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Zapping: Ein Fest der Toleranz
Kultur 5 2 2 Min. 20.12.2020

Zapping: Ein Fest der Toleranz

Singen sich im kunterbunten Musical-Film „The Prom“ die Seele aus dem Leib: Broadway-Darsteller Dee Dee Allen (Meryl Streep, l.) und Barry Glickman (James Corden).

Zapping: Ein Fest der Toleranz

Singen sich im kunterbunten Musical-Film „The Prom“ die Seele aus dem Leib: Broadway-Darsteller Dee Dee Allen (Meryl Streep, l.) und Barry Glickman (James Corden).
Foto: Melinda Sue Cordon/Netflix
Kultur 5 2 2 Min. 20.12.2020

Zapping: Ein Fest der Toleranz

Michael JUCHMES
Michael JUCHMES
Ein Feel-good-Movie nach einer wahren Begebenheit: Die Botschaft des Films „The Prom“ gerät zwischen Pop und Konfetti beinahe in Vergessenheit.

Das Leben eines jungen Menschen, der sich als schwul, lesbisch oder trans definiert, ist kein Zuckerschlecken – selbst in einem Land wie Luxemburg. Das Outing ist ein Schritt, der viel Mut erfordert, und vor Diskriminierung ist man auch hier nicht gefeit. Noch schwieriger ist die Situation in Ländern oder Regionen, die stark religiös geprägt sind. Dies musste 2010 auch Schülerin Constance McMillen aus dem US-Staat Mississippi erfahren, die ihre Freundin zum Abschlussball – im Englischen „prom“ genannt – ausführen wollte.

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Die Elternversammlung verhinderte dies und cancelte schließlich das Event. Eine private Ersatzveranstaltung wurde von einer Vielzahl von Eltern boykottiert. Erst durch die Hilfe von Prominenten konnte schlussendlich doch eine Alternativ-Prom auf die Beine gestellt werden.  

Broadway-Glanz in Indiana

Auf dieser Geschichte basiert auch das Musical mit dem Titel „The Prom“, das nun in der Vorweihnachtszeit in filmischer Form auf Netflix für Unterhaltung sorgen soll. Im Zentrum der Handlung stehen die beiden Broadway-Stars Dee Dee Allen (Meryl Streep) und Barry Glickman (James Corden), die nach einer missglückten Premiere eines Musicals um die ehemalige First Lady Eleanor Roosevelt – die, verpackt als Witz für Insider, sehr enge Verbindungen zu lesbischen Kreisen pflegte – beschließen, ihr Image aufzubessern. 

Als Projekt schlägt die ebenfalls nicht gerade vom Erfolg gekrönte Tänzerin Angie Dickinson (Nicole Kidman) vor, ins ländliche Indiana zu reisen, um Schülerin Emma (Jo Ellen Pellman) doch noch die Teilnahme an dem ihr verwehrten Abschlussball zu ermöglichen.

Die Broadway-Größen müssen schnell feststellen, dass ihr Einsatz – und ihr effekthascherischer Auftritt – bei den Landeiern nicht für Begeisterung sorgt. Vom Gelingen ihres eigentlichen Plans ganz zu schweigen. Die mutige Emma nimmt das Zepter schließlich selbst in die Hand und wählt das Internet als Medium, um ihr Anliegen bekannt zu machen.

Das Happy End, zu dem natürlich auch Dee Dee und ihre unermüdlich trällernden Kollegen beitragen, lässt da nicht lange auf sich warten.

Den Gesangseinlagen ist es auch zu verdanken, dass der Film trotz einer Länge von rund 130 Minuten nicht zu einer lahmen Teenager-Schmonzette verkommt. Vor allem die Up-tempo-Nummern und mit Akrobatik versetzten Tanz-Sequenzen schaffen es, die Zeit wie im Fluge vergehen zu lassen.  

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Glanzleistung von Meryl Streep

Meryl Streep, die in „Mamma Mia!“ noch recht ungelenk über eine griechische Trauminsel tanzte, legt hier einen einmaligen Auftritt hin. Sie überzeugt sowohl stimmlich als auch darstellerisch auf ganzer Linie. Gleiches gilt für Jo Ellen Pellman in ihrer ersten großen Hauptrolle. Sie mimt glaubhaft einen starken Teenager, der in herzerweichenden Balladen seinen Gefühlen Ausdruck verleiht.


THE QUEENÕS GAMBIT (L to R) MARCIN DOROCINSKI as VASILY BORGOV and ANYA TAYLOR-JOY as BETH HARMON in episode 107 of THE QUEENÕS GAMBIT Cr. PHIL BRAY/NETFLIX © 2020
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Ob dagegen James Corden ein Glücksgriff war, darf bezweifelt werden. Darstellerisch kann er – ebenso wie Nicole Kidman – nicht mithalten. Zudem hinterlässt seine Verpflichtung einen faden Beigeschmack: Warum eine schwule Rolle mit einem heterosexuellen Darsteller besetzen? Die Kritik der LGBTQ-Community ließ nicht lange auf sich warten – schließlich haben es offen homosexuelle Schauspieler meist schwer, überhaupt ein Engagement zu ergattern.

Dass inmitten der opulenten Tanzeinlagen und der Diskussionen um die Besetzung die eigentliche Botschaft der Geschichte – nämlich Toleranz und Akzeptanz – beinahe ins Hintertreffen gerät, ist schade. Trotzdem lohnt es sich, „The Prom“ eine Chance zu geben ... vor allem dann, wenn man ein Fan von Musicals ist.

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