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Zapping: „NEW BLOOD“: Gegen die Mächtigen der Welt
Durch ihren Ermittlungsstil geraten Stefan (Mark Strepan, l.) und Arrash (Ben Tavassoli, r.) regelmäßig in Schwierigkeiten.

Zapping: „NEW BLOOD“: Gegen die Mächtigen der Welt

Foto: BBC/11th Hour FilmS
Durch ihren Ermittlungsstil geraten Stefan (Mark Strepan, l.) und Arrash (Ben Tavassoli, r.) regelmäßig in Schwierigkeiten.
Kultur 1 3 Min. 27.08.2017

Zapping: „NEW BLOOD“: Gegen die Mächtigen der Welt

Korrupte Minister, gierige Staatsbeamte und kriminelle Wirtschaftsvertreter – in „New Blood“ nehmen die beiden Jungermittler, Arrash und Stefan, es mit den Reichen und Mächtigen auf.

Von Maximilian Richard

Korrupte Minister, gierige Staatsbeamte und kriminelle Wirtschaftsvertreter – in „New Blood“ nehmen die beiden Jungermittler, Arrash und Stefan, es mit den Reichen und Mächtigen auf.

Die Story: In Indien an einer klinischen Studie teilnehmen, das klingt eigentlich wie eine miese Idee. Trotzdem wollen sechs junge, britische Touristen sich so ihre Rückreise in die Heimat finanzieren. Natürlich läuft dabei etwas fürchterlich schief; ein Arzt wird erstochen. Dennoch schaffen es die Laborratten wieder sicher zurück nach Hause. Alles scheint gut, bis dann plötzlich sechs Jahre später einzelne Mitglieder der Gruppe Tod aufgefunden werden.

Schwere Betrugsdelikte

Arrash Sayyad (Ben Tavassoli) ermittelt als Jungdetektiv in den Mordfällen. Dabei muss er sich immer wieder gegen seinen erfahreneren und verbitterten Partner Derek Sands (Mark Addy aka Robert Baratheon aus „Game of Thrones“) durchsetzen, der ihn nicht so richtig ernst nehmen will. In der Zwischenzeit schnüffelt Stefan Kowolski (Mark Strepan) im Namen der staatlichen Strafverfolgungsbehörde für schwere Betrugsdelikte als verdeckter Ermittler in einem großen Pharmakonzern.

Es kommt wie es kommen muss: Durch verschiedene Zufälle verstricken sich die Handlungsstränge, die beiden treffen aufeinander und finden heraus, dass sie der gleichen Spur folgen. Es geht um etwas viel größeres als nur eine Mordserie. Die Strippenzieher sitzen in der Politik und der Wirtschaft.

Altes neu aufgetischt

Junges Blut gegen die Mächtigen der Welt – was so aufregend klingt, kann am Ende nicht völlig überzeugen. Dafür ist das Bild des bösen Mächtigen, das nur von Eigeninteressen getrieben ist, zu überholt. Darüber können auch der rasante Schnitt und die schnellen elektronischen Beats in den zahlreichen beschleunigten und verlangsamten Szenen nicht hinwegtäuschen. Die Serie ist dennoch unterhaltsam: Die Schauspieler können überzeugen und die Dialoge sorgen regelmäßig für einen Lacher.

Stefan und Arrash entwickeln dabei eine ähnliche Dynamik wie man sie bereits von den Hauptfiguren der BBC-Serie „Sherlock“ kennt. Wenig verwunderlich, wenn man bedenkt, dass Serienmacher Anthony Horowitz von den Nachlassverwaltern von Sir Arthur Conan Doyle ausgewählt wurde, neue Sherlock-Holmes-Fälle zu schreiben („Das Geheimnis des weißen Bandes“). Das Rad des Krimigenres erfindet „New Blood“ allerdings nicht neu. In der BBC-Serie geht es aber um mehr als nur die Verbrecherjagd.

Ab der ersten Folge thematisiert die Serie den Londoner Immobilienmarkt – den dort herrschenden Wohnungsmangel und die unbezahlbaren Mieten. Eine eigene Wohnung können sich die beiden Jungermittler nicht leisen. Arrash lebt noch bei seinen Eltern und Stefan in einer heruntergekommen Wohnung mit mehreren Mitbewohnern.

Beide wollen diese Situation allerdings ändern und unterbrechen regelmäßig ihre Ermittlungsarbeiten, um sich auf dem Londoner Wohnungsmarkt zu beweisen. Einer der Bösewichte der Serie droht sogar seiner Nichte, sie aus ihrer mietfreien Wohnung in der Innenstadt zu werfen, wenn sie ihm nicht weiterhin Informationen liefert.

Kaum Anerkennung

Trotz ihres körperlichen Einsatzes und der unzähligen Überstunden erhalten die beiden kaum Lohn und Anerkennung. Nicht einmal ihr Job ist ihnen gewiss. Bis zum Ende der zweiten Folge werden beide zweimal entlassen und wieder eingestellt.

Die Serie schafft es auf die Probleme einzugehen, die viele junge Berufstätige in der Arbeitswelt erleben – und das nicht nur in London. In ihren Ermittlungsarbeiten treffen Arrash und Stefan immer wieder Menschen mit ähnlichen Problemen. „Weißt du wie hart wir arbeiten? Wie wenig wir verdienen? Diese Stadt gibt uns keine Möglichkeiten“, sagt ein Informant und trifft damit den Punkt genau.

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„New Blood“ wird heute um 22 Uhr im ZDF ausgestrahlt. Die kompletten Folgen sind aus rechtlichen Gründen nicht in der ZDF-Mediathek verfügbar.