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Zapping: Einfach weggeschnappt
So ruhig, wie „Pete“ (l., Giovanni Ribisi) es sich gedacht hat, wird das
Leben bei Julia (Marin Ireland) und ihrer Familie nicht.

Zapping: Einfach weggeschnappt

Foto: Amazon
So ruhig, wie „Pete“ (l., Giovanni Ribisi) es sich gedacht hat, wird das
Leben bei Julia (Marin Ireland) und ihrer Familie nicht.
Kultur 1 2 Min. 12.03.2017

Zapping: Einfach weggeschnappt

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Der Betrüger Marius ist fast soweit, der Knasthölle zu entkommen. Doch eine andere steht schon bevor:Amazon könnte mit der Serie „Sneaky Pete“ ein Coup gelingen.

Das Gelaber seines Zellenkumpanen kann Marius nicht mehr ertragen. Seit sie ihre Zelle teilen, schwärmt der Mithäftling Pete vom Leben in der Provinz, den glücklichen Tagen in seiner Jugend – als sie durch die Felder und Wiesen liefen, Opa Otto die Reifenschaukel reparierte... „Ach halt doch endlich die Fresse“, kann man Marius Gedanken selbst als Zuschauer der ersten Minuten von „Sneaky Pete“ lesen. Der Betrüger Marius ist fast soweit, der Knasthölle zu entkommen. Doch eine andere steht schon bevor: Der Gangster Vince, den Marius einst übers Ohr hauen wollte, wartet nur darauf, dass er sich rächen kann und sein Geld von dem Betrüger zurückbekommt. Vince‘ Trumpf: Er hat Marius‘ Bruder in seiner Gewalt. Was also tun?

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Trickreiches Verwirrspiel

Als er Vince‘ Schergen kurz nach der Entlassung gerade so entkommen kann, fasst Marius den Entschluss, einfach in das Leben von Mithäftling Pete zu schlüpfen. Sein Vorteil: Dessen Familie hat ihr schwarzes Schaf jahrzehntelang nicht gesehen oder gesprochen. Der richtige Pete bleibt noch in Haft. So schöpft Marius aus den Erzählungen seines Zellengenossen, um sich bei den Bernhardts einzuschleichen: einerseits eine Familie, die er so nie hatte, andererseits kann er jederzeit auffliegen oder eben wegen seines Eigennutzes die Familie zugrunde richten. Oder ist diese Familienbande um die Matriarchin Audrey (Margo Martindale) vielleicht schlimmer als das, was ihn bei den Gangstern erwartet hätte?

Das Verwirrspiel wird dann komplett, als immer mehr Verwicklungen den Pete umgeben. Wer vertraut hier wem wirklich? Wer hat was mit wem zu tun? Wer weiß mehr über des anderen Geheimnisse? Auch als Zuschauer kommt man bei all dem ins Trudeln, ständig neu eingeführte Personen verbreitern den Fokus. Es gilt aufzupassen: Jede, wirklich jede Figur bekommt hier ihren Dreh – und zum Teil harte Wechsel im Spieltempo lösen Kaskaden an neuen Entwicklungen aus. Einerseits könnte man das als zu viel Drehbuchschnörkel und zu aufgesetzten Plot abtun. Aber spätestens ab Folge acht nimmt dieses eingefädelte Spiel nach so viel Vorarbeit seinen endgültigen, von einem Schlag zum nächsten geladenen Lauf – und so viel sei verraten: Es gibt jede Menge Überraschungen und etwas „Oceans Eleven“-Fieber.

Dunkle Abgründe

Ganz langsam fächert die neue Amazon-Serie ihre Dramatik und dunklen Abgründe auf. Hauptdarsteller Giovanni Ribisi hat das perfekte Allerweltsgesicht, um als Betrüger Marius/Pete durchzugehen. Margo Martindale spielt wandlungsfähig die fürsorgende, aber auch taffe und kompromisslose Frontfrau des Familienunternehmens, der man alles zutrauen würde.

Produzenten sind Graham Yost (der unter anderem hinter „The Americans“ steckt) und Schauspieler Bryan Cranston. Der „Breaking Bad“-Protagonist spielt zudem auch den Gangster Vince. Und es zahlt sich aus, dass er und das Team Nerven bewahrt hatten: Eigentlich sollte „Sneaky Pete“ im CBS-Network laufen, schaffte es dort aber nicht über die Produktion des Piloten hinaus (auch wegen des Ausstiegs von David Shore im Hintergrund, der schon mit Dr. House einen Coup gelandet hatte). Amazon schnappte sich das Projekt nach der Ablehnung, um es jetzt – mit viel Pomp und Werbung in den sozialen Netzwerken – nach vorne zu spielen. Eine zweite Staffel ist schon in Auftrag gegeben.

In englischer Originalfassung und deutscher Synchronfassung aktuell bei Amazon verfügbar und im Prime-Abo enthalten.