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Zapping: Furchtloser Feldarbeiter
Kultur 1 2 Min. 17.05.2020

Zapping: Furchtloser Feldarbeiter

Ein Mann der Tat: Sergio Vieira de Mello, gespielt von Wagner Moura, verbucht als UN-Sondervermittler eine Reihe von diplomatischen Erfolgen; sein Irak-Einsatz endet hingegen tödlich.

Zapping: Furchtloser Feldarbeiter

Ein Mann der Tat: Sergio Vieira de Mello, gespielt von Wagner Moura, verbucht als UN-Sondervermittler eine Reihe von diplomatischen Erfolgen; sein Irak-Einsatz endet hingegen tödlich.
Foto: Netflix
Kultur 1 2 Min. 17.05.2020

Zapping: Furchtloser Feldarbeiter

Marc SCHLAMMES
Marc SCHLAMMES
„Sergio“ – ein sehr persönliches Porträt des im Irak getöteten UN-Sondergesandten Vieira de Mello.

Ein Auto steuert unaufhaltsam auf den Haupteingang des UN-Hauptquartiers in Bagdad zu. Sergio Vieira de Mello, der die Mission der Vereinten Nationen leitet, steht in seinem Büro. Er blickt durch das Fenster, als ob er eine böse Vorahnung hat. Es erfolgt ein Knall – und nichts ist mehr wie es war.

So wie das Canal-Hotel, in dem die Mission untergebracht ist, durch die Detonation einer Autobombe wie ein Kartenhaus zusammenstürzt, zerbricht innerhalb von Bruchteilen von Sekunden die Welt von Sergio Vieira de Mello. Schwer verletzt liegt er unter Trümmern begraben, eine Betonplatte verdammt ihn zur Bewegungslosigkeit, Dunkelheit umgibt ihn, dichte Staubwolken erschweren das Atmen. Ein paar Meter neben ihm hat Gil, sein über viele Jahre treuer Weggefährte, das gleiche Schicksal ereilt. Doch während Gil – ohne seine Beine – aus den Überresten geborgen wird, erliegt Sergio seinen Blessuren.

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Mit dem damals 55-jährigen de Mello, der bis zu seinem Tod als aussichtsreicher Nachfolger von Kofi Annan an der Spitze der Vereinten Nationen gehandelt wird, sterben an jenem schwarzen 19. August 2003 in Bagdad 21 weitere Personen. In der Folge ziehen sich die UN aus dem Irak ab, das Land versinkt vollends im Chaos.

Zeichnet Regisseur Greg Barker, der sich einen Namen mit Filmen mit politischem Hintergrund gemacht hat, zu Beginn des knapp zweistündigen Streifens die alles andere als viel versprechenden Rahmenbedingungen der Irak-Mission – im von den US-Streitkräften „befreiten“ Land sind Ausländer nicht wirklich willkommen – steht in der Folgezeit der Hauptdarsteller im Mittelpunkt. Der Zuschauer erfährt, wer sich hinter dem wie Musik klingenden Namen Sergio Vieira de Mello verbirgt: Ein vorbildlicher Mitarbeiter der Vereinten Nationen, der die risikoreichen Außeneinsätze liebt, und ein weniger vorbildlicher Ehemann und Vater, der seine Mitarbeiterin Carolina liebt.

„Sergio“ ist ein sehr persönlicher Film; der Titel, reduziert auf den Vornamen, verspricht dem Zuschauer eben diese persönliche, wenn nicht gar freundschaftliche Beziehung zum Hauptdarsteller, in authentischer Art von Wagner Moura verkörpert.

Und das Versprechen wird eingehalten. Von Beginn an sympathisiert man mit dem auf Sondermissionen spezialisierten UN-Beamten, der in seinem Element ist, wenn er die Menschenrechte vor Ort, dort wo diese mit Füßen getreten werden, verteidigen kann. Furchtlos. Durchsetzungsstark. Bewaffnet mit einer Überdosis Idealismus sowie viel diplomatischem Geschick. Und eigenwillig.

Am Ende wird ihm diese Eigenwilligkeit zum Verhängnis: Um der Bevölkerung im Irak den unabhängigen Charakter seiner Mission zu beweisen, lässt er als erste Amtshandlung die zum Schutz abgestellten amerikanischen Truppen vor dem Canal-Hotel abziehen ...

Geschickt verknüpft Greg Barker nach dem Anschlag Vergangenheit und Gegenwart, sodass die historische Begebenheit zur spannenden Filmegeschichte wird: Während de Mello in einer klaustrophischen Atmosphäre, die an Oliver Stones „World Trade Center“ erinnert, gefangen ist, lässt der Regisseur den todgeweihten UN-Helden gedanklich in seine diplomatische Laufbahn abtauchen. Insbesondere nach Ost-Timor, dessen Weg in die Unabhängigkeit Sergio maßgeblich mitzeichnet. Dort lernt er auch Carolina kennen und lieben.

Sie will ihm 2003 Bagdad ausreden. Vergebens. Carolina begleitet ihn schließlich. Und am Ende wirkt „Sergio“ dann sogar hollywoodhaft, als ein Helfer der verzweifelten Frau zwei Ringe in die Hand drückt: die letzte Erinnerung an ihren Sergio.

„Sergio“ kann bei Netflix abgerufen werden. 

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