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Zapping: "Lucifer": Um Teufels Willen
Polizistin Chloe Decker (l.) hat mit dem leibhaftigen Teufel an der Seite ungewöhnliche Unterstützung bei ihren Fällen.

Zapping: "Lucifer": Um Teufels Willen

Foto: Bettina Strauss/Fox
Polizistin Chloe Decker (l.) hat mit dem leibhaftigen Teufel an der Seite ungewöhnliche Unterstützung bei ihren Fällen.
Kultur 1 2 Min. 31.07.2016

Zapping: "Lucifer": Um Teufels Willen

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Der Name „Lucifer“ ist gleichzeitig Serienprogramm: Der Teufel muss auf die Psychiatercouch.

Der Name „Lucifer“ ist gleichzeitig Serienprogramm: Der Teufel muss auf die Psychiatercouch. Vor fünf Jahren startete er die Rebellion gegen seinen „Dad“ und hat auf seinen eintönigen Job, zu dem er als gefallener Engel eigentlich auf Ewigkeit verdammt wurde, aufgegeben.

Die Auszeit vertreibt er sich unter den Menschen als sexsüchtiger Barbesitzer in Los Angeles. Und allmählich bringt ihn so manches in Verwirrung: Da wäre einerseits Chloe Decker, die attraktive Polizistin, die seinem sonst so unwiderstehlichen Schlag bei Frauen einfach nicht erliegen will und andererseits muss er sich die Fragen gefallen lassen, wie lange die Abwesenheit von seinen höllischen Pflichten für ihn und natürlich Himmel und Erde noch gehen kann.

Verbrechern das Handwerk zu legen

Und spätestens nach der fünften Folge der ersten Staffel „Lucifer“ braucht es dann eigentlich nicht mehr so deutliche Hinweise, dass der Teufel vermenschlicht, Gefühlen Platz macht, die er so nicht kannte und auf seine „Talente“ – wie den Menschen ihre Begierden zu entlocken – aus Spaß, neuem Gerechtigkeitssinn und auch Eigennutz dazu einsetzt, Verbrechern das Handwerk zu legen.

Soviel zum groben Plott der einmal mehr einem Comic entspringenden Serienadaption „Lucifer“. Doch es ist schon merkwürdig, wie diese Fassung des Vertigo-Comics unter gleichem Name ausgedehnt, gebogen, und zum Teil schrecklich verunstaltet wird.

Der Waliser Tom Ellis spielt diesen Höllenfürst unter Menschen und gibt ihm eine aufgesetzt britisch konnotierte Selbstdarstellung mit zu hoher Stimmentgleisung – ein Psychogramm zwischen trotzig-bockigen Pubertierendem und übertriebenen Beelzebub mit diabolischem Grinsen. Das ist in der Originalversion noch tragbar – die deutsche Synchronisation übertreibt es dann aber.

Lost in Translation

Zudem funktionieren die Anspielungen an Bibelzitate, Literatur und in der Hintergrundmusik wirklich nur gut, wenn man sie in den anglofonen Kontext und den Bruch mit den Gepflogenheiten und der meist bigotten Prüderie der amerikanischen Gesellschaft einzuordnen vermag.

Die deutsche Synchronfassung schafft das meist nicht – und so geht Tiefe verloren, die die Serie zu großen Teilen aus der Masse heraushebt. Die Krimifälle und die Familienprobleme der Polizistin, die zunächst den Rahmen bilden, passen dann nicht richtig mit dem höllischen „Burn-out“ zusammen.

Es fehlt an Düsternis

Ist das Konzept und dessen Unübertragbarkeit auch der Grund, warum ProSieben den deutschen Free-TV-Start Richtung Herbst verschoben hat?

Insgesamt fehlt der Serie die Düsternis von „Jessica Jones“ oder „Daredevil“ ebenso wie der Südstaaten-Touch und die sehenswerte Atmosphäre von „Preacher“. Dennoch reicht es in den USA für eine zweite Staffel.

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Die komplette erste Staffel ist aktuell mit einem Amazon-Prime-Abo auf der VOD-Plattform des Onlinehändlers zu sehen. Der Starttermin für die deutsche Free-TV-Fassung steht noch nicht fest, ist aber bei ProSieben für den Herbst 2016 vorgesehen.