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Zapping: "La casa del Papel"
Úrsula Corberó in der Rolle von Tokio in „La Casa de Papel“.

Zapping: "La casa del Papel"

Foto: VANCOUVER MEDIA
Úrsula Corberó in der Rolle von Tokio in „La Casa de Papel“.
Kultur 2 Min. 24.04.2018

Zapping: "La casa del Papel"

Die spanische Fernsehserie „La Casa de Papel“ macht gerade in der halben Welt Furore. Auf Netflix ist sie die bisher meistgesehene Produktion, die nicht auf Englisch gedreht wurde. In Spanien selbst war sie nur ein mäßiger Erfolg.

von Martin DAHMS (MADRID)

Netflix hat jetzt dieser Tage bekannt gegeben, dass auf der Plattform noch keine nicht englischsprachige Serie solchen Zuspruch gefunden hat wie diese. Ein Phänomen. Und was für eins. Der langjährige Oberbürgermeister von Ankara, Melih Gökçek, hat sich wegen des Erfolgs der Produktion in der Türkei kürzlich öffentlich Sorgen gemacht. Polizei und Geheimdienst möchten bitte einschreiten, die Serie sei „ein Symbol der Rebellion“.

Das ist ziemlich viel Aufregung um einen Fernsehkrimi. Denn darum handelt es sich bei der Serie, die im vergangenen Jahr über mehrere Monate im spanischen Sender Antena 3 lief und dort eher auf verhaltene Neugier stieß. Die erste Folge brachte es auf 4 Millionen Zuschauer, aber dann verloren die Spanier das Interesse und beim abschließenden 15. Kapitel schauten nur noch 1,8 Millionen zu. Die US-amerikanische Onlinevideothek Netflix mit ihren 125 Millionen Abonnenten stellte sich nun aber als das ideale Ökotop heraus, in der „La Casa de Papel“ erst richtig gedeihen sollte.

Die Grundidee ist das Beste an dieser Serie

Der Streamingdienst schnitt die 15 je 70 Minuten langen Originalkapitel zu 22 etwa 45 Minuten langen Kapiteln um, was den internationalen Sehgewohnheiten entgegenkam. Als größter Vorteil aber erwies sich die Möglichkeit, die Serie mehr oder weniger am Stück sehen zu können: als Siebzehneinhalbstundendroge. Da entfaltet die Geschichte eine Wirkung, die sie als wöchentliche TV-Abendunterhaltung nie erzielte.

„La Casa de Papel“ heißt wörtlich: Das Papierhaus. Gemeint ist die Fábrica Nacional de Moneda y Timbre, die spanische Banknotendruckerei in Madrid. Die überfällt eine Gruppe von Kriminellen, um dort den größten Bankraub aller Zeiten zu vollbringen. Sie tun es mit gutem Gewissen, weil sie niemanden bestehlen: Sie drucken sich das Geld selber. Je länger sie mit ihren Geiseln in der Druckerei durchhalten, umso größer ist ihr Lohn. Zeit ist Geld. Der Kopf der Bande, El Profesor, der den Coup von einem Versteck außerhalb der Fábrica Nacional de Moneda y Timbre leitet, hofft auf eine maximale Beute von 2,4 Milliarden Euro, falls die Gruppe elf Tage durchsteht.

Die Grundidee ist das Beste an dieser Serie, die sich der erfahrene spanische Serienproduzent Alex Pina ausgedacht hat. Diese Idee hält die Zuschauer, die mit den Einbrechern fiebern, in Bann – die Sympathien sind hier klar auf Seiten der Kriminellen. Wie alle ordentlichen Helden brauchen sie ebenbürtige Gegenspieler, eine Gruppe von Polizisten, die durchaus effektiv ihre Arbeit machen, nur auf einen Gedanken nicht kommen: den Banditen den Strom abzudrehen, womit die Gelddruckerei ein Ende hätte. Macht nichts. Ist nur ein Film.

Am wenigsten Interesse hat die Serie leider an den Geiseln, mit einer Ausnahme: dem Direktor der Druckerei, jenem Arturito, der von Enrique Arce gespielt wird. Er ist der anregendste Charakter dieser Fiktion, weil ein zerrissener und nicht besonders sympathischer. Wonach „La Casa de Papel“ schreit, ist nach einem Remake mit besseren Dialogen, die doch immer wieder sehr einfältig sind und mit etwas mehr technischer Wissbegier: Wie aus Papier Geldscheine werden, lernt man in dieser Serie nicht. Netflix hat bereits angekündigt, eine weitere Staffel vom „Haus des Geldes“ (so der deutsche Titel) drehen zu wollen. Eine gute Chance, ein erfolgreiches Produkt noch besser zu machen.

„La Casa de Papel“, 22 Folgen, ist auf Netflix abrufbar.