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Zapping: MTV setzt auf „The Shannara Chronicles“ : Fantasy-Frischzellenkur
Die Protagonisten: Jungdarsteller wie Austin Butler, Ivana Baquero und Poppy Drayton (v.l.n.r.) spielen die Hauptrollen.

Zapping: MTV setzt auf „The Shannara Chronicles“ : Fantasy-Frischzellenkur

Foto: MTV
Die Protagonisten: Jungdarsteller wie Austin Butler, Ivana Baquero und Poppy Drayton (v.l.n.r.) spielen die Hauptrollen.
Kultur 1 3 Min. 31.01.2016

Zapping: MTV setzt auf „The Shannara Chronicles“ : Fantasy-Frischzellenkur

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Die MTV-Serie „The Shannara Chronicles“ will den seit 1977 laufenden Epos von Autor Terry Brooks einem breiteren internationalen Publikum außerhalb der Fantasy-Jünger in den Fokus rücken: mit mäßigem Erfolg.

Von Daniel Conrad

Die Vorwürfe wird Terry Brooks einfach nicht los: Seit 1977 schreibt der 1944 geborene Amerikaner Stück für Stück an seinem „Shannara“-Kosmos. Nicht nur, dass er wohl immer als Kopierer in der Nachfolge von Tolkien und dessen Erfolg mit der „Herr der Ringe“-Reihe verschrien werden wird, sondern jetzt über die MTV-Serie „The Shannara Chronicles“ erst einem breiteren internationalen Publikum außerhalb der Fantasy-Jünger in den Fokus rückt.

Dabei sind die aktuell konkurrierenden Buchvorlagen und Film-Zyklen wie „Hunger Games“ (seit 2008), „Twilight“ (seit 2005), „The Maze Runner“ (seit 2009) oder „Game of Thrones“ (seit 1996) sehr viel jünger.

Aufguss vom Aufguss

Selbst, dass er schon vor Jahren die Filmrechte an Warner Bros. übertragen hatte – die später allerdings ohne konkrete Umsetzung zurückgegeben wurden –, beachtet heute keiner mehr. Und nun kommt die Adaption seiner „Shannara Chonicles“ eben daher wie ein Aufguss vom Aufguss. Zumal dann auch noch Castüberschneidungen zu den Peter-Jackson-Fantasy-Verfilmungen wie John Ryhs-Davies und Manu Bennett Wasser auf die Mühlen der Kritiker sind.

Zusätzlich kommt der Jugendwahn von MTV USA dazu: Nach dem Erfolg mit der Serienneufassung von „Teen Wolf“ setzen die Sender-Verantwortlichen im Programmschema „The Shannara Chronicles“ nicht ohne Grund direkt mit dem Werwolfspektakel zusammen.

Hart am Klischee

Das was der Medienkonzern aus der Buchvorlage macht, ist leider hart am Klischee und das Etikett pappt schnell am Endprodukt: Teenie-Serie. Reihenweise sexy junge, zum Teil noch schauspielerisch ausbaufähige Darsteller wie US-Jugendzimmer-Star Austin Butler – der gleich in der ersten Folge sein Sixpack auspacken darf – retten die postapokalyptische Fantasywelt, die „Four Lands“, dank der – letztlich erfolgreichen – Suche nach dem „Blutfeuer“ und schlagen sich im aufwendigen computergenerierten Setting pro Folge mit einem neuen Quest im großen Handlungsstrang herum – Erlöserfigur, diesmal in weiblich, inklusive.

Zentrales Symbol, ein heiliger weißlicher Baum der rote Blätter verliert. Es verwundert dann auch nicht, dass es nur so an Rückmeldungen wimmelt: „Zu durchgestylt“, „zu wenig aus der Buchvorlage gemacht“ – passend zum fast schon üblichen Gejammer um zu einfache Dialoge in klassischer Fantasysprache bzw. mangelnde Sorgsamkeit in der jeweiligen Synchronisationsfassung.

Mischung geht auf - trotz Unkenrufen

Da ist es doch überraschend, dass gerade einmal vier Folgen bisher erschienen sind und trotzdem ein so großes Publikum positiven Anteil nimmt. Geht trotz den Unkenrufen die Mischung aus Frischzellenkur und Fantasyabenteuer auf? Bisher ist die Serie eine leicht konsumierbare Flucht aus dem Alltag, die in den kommenden Folgen noch zeigen muss, wie sehr sie wirklich durchhalten kann.

Einige Kritiker behaupten, der breite Vertrieb und das clevere Nischenmanagement seien der Grund für den Zuspruch: „The Shannara Chronicles“ wurde nicht erst einmal in einem nationalen Markt getestet, sondern ging gleich breit weltweit in den Vollen – TV, Internet, Streamdienste und soziale Netzwerke haken ineinander – perfekt für ein junges weibliches Publikum, das seinen Medienkonsum mit dem Kommentare-Teilen um süße Boys oder die taffen weiblichen Vorbilder weltweit verknüpfen kann.

Junge Klientel zu Amazone Prime locken

Die fünfte Folge startet nun im US-Fernsehen, Amazon Deutschland stellt die Folgen in der Synchronfassung einen Tag nach der US-Ausstrahlung als Download bereit und bereichert sein „Prime“-Portfolio um die Serie (sicher auch um eine junge Klientel in den Flat-Streamdienst zu locken, erst später soll das Fantasy-Abenteuer dann bei RTL II im Free-TV laufen).

Syfy France hat sich die Rechte für Frankreich gesichert und strahlt ebenso schnell aus. Erfolg also dank Optik und Marketing? Zumindest lässt sich das nicht von der Hand weisen, selbst wenn dabei Brooks' Vorlage immer stärker reduziert und markttauglich gestutzt wurde. Der Autor selbst betonte das Gegenteil, er sei zufrieden – wurde aber auch in die Drehbucharbeiten integriert.