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Zapping „Kommissar Maigret“ : Der Fluch von Mr. Bean
Es braucht Zeit, um sich an die neuen Ausdrücke von Ex-Mr. Bean Rowan Atkinson (r.) zu gewöhnen.

Zapping „Kommissar Maigret“ : Der Fluch von Mr. Bean

FOTO: BBC/POLYBAND
Es braucht Zeit, um sich an die neuen Ausdrücke von Ex-Mr. Bean Rowan Atkinson (r.) zu gewöhnen.
Kultur 1 2 Min. 08.01.2017

Zapping „Kommissar Maigret“ : Der Fluch von Mr. Bean

Pol SCHOCK
Pol SCHOCK
Mit dem Kosmos um seinen „Commissaire Maigret“ hat Georges Simenon eine Schatztruhe geschaffen, aus der sich bestens bedient wurde – was dem Erfolg der „Marke Maigret“ keinen Abbruch tat.

Von Daniel Conrad

Nach dem Publikumszuspruch an den Sherlock-Holmes-Filmen der BBC mit Benedict Cumberbatch war es offenbar nur eine Frage der Zeit, bis der britische Sender ITV zum Gegenschlag ausholte und den Maigret wiederentdeckte. Doch natürlich weht der Wind der großen Namen und die bereits erschienenen Filme über dieser Figur – fast wie bei der einmaligen Interpretation von Margaret Rutherford als Miss Marple.

Und dann holen die Produzenten sich wen als Charakterdarsteller? Ehrlich? Rowan Atkinson? Mr. Bean? Die britische Presse hatte schnell nach der britischen Erstausstrahlung an Ostern 2016 ihr Urteil zu der neuen Folge gefällt: Nein, er komme nicht an die Vorgänger in der Rolle als Pfeife rauchender Kommissar heran – schon gar nicht an Rupert Davies, der sich Anfang der 1960er-Jahre in die Herzen der dortigen Zuschauer spielte. Und Bruno Cremer in der französischen Adaption vergisst dann auch keiner so schnell.

Die ARD hat sich die deutschen Ausstrahlungsrechte für die Neuadaption gesichert und zeigt die beiden ersten Fälle der Reihe nun an den ersten Sonntagen im Jahr 2017. Mit gleich der ersten Folge „Maigret Sets a Trap“ („Maigret stellt eine Falle“) scheint ein Beweis für die erzürnten Kritiker erbracht zu sein.

Diese Darstellung Atkinsons, der gezeigt hat, dass er Komik mit nur dem Heben einer Augenbraue erzeugen kann, hat etwas (allzu) sehr zurückgezogenes, fast Erstarrtes. Dieser Maigret will bewusst normal erscheinen, kaum mit großer Mimik kommentieren, eher nur dann Worte zulassen, wenn sie sein müssen. So weit bleibt Atkinson aber seiner Linie treu, die er schon vor den Dreharbeiten zu seiner Interpretation der Figur verriet. Und es braucht eben Zeit, die gewohnten Grimassen eines Mr. Bean gedanklich zu streichen.

Eine Inszenierung nahe am Anachronismus

Das, was die Kritiker daran wahrscheinlich stören wird, ist, dass das TV-Umfeld diese Art des Fernsehspiels, diesen Weg der Inszenierung fast als Anachronismus erscheinen lässt.

Ashley Pearce, der unter anderem für die Regie einiger Folgen des Serienhits Downton Abbey verantwortlich war, schlägt eben ein gemächliches Tempo an – und damit scheint das insgesamt in seiner Betulichkeit näher an einer „Inspector Barnaby“-Folge als an einem echten TV-Experiment der Neuzeit zu sein. Was zudem als historischer Schick und Kolorit in „Downton Abbey“ funktioniert, wirkt als historische Kulisse eines fast schon klinisch sauberen und klischeeüberladenen Paris der 1950er-Jahre nicht wirklich authentisch (mangels echter historischer Schauplätze in der französischen Hauptstadt wurde in Budapest gedreht).

Doch trotz der Unkenrufe zu dieser kaum die möglichen Drehbuch- und Regiemittel ausreizenden Neufassung bekommt die Rolle des einfühlsamen Kommissars wenigstens keine allzu extreme Überladung – und auch dank der Zurückhaltung eine große Ruhe. Und genau das ist perfekt für die Zuschauer, die der Härte, dem Psychostress und immer überzeichnenden Charakterkonnotationen anderer Produktionen nichts mehr abgewinnen können.

Für alle, die nicht unbedingt die härtesten und allzu konstruierten Krimis bevorzugen, ist dieser handwerklich solide Maigret ein Blick wert.

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Die zweite Folge „Kommissar Maigret: Ein toter Mann“ („Maigret's Dead Man“) läuft am 8. Januar, um 21.45 Uhr in der ARD.