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Zapping: Keine Macht dem Teufel
Kyle (l.) und Reverend J. Anderson treten den Kampf an.

Zapping: Keine Macht dem Teufel

Foto: Fox/ N.Tavernise
Kyle (l.) und Reverend J. Anderson treten den Kampf an.
Kultur 2 2 Min. 09.07.2017

Zapping: Keine Macht dem Teufel

Vesna ANDONOVIC
Vesna ANDONOVIC
Nervenkitzel pur: Ein über dem Bett schwebender Körper, hässliche Fratzen und grässliches Geschrei. Das gibt es bei der Supernatural-Horror-Serie „Outcast“, nur eben mit einer geheimen Superwaffe gegen Lucifers Dämonen: Kyle.

Kyle Barnes (Patrick Fugit) hat es echt schwer. Erst ist seine Mutter Sarah (Julia Crockett) von einem Dämon besessen – und versucht den pubertären Sohnemann umzubringen. Dann geht es, Jahre später, seiner Angetrauten Allison (Kate Lyn Sheil) ebenso – sie würgt die gemeinsame Tochter Amber (Madeleine McGraw) bis Kyle dazwischengeht und dabei seine Frau krankenhausreif schlägt. 

Und das Resultat der ganzen Misere? Kyles Mutter vegetiert kathartisch im Pflegeheim vor sich hin, er landet bei einer Pflegefamilie und wird seitdem im heimischen Rome (nicht die Hauptstadt Italiens, sondern ein verschlafenes Tausendseelenstädtchen inmitten Amerikas) ziemlich komisch beäugt und muss auch noch von Frau und Tochter – per Gerichtsbeschluss, wegen „häuslicher Gewalt“ – fernbleiben. Nur Stiefschwester Meghan (Wrenn Schmidt) hält noch zu ihm, selbst wenn ihr eigener Mann, Polizist Mark (David Denman), ihren Umgang mit Kyle überhaupt nicht gerne sieht.

Rosig sieht's nicht aus

Zum Glück bzw. zu Kyles Pech ist da aber noch Reverend John Anderson (Philip Glenister). Dieser ist ein geradezu besessener Teufelsaustreiber, der im jungen Mann mit den besonderen Fähigkeiten per Handauflegung Dämonen (in Form von schwarzer Glibbermasse) aus Besessenen zu jagen, den perfekten Verbündeten sieht in seinem Kreuzzug gegen das Böse.

Die Fälle häufen sich und alles lässt auf eine Offensive der Höllenlegionen schließen. Auch die Ankunft des mysteriösen Sidney („Star Trek“-Data-Darsteller Brent Spiner) verheißt nichts Gutes. 

Erstaunlich nuancenreich und trotzdem unterhaltsam

Braucht es etwas Geduld, um die Zusammenhänge und Hintergründe der Geschichte einzuordnen und zu verstehen, so führt Serien-Erfinder Robert Kirkman, u. a. Autor der „The Walking Dead“-, „Invincible“ und „Marvel Zombies“-Comicreihen, die unterschiedlichen Figuren so geschickt ein, dass man schnell an ihren einzelnen Geschichten interessiert ist und auch wissen will, wie es mit ihnen weitergeht – und deshalb auch bei der Stange bleibt.

Dabei ist die Besetzung passend ausgewählt – allen voran Patrick Fugit als Kyle – und bietet genügend unterschiedliche charaktervolle Archetypen, damit ein jeder Zuschauer für sich die passende Identifikationsfigur findet. Abwechslungsreich werden dann die Einzelschicksale ineinander verwoben und schaffen so gleich mehrere Möglichkeiten, an denen das Publikum buchstäblich andocken kann.

Damit hatte keiner gerechnet

Doch der richtige Glücksgriff gelingt „Outcast“ erzählerisch in der Mitte der 10 Episoden der ersten Staffel. Denn als die Teufelsaustreibungsszenen langsam Überhand gewinnen und sich so durch die Wiederholungen der Schemen eine gewisse Langeweile einzustellen droht, nimmt die Erzählung eine überraschende Wendung: Die zuvor recht eindeutig gezogenen Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen.

Und plötzlich scheint der Fanatismus des Predigers nicht minder gefährlich als die Dämonen selbst. Das sprengt die klassischen Schemen des Horrorstreifens à la „The Exorcist“ und verleiht „Outcast“ eine spannende, zweideutige Dimension. Existenzielle Fragen um Gut und Böse, Schuld und Vergebung, Recht und Unrecht werden so erstaunlich nuanciert thematisiert – und trotzdem unterhaltsam aufbereitet. Es wird spannend. 

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Auf Abruf

Die erste Staffel von „Outcast“ ist auf der Streamingplattform Netflix ebenso wie Amazon Prime Video abrufbar. Die zweite lief bis zum 5. Juni auf Fox und wird wohl erst Anfang nächsten Jahres streambar sein.