoxerweise meinen könnte, sie führe sie gerade deswegen mikroskopisch vor Augen.

______
Alle acht Folgen von „Tales from the Loop“ sind auf Amazone Prime Video abrufbar.

Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema