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Zapping: Pershing statt Petting
Deutschland 83, DDR-Soldat Martin Rauch (Jonas Nay) wurde Hals über Kopf als Spion Moritz Stamm in die Bundeswehr eingeschleust. Auf einer Gartenparty seines vorgesetzten Generals in Bonn ergreift er die erste Möglichkeit sich bei Annett, seiner Liebe in der DDR, zu melden. Renate Werner (Beate Maes) belauscht das Gespräch und ahnt, dass mit Moritz etwas nicht stimmt. Wird sie ihn enttarnen?

Zapping: Pershing statt Petting

Foto: RTL
Deutschland 83, DDR-Soldat Martin Rauch (Jonas Nay) wurde Hals über Kopf als Spion Moritz Stamm in die Bundeswehr eingeschleust. Auf einer Gartenparty seines vorgesetzten Generals in Bonn ergreift er die erste Möglichkeit sich bei Annett, seiner Liebe in der DDR, zu melden. Renate Werner (Beate Maes) belauscht das Gespräch und ahnt, dass mit Moritz etwas nicht stimmt. Wird sie ihn enttarnen?
Kultur 1 2 Min. 26.11.2015

Zapping: Pershing statt Petting

Dreht man den Slogan der westdeutschen Friedensbewegung um, so passt er perfekt zur am heutigen Donnerstag auf RTL anlaufenden Spionageserie „Deutschland 83“. Denn im Gegensatz zu "make love (Petting) and not war (Pershing)", gelten für den Grenzsoldaten Martin gegenteilige Prioritäten.

Von Maria Falkner

„Deutschland 83“ beginnt auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges. Mit dem Verteufeln der Sowjetunion und seiner Rede über das „Reich des Bösen“ leitete US-Präsident Reagan eine politische Phase ein, die den Kalten Krieg beinahe zu einem heißen werden ließ. Die Rede ist von der Stationierung der Pershing-II-Rakete in Westdeutschland, sowie dem Sowjet-Pendant im Osten. Der Grund: Beide Blöcke glaubten, dass vom jeweils anderen eine unmittelbare Gefahr ausginge.

Im Zentrum der Serie steht der DDR-Grenzsoldat Martin (Jonas Nay). Von seiner für die Stasi arbeitenden Tante (Maria Schrader) rekrutiert, wird er als Spion in die BRD versetzt. Er schlüpft in die Rolle eines vorher liquidierten Bundeswehrsoldaten und arbeitet fortan als Oberleutnant Moritz Stamm für einen hochrangigen Bundeswehrgeneral (Ulrich Noethen).

Authentische Stasi-Serie

Anfangs ist der junge Ostdeutsche jedoch keineswegs von seiner neuen Aufgabe überzeugt. Erst als seiner nierenkranken Mutter (Carina N. Wiese) der erste Platz auf der Transplantationsliste versprochen wird, ringt sich Martin dazu durch, im Westen zu spionieren und Freundin Annett (Sonja Gerhardt) zurückzulassen.

Zwei Regisseure, Nico Hofmann und Samira Radsi, zeichnen sich für die Inszenierung der Serie verantwortlich. Sie setzen die realgeschichtlichen Hintergründe von „Deutschland 83“ gekonnt um und nutzen Einspieler ehemaliger Nachrichtensendungen, um quasi-dokumentarische Authentizität zu gewährleisten. Dies war vor allem für den amerikanischen Markt notwendig, den „Deutschland 83“ zuerst bediente.

Bevor die Serie am 26. November im deutschen Fernsehen anläuft, zeigte sie bereits der US-amerikanische SundanceTV mit englischen Untertiteln unter Kritikerbeifall. Serienerfinder ist das amerikanisch-deutsche Ehepaar Anna und Joerg Winger, das „Deutschland 83“ einen ausgewogenen Anstrich verleiht. Sie vermeiden es stereotypisch weder auf die bösen Russen noch auf die machtzentrierten Amis einzuhacken. 

Amerikanisches Know-How und deutsche Schauspielkunst

Trotz inhaltlichen Ähnlichkeiten mit anderen West-Ost-Spionageserien ist „Deutschland 83“ nicht zuletzt dank der Verkoppelung von amerikanischem Know-How und deutscher Schauspielkunst einzigartig. Jonas Nay spielt einen jungen Protagonisten, der durch seinen Einsatz das Regime der DDR langsam zu hinterfragen beginnt. Er ist vielleicht clever, es fehlt ihm jedoch die Kaltblütigkeit eines perfekten Spions. Alleine deshalb funktioniert „Deutschland 83“ besser als so manche andere Kalter-Krieg-Serie.

Im hochgelobten Spionagethriller „The Americans“ bleiben beispielsweise die beiden Protagonisten – zwei in den USA lebende KGB-Spione – emotional unnahbar. Zusätzlich erfährt man wenig über ihre Motivation und alles läuft schlichtweg zu glatt. Nay hingegen arbeitet die emotionalen sowie ideologischen Zwickmühlen seiner Rolle fein heraus.

Die deutsche Serien-Qualitätsoffensive ist mit „Deutschland 83“ endlich geglückt. Eine greifbare Spannung verleiht der Serie nicht der ideologische Aspekt sondern die unmittelbare Kriegsgefahr. Letztlich spielt aber auch die Lebenswelt der jungen Erwachsenen auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs eine große Rolle, was vor allem die heutige Jugend für die Serie begeistern wird.

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„Deutschland 83“, deutsche Spionageserie; ab dem 26. November immer donnerstags um 20.15 Uhr auf RTL.


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