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Zapping: Mann der vielen Gesichter
Kultur 1 2 Min. 22.09.2019 Aus unserem online-Archiv

Zapping: Mann der vielen Gesichter

"The Spy" mit Sacha Baron Cohen liefert solides Handwerk, aber wenig Höhepunkte.

Zapping: Mann der vielen Gesichter

"The Spy" mit Sacha Baron Cohen liefert solides Handwerk, aber wenig Höhepunkte.
Foto: Netflix
Kultur 1 2 Min. 22.09.2019 Aus unserem online-Archiv

Zapping: Mann der vielen Gesichter

Patrick BESCH
Patrick BESCH
In „The Spy“ verkörpert Sacha Baron Cohen den israelischen Geheimagenten Eli Cohen.

Um Gideon Raffs neue Netflix-Serie „The Spy“ verstehen zu können, genügt eigentlich die Eröffnungsszene, die das Ende der Geschichte vorwegnimmt. Nachdem der israelische Mossad-Geheimagent Eli Cohen, gespielt von Sacha Baron Cohen, nach mehreren Jahren als erfolgreicher Undercover-Agent in Syrien von der syrischen Regierung gefangen und gefoltert wird, wird er dazu gezwungen, einen Abschiedsbrief an seine Frau zu schreiben.

Wer bin ich?

Als er ihn mit seinem Namen unterschreiben will, zögert er kurz. Daraufhin fragt ihn einer seiner Peiniger: „Mein armer Junge, erinnerst du dich nicht mehr an deinen Namen?“ Es wird klar: Der Spion Cohen weiß nicht mehr so recht, wer er genau ist.

Nach dieser Szene springt die Serie zu ihrem eigentlichen Anfang. Der Zuschauer erfährt, wie Eli Cohen den Job beim israelischen Geheimdienst Mossad erhalten hat, wie er sich weiterentwickelt, sich neue Identitäten zugelegt und wie er schließlich in den 1950er- und 1960er-Jahren seine Spionagemission für den jungen israelischen Staat in Syrien erfüllt. Dem Zuschauer wird aber auch vor Augen geführt, wie Cohen nach und nach seine eigene Identität mit der des Spions verwechselt.


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Sechs Studen für ein "Déjà vu"?

Was sich eigentlich nach einer interessanten Geschichte anhört, verfällt aber leider allzu schnell in banale Vorhersehbarkeit und Langeweile. Auch wer nichts über die reale Person Eli Cohen, einer der bekanntesten Spione der israelischen Geschichte weiß, erahnt schnell, wohin ihn seine Reise führen wird. Zwar bieten die beeindruckenden Sets, der gute Schnitt, die passende Musik und das schöne, vor allem mit seinen Farben überzeugende Bild etwas Abwechslung, doch der konventionelle Thriller bietet kaum Neues. Nach sechs Stunden fragt man sich, ob man diesen Thriller nicht schon in einer anderen Form gesehen hat.

Der Cohen hinter dem Cohen

Interessanter ist dann schon der Schauspieler, der den Spion Eli Cohen verkörpert. Die meisten Zuschauer kennen Sacha Baron Cohen wohl als den kasachischen Journalisten Borat Sagdiyev oder den englischen Möchtegern-Gangsta-Rapper Ali-G. Zum ersten Mal also muss Sacha Baron Cohen eine Figur spielen, ohne dass er sich hinter viel Make-up, einer Verkleidung oder einer grotesken Persönlichkeit verstecken kann.

Leider gelingt es dem sonst so talentierten Schauspieler nicht, der Figur des Eli Cohen Tiefe zu verleihen. Baron Cohens schauspielerische Leistung kann man zwar als solide bezeichnen, doch sie fügt sich fast nahtlos in die Banalität der ganzen Serie ein. Es gelingt ihm nicht, das Geschehen an sich zu reißen, wie er das in seinen bisherigen Werken gemacht hat.

Geschichtsunterricht im Serienformat

Wer sich für die Geschichte Israels interessiert, besonders zu den Anfangsjahren, die vor allem durch kriegerische Auseinandersetzungen des Landes mit seinen Nachbarn geprägt waren, der wird seine Freude an „The Spy“ haben. Wer sich aber einen spannenden Thriller erwartet, der wird enttäuscht sein.

Der Sechsteiler „The Spy“ ist auf Netflix zu sehen. 


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