Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Zapping: Ein verfluchter Kirchturm
Kultur 1 2 Min. 18.10.2020

Zapping: Ein verfluchter Kirchturm

Der See des Ortes ist die tragisch-düstere Unheilskulisse der Serie.

Zapping: Ein verfluchter Kirchturm

Der See des Ortes ist die tragisch-düstere Unheilskulisse der Serie.
Foto: Loris T. Zambelli / Netflix
Kultur 1 2 Min. 18.10.2020

Zapping: Ein verfluchter Kirchturm

Sophia SCHÜLKE
Sophia SCHÜLKE
Die Netflix-Serie „Curon“ ist sympathische Jugendfantasy, die in übernatürlichen Thrillermomenten auch mal versagt.

Es ist eine der verträumtesten Sehenswürdigkeiten Südtirols. Wer in der Region Urlaub gemacht hat, wird kaum an ihr vorbeigekommen sein – entweder in echt gesehen oder auf einer der vielen bunten Postkarten. Darauf ragt der Kirchturm des alten Graun, italienisch Curon, idyllisch aus dem türkisblauen Reschensee hinaus und erinnert an das norditalienische Dorf nicht weit von Österreich und der Schweiz, das 1950 unter dem Protest der enttäuschten Einwohner einem Stausee weichen musste.

Nun baut eine italienische Netflix-Serie auf dem Grundriss der realen Flutung des Vinschgauer Dorfes ein übernatürliches Jugenddrama, das vor mörderischen Doppelgängern, dunklen Familiengeheimnissen und einigen abgenutzten Taschenspielertricks wimmelt.

Und so beginnt „Curon“ denn auch mit einem altbekannten Motiv: Anna (Valeria Bilello) kehrt nach Jahren mit ihren beiden Kindern, den Zwillingen Daria (Margherita Morchio) und Mauro (Federico Russo), in ihren Heimatort Curon zurück. Die drei kommen im stillgelegten Hotel der Familie unter, in dem allein Annas Vater Thomas lebt. Curon scheint kein Ort der Hoffnung oder gar Lebensfreude, und niemand im Dorf, nicht einmal Thomas, will die Großstädter hier haben.

Vielmehr gilt die Familie verantwortlich für einen alten Fluch, nach dem der so malerische Kirchturm inmitten des Sees eine tödliche Eigenschaft hat: Wer die Glocken läuten hört, bekommt Besuch von sich selbst – seinem bösen Alter Ego, das aus dem See steigt und seinem guten Ich nach dem Leben trachtet.

Zwillinge und Doppelgänger

Als ihre Mutter spurlos verschwindet und Mauro auf dem Dachboden des Familienhotels eine eingesperrte Frau entdeckt, müssen die Zwillinge dem Fluch auf die Spur kommen. Während so mancher Doppelgänger auftaucht, finden die Zwillinge in ihren Mitschülern Micki und Giulio, gleichfalls Geschwister, unverhofft Seelenverwandte und Schicksalsgefährten.

360 Videos werden hier nicht unterstützt. Wechseln Sie in die Youtube App, um das Video anzusehen.

„Curon“ versteht es sehr gut, die Atmosphäre im Dorf passenderweise bedrückend und abweisend zu zeichnen. Die Kamera fängt dazu trübselig-schöne Impressionen des Bergsees, der herbstlichen Wälder und der Nebel über der Landschaft ein.

Mit äußerst düsteren Vorgängen in einer Kleinstadt, generationenübergreifenden Verwicklungen in eben solche und einer Gruppe Schüler, die auf der Suche nach der Wahrheit durch bedrohliche Wälder zieht, erinnert die Serie an regional verhaftete Jugendthriller wie „Dark“.

Dieser Schwebezustand macht die Chose interessant. Deshalb ist „Curon“ genau dann gut, wenn es seine Zuschauer im Zweifel darüber lässt, ob sich gerade einer der Guten oder der Seen-Doppelgänger auf der Mattscheibe zu schaffen macht.

Einfallsarmut

Und ist umgekehrt zum Ärgern schlecht, wenn ein Bösewicht fies dauergrinst, damit auch jeder versteht, dass nun der Mörder unterwegs ist. Gruselschauer auf dem Rücken muss der Zuschauer also woanders suchen. Noch ungelenker gerät nur der olle Kapuzentrick des verdeckten Gesichts, der im Finale Spannung erkaufen soll, aber eher Einfallsarmut bezeugt.


 z, generation, kinde, kinder, boy, bub, bursche, junge, jungs, kerl, knabe, knappe, app, technik, technologie, bruder, frau, maedchen, mädchen, mädel, anpeilen, daheim, eigenheim, elternhaus, hause, heim, heimat, heimwärts, nachhause, nest, ruhestätte, wohnung, zielen, zuhause, smartphone, smartphones, bildschirm, leinwand, schirm, sofa, freunde, begriff, konzept, krankenschwester, schwester, spielende, spielender, spielt, kinder, apparat, gadget, cropped, interaktion, abhangig, abhängig, süchtig, antrag, anwendung, applikation, bewerbung, fernsprecher, telefon, telephon, networking, vernetzung (Foto: Shutterstock)
Zapping: Alles, was man auf dem Bildschirm haben sollte
Hier sind alle Serienfans richtig - mit unserer wöchentlichen "Zapping"-Rubkrik bleiben sie stets informiert, was man sehen sollte, und was nicht.

Was vor allem dranbleiben lässt, sind die jungen Darsteller, die das Zurechtfinden in einem neuen gesellschaftlichen Mikrokosmos und das Coming-of-Age unter übernatürlichen Umständen sympathisch mit Leben füllen. Nicht zuletzt ist eine Geschwisterbeziehung, rührend und gar handlungstragend, auch nicht alle Tage auf dem Bildschirm zu sehen.

„Curon“ ist eine Serie für den Herbst also, die sich idealerweise mit Geschwistern oder guten Freunden schaut – oder wetterfesten Bergfans.

______
Alle sieben Folgen von „Curon“, je rund 42 Minuten, sind auf Netflix abrufbar.

Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema