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Zapping: "Lost in Space"
Maureen Robinson (Molly Parker) (2. v. l.) will ihrer Familie ein neues
Leben im Sternensystem Alpha Centauri ermöglichen.

Zapping: "Lost in Space"

Foto: Netflix
Maureen Robinson (Molly Parker) (2. v. l.) will ihrer Familie ein neues
Leben im Sternensystem Alpha Centauri ermöglichen.
Kultur 2 Min. 30.05.2018

Zapping: "Lost in Space"

Maximilian RICHARD
Maximilian RICHARD
Das Raumschiff erleidet eine Bruchlandung, die Mutter bricht sich ein Bein, ein Kind steckt im Eis fest, ein anderes ist in einer Gletscherspalte verschollen. Die Familie Robinson erwartet in „Lost in Space“ alles andere als ein gemütlicher Weltraumspaziergang.

Der Weltuntergang naht: Smog verdunkelt den Himmel, die Natur stirbt. Für einen ausgewählten Teil der Menschheit besteht aber noch Hoffnung. Denn die Besten, Schlauesten und Reichsten der Erde können sich als Kolonisten für eine neue Heimat bewerben. Alpha Centauri verspricht all das, was es auf der Erde nicht mehr gibt: Frieden und Sicherheit.

Für die Familie Robinson platzt der Traum der neuen Heimat allerdings schnell. Auf der Reise zum versprochenen Paradies verunglückt das Mutterschiff und die Siedler müssen sich mit Hilfe eines Beiboots auf einen fremden Planeten retten.

Es bricht eine Kaskade von Katastrophen über die Robinsons ein. Die Familie erleidet eine Bruchlandung, die Mutter bricht sich das Bein, ein Kind ist im Eis gefangen, ein anderes in einer Gletscherspalte verschollen. Doch keine Sorge: In bester Deus-ex-machina-Manier taucht in letzter Sekunde der verschollen geglaubte, elfjährige Will Robinson (Maxwell Jenkins) mit einem Alien-Roboter auf und rettet alle vor dem sicheren Tod. In Sicherheit ist die Familie aber noch lange nicht. Denn sie ist Millionen Lichtjahre entfernt von ihrem ursprünglichen Ziel auf einem fremden Planeten gestrandet. Alleine sind die Robinsons aber nicht – denn auch andere haben das Unglück überlebt.

Sie tun es schon wieder

Lost in Space ist eine für Netflix produzierte Neuauflage des gleichnamigen amerikanischen TV-Klassikers aus den Sechzigern. Mit sehenswerten Spezialeffekten und einigen Anpassungen wird mehr oder weniger die gleiche Geschichte erzählt wie damals. Zumindest für alteingesessene Science-Fiction-Fans wartet die Serie somit mit einer Portion Retrocharme auf. Die Serie folgt dabei einem relativ simplen Handlungsstrang. Eine Katastrophe folgt der nächsten, ein Familienmitglied gerät in eine ausweglose Situation, aus der sie wieder in letzter Sekunde gerettet wird. Dadurch wird die Handlung allerdings hauptsächlich durch die Ereignisse vorangetrieben. Die Figuren selbst spielen oft nur eine Nebenrolle. Eigentlich schade: Denn die Familie hat nicht nur mit der Flora und Fauna des neuen Planeten zu kämpfen.

Die Probleme, die die Robinsons auf der Erde hatten, haben sie nämlich in den Weltraum mitgenommen. So hängt bei Vater John (Toby Stephens) und Mutter Maureen (Molly Parker) schon länger der Haussegen schief. Zwei getrennte Eheleute fliegen ins All und versuchen sich zum Wohl der Familie zusammen zu reißen. Das dadurch entstehende Konfliktpotenzial wird aber nur zum Teil ausgeschöpft.

Leichte Kost

Auch das Zusammenleben mit den anderen Überlebenden behandelt die Serie nur seicht. Dabei erinnert das Szenario eigentlich an William Goldings Romanklassiker „Lord of the Flies“, der die soziale Entwicklung einer Gruppe Jugendlicher behandelt, die auf einer einsamen Insel stranden.

Anders als bei Golding klappt die Zusammenarbeit zwischen den Überlebenden aber beinahe reibungslos. Wirkliche soziale Konflikte gibt es deshalb kaum, beziehungsweise sie sind unbedeutend. Dabei stellen sich eigentlich viele Fragen: Etwa wie kann eine Gesellschaft funktionieren, die bereitwillig den Rest der Menschheit zum Sterben verurteilt, weil sie nicht der selbst definierten Elite entspricht?

„Lost in Space“ folgt dem Modell einer klassischen Familiensendung, was aber auch bedeutet, dass solche Fragen außen vor bleiben müssen. Im Herzen sind deshalb in der Serie (fast) alle Menschen gut und entscheiden sich am Ende immer dafür, sich gegenseitig zu helfen. Klingt kitschig, ist aber so.

Alle elf Folgen sind auf Netflix aufrufbar.