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Zapping: „I Can't Get No …“ „Satisfaction“ in der Ehe?

Zapping: „I Can't Get No …“ „Satisfaction“ in der Ehe?

Richard DuCree/USA Network
Kultur 1 2 Min. 10.07.2016

Zapping: „I Can't Get No …“ „Satisfaction“ in der Ehe?

Ein Banker und eine Immobilienmaklerin in der Midlife-Crisis. "Satisfaction" klingt nach seichtem Serienkitsch aus Amerika. Doch wie bei einem Beinahe-Unglück kann der Zuschauer nicht wegschauen.

Von Pit Thommes

Befinden sich Banker (Matt Passmore) und Immobilienmaklerin (Stephanie Szostak) gleichzeitig in der Midlife-Crisis, wird ihre Ehe auf eine harte Probe gestellt. Mit ihrer Tochter (Michelle DeShon), die am Talentabend die Affäre zweier Lehrer öffentlich macht, ist das Chaos perfekt. Das amerikanische Drama „Satisfaction“ schildert den normalen Ausnahmezustand einer Ehe.

Zufriedenheit kennt Neil, von Passmore passabel gespielt, nicht. Er arbeitet 70 Stunden in der Woche, schiebt sinnlos Millionen hin und her, während er mit seiner Frau nur mehr tiefgründige Gespräche um die Farbe seiner Krawatte führt.

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Für seine Tochter nimmt er sich zwar Zeit – diese Selbstwahrnehmung entspricht kaum der Realität, verpasst er doch jeden wichtigen Termin. Neil ist im Hamsterrad des Lebens gefangen. Erlösung verspricht er sich von Zen-Büchern, dem 80-Zoll-Fernseher und ein paar Runden im verschmutzten Swimmingpool.

Befriedigung sucht seine Frau Grace, stellenweise überzeugend von Szostak dargestellt, außerhalb der Ehe. Nachdem weder der Literaturclub noch ein Frauenabend in der Disco sie zufriedenstellen, greift sie auf die Hilfe eines männlichen Escort zurück. Simon (Blair Redford) scheint der Mann für alle Lebenslagen zu sein. Charmant, witzig und gut im Bett, kümmert er sich um Grace so gut es geht. Die beruhigt ihr schlechtes Gewissen mit einer Krawatte für den Ehemann.

Flammende Mir-reicht-es-Rede

„Satisfaction“ invertiert die klassischen Rollen im Ehedrama. Hier ist es einmal die Frau, die sich von einem Prostituierten die Sorgen nehmen lässt. Und es ist an Neil, durchzudrehen. Denn als er während fünf Stunden bei großer Hitze in einem Flugzeug auf seinen Abflug wartet, platzt ihm der Kragen. Seine flammende Mir-reicht-es-Rede wird ein Hit auf YouTube und noch im gleichen Atemzug kündigt er bei seiner Investmentfirma. Nur um dann seine Frau mit Simon zu überraschen.

Foto: Richard Ducree/USA Network

Mit großen Sprüngen muss der Zuschauer nicht rechnen. Die Serie folgt brav einem soliden Drehbuch, auf Experimente hat man dankenswerterweise verzichtet. Selbst die Bildkomposition ist handwerklicher Durchschnitt.

Neues über Frauen lernen

Trotzdem wird man „Satisfaction“ nicht so schnell wegzappen. Denn der gehörnte Neil behält sein Wissen vorerst für sich und wird selbst zum erfolgreichen Escort. Dabei lernt er Neues über Frauen und sich selbst, darüber hinaus auch wieder Gefallen am Leben. Auf Dauer wird es aber wohl nicht gut gehen.

Gäbe es diese Prämisse nicht, dürfte man „Satisfaction“ getrost vergessen. Doch die Handlung vollzieht sich gerade spannend genug, dass der Zuschauer dranbleibt. Parallelen zu „The Affair“, der wesentlich ambitionierteren Serie, liegen auf der Hand. Aber „Satisfaction“ setzt sich mit haarsträubenden Lehren von der Konkurrenz ab.

Foto: Guy D'Alema/USA Network

Jede Binsenweisheit, die Neil auf seinen nächtlichen Abenteuern lernt, setzt er tags darauf gleich bei Grace um. Die Großzügigkeit von Frauen soll man schätzen? Artig bedankt sich Neil für eine hässliche, gelbe Krawatte. Augenblicklich verwandelt sich Graces Gesicht in ein Meer aus Zufriedenheit.

Wie lässt sich derartiger Kitsch überhaupt ertragen? Wie bei einem Beinahe-Unglück kann der Zuschauer nicht wegschauen. Stattdessen wartet er begierig auf den nächsten abstrusen Einfall der Drehbuchschreiber und hofft, dass noch weitere unkonventionelle Wenden folgen.

Als seichtes Sommervergnügen für heiße Abende ist „Satisfaction“ wahrlich perfekt.

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„Satisfaction“, amerikanisches Drama. TV-Serie, ab 23. Juli immer zwei Folgen samstags um 21.40 Uhr auf WDR.