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Zapping: "Game of Thrones": Fantastische Machtspiele
Nach monanatelangem Warten gehen die Machtspielchen und Intrigen endlich weiter.

Zapping: "Game of Thrones": Fantastische Machtspiele

Foto: HBO
Nach monanatelangem Warten gehen die Machtspielchen und Intrigen endlich weiter.
Kultur 3 3 Min. 25.04.2016

Zapping: "Game of Thrones": Fantastische Machtspiele

Vesna ANDONOVIC
Vesna ANDONOVIC
"Game of Thrones" geht in die sechste Runde: Nach neun Monaten des – keinesfalls poetischen – Langens und Bangens in schwebender Pein, zittern weltweit Fans wieder weiter mit, was denn nun wirklich mit Jon Snow passiert, niedergemeuchelt am Cliffhanger-Ende der letzten, fünften Saison.

Von Vesna Andonovic

Mit viel Macht kommt nicht nur viel Verantwortung, sondern zuweilen auch ein paar kleine, ziemlich feine Privilegien: Keine Lebenslektion, die man aus nunmehr fünf Staffeln der Erfolgsserie „Game of Thrones“ ziehen kann, sondern eine durchaus aussagekräftige Nebensächlichkeit, die vor der Premiere – in der gestrigen Nacht – der neuen und sechsten Staffel des HBO-Renners bekannt wurde.

"GOT"-Fan Obama weiss es schon

US-Präsident und nebenbei „GOT“-Fan Barack Obama forderte sich eine ganz besondere Gunst ein und ließ sich die neuen Episoden per Kurier ins Weiße Haus liefern und weiß – als einer der „happy (very) few“ –, worauf Millionen Fernsehzuschauer rund um den Erdball noch eine ganze Saison warten müssen: Wie die Machtspiele in Westeros weitergehen. Dies dürfte nämlich wohl ein fast so gut gehütetes Geheimnis sein, wie die Abschusscodes der amerikanischen Nuklearsprengköpfe.

Robin Arryn-Darsteller Lino Facioli hatte im November vergangenen Jahres im LW-Interview verraten (S. 18 vom 17.11.2015), dass nicht einmal mehr die Schauspieler komplette Scripts, sondern nur ihre eigenen Szenen bekommen, damit auch ja nichts darüber durchsickert, was Serienerfinder David Benioff und D. B. Weiss diesmal so alles an Überraschungen bereithalten. Gekonnt wird so auch im „Off“ Spannung aufgebaut und die weltweite Zuschauerschaft bei der Stange gehalten.

Zwischen Instinkt und Durchtriebenheit

Man erinnere sich: inzwischen mehrfach preisgekrönt setzte „Game of Thrones“ gleich in seiner ersten Staffel neue Maßstäbe für Fernsehserien – durch einen faszinierenden „Märchen für Erwachsene“-Charakter, der gekonnt blutige (ur-)instinktgetriebene Schemen mit düsteren, zivilisatorisch-durchtriebenen Machtspielchen mischt und dessen epischer Weltenbauerodem Tolkiens „The Lord of the Rings“ oder Herberts „Dune“ in nichts nachsteht, seine aufwendige Umsetzung (diesmal wurde in „nur“ fünf Ländern gedreht) und den ungewöhnlichen Hang, zentrale Figuren minutiös aufzubauen, um sie dann plötzlich einfach mal sterben zu lassen.

Nach neun Monaten des – keinesfalls poetischen – Langens und Bangens in schwebender Pein, zittert man also seit gestern aktiv weiter, was mit Jon Snow passiert, niedergemeuchelt am Cliffhanger-Ende der letzten Saison.

Aber nicht nur sein Schicksal liegt Fans der Saga am Herzen, die diesmal nicht auf einer der Romanvorlagen der „A Song of Ice and Fire“-Reihe des amerikanischen Schriftstellers George R. R. Martin basiert bzw. sich ihrer Handlungsstränge im Groben bedient. Da wird Tyrion Lannister plötzlich mit Lord Varys Herrscher von Meeren, die gerade danach gescheiterte Daenerys Targaryen kommt in die Fänge eines Reitervolks, Arya Stark muss erblindet zurechtkommen, und Sansa Stark flieht vor Ramsay Bolton an der Seite des „Stinkers“ Theon Greyjoy – ganz abgesehen vom Schicksal Cerseis und Jaime Lannisters.

Achterbahnfahrt der Gefühle

Das „GOT“-Markenzeichen des stetigen Auf und Ab lässt das Publikum nicht nur eintauchen, sondern mitfiebern und vor der nächsten, unerwarteten Wendung erzittern – und, hat man sich erst für eine der Fraktionen entschieden –, was man mit dem entsprechendem Merchandising bekunden kann – bietet die Serie ebenso starke Emotionen wie eine Achterbahnfahrt.

Mit einer sprichwörtlichen und zugleich buchstäblichen Kombination fantastischer Elemente bindet „Game of Thrones“ das Publikum seit dem 17. April 2011 geschickt an die Machtspiele mehrerer Familien vor mittelalterlich-feudalistisch angehauchter Kulisse. Dabei erweisen sich weder die Komplexität der Geschichte, noch die Zahl der Charaktere als Schwierigkeit: Im Gegenteil, diese bietet der Identifikation eine machiavellistisch wirksame Individualität.

Die Fans nahmen die erste Episode der sechsten Staffel sogleich genau unter die Lupe:

Ende in Sicht

Wie keine andere Serie weiß „GOT“ die Grenze zwischen Fiktion des Geschehens und Realität der mitfiebernden Fans verschwimmen zu lassen. Die Quittung hierfür, sprich allein in den USA rund 20 Millionen Zuschauer pro Folge – illegale Downloads rund um den Erdball nicht mitgezählt –, bezeichnete Medienexperte Shawn Robbins nicht zu Unrecht, als „neues Goldene Zeitalter des Fernsehens“.

Dreizehn, auf zwei kürzere Staffeln aufgeteilte Episoden sollen nach Staffel sechs dann der krönende Abschluss der Fantasysaga sein. Aber an das Ende mag man wohl nicht gerade schon denken – jetzt, da die Geschichte endlich weitergeht ...

Die erste Episode der sechsten Staffel lief zeitgleich mit der US-Premiere in der Nacht zum Montag auf Sky, die Serie wird auf Sky Atlantic ausgestrahlt. Die Free-TV-Premiere ist dann im Januar 2017 auf RTL II.


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