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Zapping: Kein Held in diesem Lande
„Show Me a Hero“ steht und fällt mit der Darstellung von Oscar Isaac als Bürgermeister Wasicsko.

Zapping: Kein Held in diesem Lande

(Foto: HBO)
„Show Me a Hero“ steht und fällt mit der Darstellung von Oscar Isaac als Bürgermeister Wasicsko.
Kultur 1 2 Min. 30.08.2015

Zapping: Kein Held in diesem Lande

„Wer mir einen Helden zeigt, dem zeige ich eine Tragödie“ – F. Scott Fitzgeralds Zitat nimmt die Schlussfolgerung von David Simons neuster HBO-Serie „Show Me a Hero“ bereits vorweg. Denn in dieser Geschichte gibt es keine Helden und erst recht keine Gewinner. Zapping

von Pit Thommes

„Wer mir einen Helden zeigt, dem zeige ich eine Tragödie“ – F. Scott Fitzgeralds Zitat nimmt die Schlussfolgerung von David Simons neuster HBO-Serie „Show Me a Hero“ bereits vorweg. Denn in dieser Geschichte gibt es keine Helden und erst recht keine Gewinner.

Schauplatz des Dramas ist Yonkers, eine schmucke Großstadt in Sichtweite von New York City. 1987 wird die Stadt dazu verurteilt die Desegregation endlich voranzutreiben und rund 200 Wohneinheiten für Afroamerikaner in der Nachbarschaft der weißen Mittelklasse zu bauen.

Kurz vor dem Bankrott

Yonkers wehrt sich, muss fortan aber eine sich täglich verdoppelnde Strafe bezahlen und steht somit kurz vor dem Bankrott. Auftritt von Nick Wasicsko (Oscar Isaac), dem jüngsten Bürgermeister einer amerikanischen Großstadt, der mit dem Versprechen ins Amt gewählt wurde, dem föderalen Bebauungsplan entgegen zu treten.

Doch aller Einspruch ist umsonst und Wasicsko findet sich plötzlich auf der anderen Seite der Geschichte wieder und leistet dem Gerichtsurteil Folge.Die nun folgenden Szenen sind alles andere als schön: die weiße Mittelklasse mutiert zum rassistischen Mob, der sich so wild verhält, wie er es von den neuen afroamerikanischen Nachbarn befürchtet.

Afroamerikaner  zermürbt

Auch die Afroamerikaner sind zermürbt, die Aufhebung der Rassentrennung währt mittlerweile Jahrzehnte, viele hatten sich in den großen Blocks der Sozialwohnungen mit Gewalt und Illegalität arrangiert.

David Simon zementiert mit „Show Me a Hero“ seinen Ruf als kontroversen und brillanten Serienschöpfer. Der ehemalige Reporter der „Baltimore Sun“ lenkt nach der Aufarbeitung der Drogenszene („The Corner“, „The Wire“), des Irakkrieges („Generation Kill“) und den Folgen des Hurrikans Kathrina („Treme“) erneut den Blick auf die Schattenseiten der Weltmacht USA.

Mit seiner ihm eigenen Mischung aus Dramatisierung und Menschlichkeit zieht er den Zuschauer in den Bann komplexer, politischer Themen die auf dem Papier kaum für abendliche Unterhaltung dienen.

„Show Me a Hero“ steht und fällt mit der Darstellung von Oscar Isaac als Bürgermeister Wasicsko.
„Show Me a Hero“ steht und fällt mit der Darstellung von Oscar Isaac als Bürgermeister Wasicsko.
(Foto: HBO)

Amerikanische Rassentrennung

„Show Me a Hero“ steht und fällt mit der Darstellung von Oscar Isaac als Bürgermeister Wasicsko. Er schafft einen sympathischen politischen Überflieger, der – eben noch die Sporen verdienend – zur zentralen Figur der amerikanischen Rassentrennung wird. An Yonkers wird nämlich Ende der 1980er-Jahren ein Exempel statuiert, zögern doch viele weitere Städte der harschen Rassentrennung städtebaulich ein Ende zu setzen. Abseits der Politikgeschichte trifft Wasicsko auf seine große Liebe und sorgt sich um den Wert seines ersten Eigenheims mit der neuen afroamerikanischen Nachbarschaft.

Simon und sein Koautor William F. Zorzi zeigen anhand einer Handvoll Einzelschicksale, wie sich von oben verordnete Bebauungs- und Desegregationsprojekte auf die Menschen auswirken. Jeglicher Gefühlskitsch wird dabei vermieden, weil die Charaktere authentisch wirken und Freud und Leid ganz nah beieinander liegen.

Ganz bewusst ist dies keine Geschichte von Gut gegen Böse, Zuschauersympathien verspielen die Figuren ebenso schnell wie sie gewonnen haben.

Einziger Wermutstropfen ist die fehlende Synchronisation. Wer mit dem gesprochenen Englisch nicht mithält, kann bestenfalls auf englische Untertitel zurückgreifen. Ein deutscher Serienstart ist frühestens irgendwann 2016 vorgesehen, bisherige Erfahrungen lassen eine eher schlechte denn rechte Übersetzung befürchten.

„Show Me a Hero“ ist keineswegs Schulfernsehen für Erwachsene sondern ein mitreißendes Politdrama, das durch leise Zwischentöne eine komplizierte Thematik mit Spannung auflädt.

„Show Me a Hero“, sechsteilige US-TV-Miniserie. Immer montags 22 Uhr auf dem Pay-TV-Sender Sky Atlantic, in Luxemburg über das Sky-Packet zu empfangen.