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Zapping: Einschlafhilfe von der Grünen Insel
Kultur 2 Min. 03.11.2019

Zapping: Einschlafhilfe von der Grünen Insel

Die Psychologin Cathrin Blake (Désirée Nosbusch) ist in ihrem Beruf eine Klasse für sich.

Zapping: Einschlafhilfe von der Grünen Insel

Die Psychologin Cathrin Blake (Désirée Nosbusch) ist in ihrem Beruf eine Klasse für sich.
Foto: ARD Degeto/Sammy Hart
Kultur 2 Min. 03.11.2019

Zapping: Einschlafhilfe von der Grünen Insel

Selbst Désriée Nosbuschs schauspielerisches Können kann den "Irland-Krimi" nicht retten.

von Kathrin Koutrakos

 Wer sich angesichts des Brexits schaudernd abwenden möchte, aber dennoch eine diffuse Sehnsucht nach Britannien verspürt, findet Trost in einem ganz eigenen Filmgenre: dem Insel-Krimi. Vom südenglischen Cornwall bis in die entlegensten schottischen Hochmoore wird seit Jahren bewährt für die zumeist ältere Zuschauerschaft ermittelt – inklusive ausgedehnter Kamerafahrten über idyllische Landschaften, schmucke Herrenhäuser und schrullige Charaktere.


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Zapping: Alles, was man auf dem Bildschirm haben sollte
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Mit dem „Irland-Krimi“ exportiert Das Erste das Genre jetzt auf die Nachbarinsel: Im Pilotfilm „Die Toten von Glenmore Abbey“ stößt die deutschstämmige Psychologin Cathrin Blake (Désirée Nosbusch) bei der Suche nach ihrem vor zehn Jahren verschwundenen Mann auf gefährliche Geheimnisse.

Als auf dem Gelände des katholischen Magdalenenklosters Glenmore Abbey mehrere skelettierte Babyleichen und die Überreste eines Erwachsenen gefunden werden, ist Blake sich sicher, die Leiche ihres Mannes gefunden zu haben. Die Psychologin und alleinerziehende Mutter macht sich zunächst im Alleingang auf die Suche nach der Wahrheit. Dabei stößt sie nicht nur auf die obligatorische dunkle Vergangenheit des Klosters und seinen Umgang mit den „gefallenen Mädchen“, sondern auch auf Drogengeschäfte, korrupte Polizisten und organisiertes Verbrechen in der Postkartenidylle des Hafenstädtchens.

Cathrin Blake (Désirée Nosbusch) hat eine traumatische Vergangenheit: Ihr Mann ist verschwunden -  und ließ sie mit dem gemeinsamen Sohn zurück. Nur schwer konnte sie sich von ihrer Alkoholsucht befreien.
Cathrin Blake (Désirée Nosbusch) hat eine traumatische Vergangenheit: Ihr Mann ist verschwunden - und ließ sie mit dem gemeinsamen Sohn zurück. Nur schwer konnte sie sich von ihrer Alkoholsucht befreien.
Foto: ARD Degeto/Sammy Hart

Als obligatorischer Hintergrunddiskurs mit Lokalkolorit muss die Geschichte des Katholizismus in Irland herhalten, verkörpert von den Nonnen des Konvents.

Depression und Verbitterung

Cathrin Blake, Dreh- und Angelpunkt der Serie, soll als vielschichtiger Charakter mit schwieriger Vergangenheit die Erzählung tragen. Das ungeklärte Verschwinden ihres Mannes vor vielen Jahren hatte sie depressiv und zur Trinkerin gemacht, die Verbitterung über die laschen Ermittlungen und die Einsamkeit haben sich tief in ihr Gesicht eingegraben.

Die Einführung der Protagonistin über ihre schmerzhafte Vergangenheit ist eine Setzung, die der Erzählung einen menschelnden Drive geben soll, dabei jedoch nie richtig greift. Désirée Nosbusch tut ihr Möglichstes, aus der recht ideenlos dahindümpelnden Handlung, den oftmals sinnwidrigen Wendungen und halbherzigen Dialogen das Beste rauszuholen. 

Cathrin Blake (Désirée Nosbusch) und ihr Sohn Paul (Rafael Gareisen) ermitteln gemeinsam.
Cathrin Blake (Désirée Nosbusch) und ihr Sohn Paul (Rafael Gareisen) ermitteln gemeinsam.
Foto: ARD Degeto/Züli Aladag

Es ist ein Trauerspiel, das wehmütig daran zurückdenken lässt, wie brillant die Luxemburgerin Désirée Nosbusch in der Serie „Bad Banks“ eine facettenreicher gezeichnete Figur zum Leben gebracht hat.


Unter dieser Grünfläche fanden die Ermittler das Massengrab, vermutlich aus dem Zeitraum 1925 bis 1961. Die inoffizielle Gedenkplatte rechts im Bild stammt von 2014.
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„Die Toten von Glenmore Abbey“ hingegen bedient willfährig jedes Klischee und folgt in seiner Bildsprache verlässlich den festgeschriebenen Regeln jedes 08/15-Krimis: Wer ein bisschen Übung im Genre hat, kann die Dialoge mühelos mitsprechen.

Für die wenig originelle Produktion, bei der hinsichtlich Figurenzeichnung und Storytelling keine Experimente versucht wurden, gab es bei der Erstausstrahlung am 24. Oktober in der ARD eine herausragende Zuschauerquote von 18,6 Prozent – der Film lag damit sogar höher als die abendliche Tagesschau.

Ehrbar erklären lässt sich das nur mit den grassierenden Ein- und Durchschlafstörungen: Als Sedativum ist die Produktion nur schwer zu übertreffen.

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„Irland-Krimi: Die Toten von Glenmore Abbey“ ist in der ARD-Mediathek abrufbar. Der zweite Teil, „Mädchenjäger“, wurde am 31. Oktober ausgestrahlt und ist auch verfügbar. 


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