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Zapping: "Ozark": Nichts Neues
Der smarte Businessman Marty Bird verstrickt sich in Drogengeschäfte.

Zapping: "Ozark": Nichts Neues

Foto: Netflix
Der smarte Businessman Marty Bird verstrickt sich in Drogengeschäfte.
Kultur 1 2 Min. 05.08.2017

Zapping: "Ozark": Nichts Neues

Pol SCHOCK
Pol SCHOCK
Eine gutbürgerliche Familie aus der amerikanischen Mittelschicht rutscht ab in den Strudel des Drogenmilieus. Das kommt Ihnen als Serienplot bekannt vor? Das ist es leider auch.

Von Pol Schock

Der Kartell-Scherge Del (Esai Morales) hält Marty Bird (Jason Bateman) seine Pistole an die Schläfe. Den Finger am Abzug. Maryts Kollegen liegen bereits regungslos am Boden, das Blut fließt aus den Köpfen. Und im Hintergrund bereiten Dels „Amigos“ die Säurefässer vor. „Ozark“ ist noch keine 20 Minuten alt, da droht der Hauptdarsteller schon zu sterben.

Doch durch eine feine rhetorische List kann Marty sich retten. Er plane nach „Ozark“ zu ziehen, ins tiefste amerikanische Hinterland. Dort könne er unbemerkt noch mehr mexikanisches Drogengeld waschen: keine Polizei, keine Menschen, keine Fragen.

„Ozark“ ist eine der neuesten Serien von Netflix. Und sie kündigt sich an, in die Fußtapfen von großartigen Serien wie „Breaking Bad“, „The Sopranos“, „Fargo“ oder auch „Bloodline“ zu treten. Der Plot: gutsituierte weiße Amerikaner, die in den Abgrund driften. Nach außen hin perfekter Schein: schönes Haus in der Vorstadt, schöne Kinder, schöne heile Welt. Nach innen: zerrüttete Ehe, Geldwäsche, Drogengeschäfte. Kurz: Eine gutbürgerliche Familie aus der amerikanischen Mittelschicht rutscht ab in den Strudel des Drogenmilieus. Das kommt Ihnen als Serienplot bekannt vor? Das ist es leider auch.

Denn Netflix greift bei „Ozark“ auf bewährte Stilmittel zurück. Auf allzu bewährte. Denn nicht nur Handlung und Figuren sind vertraut, auch Kameraführung, Setting, Dialoge und so genannte Twists und Turns. Das ist handwerklich und technisch alles sauber gemacht, aber es wirkt wie eine Kopie der Originale.

Dramaturgische Abkürzung als Falle

Dabei versucht „Ozark“, durch umgekehrte Dramaturgie sich eigentlich von den Klassikern des Serienformats abzuheben. Diese entwickeln sich meist nach einem typischen Muster: Man baut kontinuierlich Spannung auf, die sich zum Ende hin entlädt – oder in eine weitere Staffel verlagert. Mit „Ozark“ verhält es sich genau umgekehrt. Die Serie beginnt mit einem großen Knall.

Doch dieser vermeintlich innovative Kniff wird zum Problem. In der ersten Folge legt die Serie ein Mordstempo vor mitsamt Spannung, Gewalt und Toten, das sie nicht halten kann. Langsam, aber sicher baut sie ab – bis man zum Ende hin eigentlich nicht mehr weiß, weshalb man die Serie noch weiter schauen soll.

Der große Knall am Anfang als dramaturgische Abkürzung stellt sich demnach als Falle heraus. Die erste Folge ist zwar ein Coup, aber auch eine Bürde. Vergeblich hofft der Zuschauer auf ein vergleichbares Feuerwerk. Doch die Handlung mäandert so dahin.

Bei den Hillbillies in Ozark – einem Hochland zwischen den Bundesstaaten Missouri, Arkansas, Kansas und Oklahoma – gibt Bird sich als smarter Businessman aus Chicago. Mit den Kartellmillionen will er bei jegliche lokalen Unternehmen einsteigen: Er klopft den Jachthafen, Restaurants und Stripplokale ab, bis er fündig wird.

Und dann beginnt die Geldwäsche und das Spiel gegen die Zeit. Denn Bird hat nur wenige Monate, um die Millionen Dollar des Kartells zu säubern, die sein Geschäftspartner Bruce vom Kartell gestohlen hat, und die der Grund für die Hinrichtungsszene am Anfang waren. Der Rest ist Klischee. Wer also Lust auf eine Serie mit Drogen, Gewalt und Familiendrama hat, sollte lieber zu den Klassikern greifen.

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