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Zapping: In „Carnival Row“ trifft Steampunk auf Migration
Kultur 1 2 Min. 29.09.2019

Zapping: In „Carnival Row“ trifft Steampunk auf Migration

Orlando Bloom (l.) und Cara Delevingne spielen in dem „düsteren Neo-Noir-Fantasy-Thriller“, so ordnen die Macher selbst ihre Serie ein, die Hauptrollen. Foto: Amazon Prime Video

Zapping: In „Carnival Row“ trifft Steampunk auf Migration

Orlando Bloom (l.) und Cara Delevingne spielen in dem „düsteren Neo-Noir-Fantasy-Thriller“, so ordnen die Macher selbst ihre Serie ein, die Hauptrollen. Foto: Amazon Prime Video
Foto: Amazon Prime Video
Kultur 1 2 Min. 29.09.2019

Zapping: In „Carnival Row“ trifft Steampunk auf Migration

Vesna ANDONOVIC
Vesna ANDONOVIC
Die Amazon-Prime-Produktion „Carnival Row“ mit Orlando Bloom und Cara Delevingne fordert vom Zuschauer viel Einsatz, der sich aber auf Dauer bezahlt macht.

Es braucht seine Zeit – und folglich auch die dementsprechende Geduld –, bis der Zuschauer in das skurrile Universum der neuen Amazon-Prime-Serie „Carnival Row“ wirklich einsteigen kann. 

Denn genau die erzählerisch kunterbunte Mischung, die, neben bekannten Darstellern wie Orlando Bloom und Cara Delevingne, die Stärke der Serie ausmacht, ist zugleich auch ihr größte Schwäche.

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Es ist nämlich nicht Tolkien, wer es sein will; und so mutet die Kombination von geflügelten Feen, Pucks mit Widderhörnern, Werwölfen, banalen Menschen und anderen Furcht einflößenden Monstern in einer zwischen Fantasy und Steampunk angesiedelten Welt manchmal zu üppig und ihre Kontextualisierung durch diese Mannigfaltigkeit geradezu spärlich an.  

Viktorianische Ästhetik und Plastik

Förderlich ist nicht, dass Details wie beispielsweise die Feenflügel zudem gewöhnungsbedürftig wie Faschingskostüm-Accessoires aus Plastik aussehen. Das steht im krassen Kontrast zum Rest der eingesetzten Mittel (ausgiebige und gepflegte CGI-Effekte!).

Von ihren Machern, René Echevarria (u. a. „Star Trek: Deep Space Nine“ und „Dark Angel“) und Travis Beacham (u. a. „Clash of the Titans“ und „Pacific Rim“), selbst als „düsterer Neo-Noir-Fantasy-Thriller“ beschrieben, sind in der Arbeit der beiden Autoren zahlreiche Einflüsse zu spüren, die viktorianische Ästhetik mit den unterschiedlichsten Fabelwesen verbindet und dabei auch erkennbare Geschichten wie die Jack the Rippers und die des Golems mit einfließen lassen.

Thematik trifft den Zahn der Zeit

Das eigentlich Überraschende und zugleich Spannende ist der Hintergrund der Migrationsthematik, vor den die Serie ihr Geschehen setzt. Dabei werden deren Herausforderungen wie beispielsweise Akzeptanz und Integration thematisiert und die Positionen der Einheimischen und Einwanderer gleichermaßen beleuchtet. 


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Dies verankert „Carnival Row“ im aktuellen Zeitgeist und macht somit zum großen Teil den Reiz der Produktion aus. Auch wenn dadurch vom Zuschauer viel eingefordert wird, weil er längere Zeit braucht, um alle Figuren einzuordnen und deren Beziehungen zueinander zu analysieren.

Durch die Vielzahl der Erzählstränge und Charaktere dauert es ebenfalls etwas länger bis das gesamte Konstrukt an Relief und Tiefe gewinnt.

Figuren, Thematik, Umsetzung – alles passt, braucht aber Zeit

 Zur Handlung: Nach einem verlorenen Krieg fliehen unzählige Feen ins von Menschen bevölkerte Burgue. Doch nicht alle der ehemaligen Verbündeten sehen diesem Flüchtlingsstrom wohlwollend gegenüber. Ein brutaler Mörder geht um, doch Polizeiinspektor Rycroft „Philo“ Philostrate (Orlando Bloom) ist ihm auf der Spur. Währenddessen haben das bourgeoise Geschwisterpaar Ezra (Andrew Gower) und Imogen Spurnrose (Tamzin Merchant) mit finanziellen Sorgen zu kämpfen und sehen der Ankunft des neureichen Pucks Agreus Astrayon (David Gyasi) in die Nachbarschaft mit Argwohn entgegen. Als der Sohn des Kanzlers Absalom Breakspear (Jared Harris) entführt wird, offenbart sich langsam ein machiavellischer Plan.


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Und auch in der Welt der Fleisch gewordenen Fabelwesen hat man mit banalem Beziehungsstress zu kämpfen, so wie Feen-Flüchtling Vignette Stonemoss (Cara Delevingne), die nach sieben Jahren Trauer plötzlich herausfindet, dass ihr früherer Geliebter Philo gar nicht im Krieg gefallen ist, und, da sie sich der Feenbande der Black Raven anschließt, auch noch zum „Feind“ wird.

Wer die notwendige Energie aufbringt in die Serie einzusteigen, was etwa ab der Hälfte der Staffel glücken sollte, wird mit interessanten Figurzeichnungen, unerwartete Wendungen und einer visuell durchaus ansprechenden Umsetzung belohnt.

Dass eine zweite Staffel bereits geplant ist, zeigt dann, dass Philo und Vignette ihr Soll erfüllt haben – und dem Zuschauer vorerst auch in Zukunft noch erhalten bleiben.
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Die acht, 49-minütigen Episoden der ersten Staffel von „Carnival Row“ sind auf Amazon Prime Video abrufbar. 





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