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Zapping: Diesem Ende wohnt ein Zauber inne
Kultur 1 2 Min. 15.12.2019 Aus unserem online-Archiv

Zapping: Diesem Ende wohnt ein Zauber inne

Die glückliche gemeinsame Zeit ist später nur Erinnerung: Der Schauspielerin Nicole (Scarlett Johansson) und dem Regisseur Charlie (Adam Driver) zerrinnt die Liebe zwischen den Fingern.

Zapping: Diesem Ende wohnt ein Zauber inne

Die glückliche gemeinsame Zeit ist später nur Erinnerung: Der Schauspielerin Nicole (Scarlett Johansson) und dem Regisseur Charlie (Adam Driver) zerrinnt die Liebe zwischen den Fingern.
Foto: Wilson Webb / Netflix
Kultur 1 2 Min. 15.12.2019 Aus unserem online-Archiv

Zapping: Diesem Ende wohnt ein Zauber inne

Kathrin KOUTRAKOS
Kathrin KOUTRAKOS
Der Netflix-Film „Marriage Story“ und das Sterben einer Liebe in seiner ganzen Hässlichkeit.

Was Bücher, Filme und Mythen von der Liebe erzählen, ist zumeist alles andere als ein vollständiges Bild: Himmel voller Geigen, Schmetterlinge im Bauch – in der Fiktion existiert die Liebe als Klischee, deren Ausgangspunkt die Romantik des Anfangs ist. Die „Romantic Comedy“ ist die Umsetzung dieser banalen Allgemeinplätze in Reinkultur. 

Mit dem echten Leben hat dies natürlich wenig zu tun. Wer von der Liebe spricht, kann von der Ernüchterung des Alltags, Scheidungsraten und Wortungetümen wie „Aufenthaltsbestimmungsrecht“ nicht schweigen. Die epochale Aufgabe, das Ende einer Liebe mit derselben Zugewandtheit zu erzählen, hat großartige Filme hervorgebracht. 

Einreihen in diese Riege kann sich nun die Netflix-Produktion „Marriage Story“, die schon seit ihrer Premiere als Oscar-Kandidat gehandelt wird. 

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Die Schauspielerin Nicole (Scarlett Johansson) und der Regisseur Charlie (Adam Driver) sind eigentlich das Traumpaar der New Yorker Theaterszene und Eltern eines gemeinsamen Sohnes. Die Gründe für die Zerrüttung ihrer Ehe entblättern sich dem Zuschauer erst nach und nach: Nicole wirft ihrem Mann vor, zu wenig Kompromisse bei der Lebensplanung einzugehen und ihre Bedürfnisse nicht wahrzunehmen. 

Auch eine Affäre Charlies mit einer Kollegin steht im Raum. Als ein Filmangebot aus Nicoles alter Heimat Los Angeles kommt, ergreift sie die Chance und reist mit Koffern und Kind an die Westküste. Vorübergehend, wie Charlie denkt. Für immer, wenn es nach Nicole geht. 

Foto: Wilson Webb / Netflix

So beginnt ein Scheidungskrieg, der in kurzer Zeit nicht nur den Kontostand, sondern auch seine Protagonisten ruiniert haben wird. Ohne zu beschönigen, wird das Sterben einer Liebe in seiner ganzen Hässlichkeit begleitet: vom anfänglichen Vorsatz, alles einvernehmlich ohne Anwalt zu regeln, bis hin zum heraus gebrüllten Geständnis, dass man seinem Gegenüber täglich in Gedanken schwere Krankheiten, Autounfälle, ja – schlicht und einfach den Tod an den Hals wünscht (wäre da nur nicht das Kind).

Nuancen der Unsicherheit

Regisseur und Drehbuchautor Noah Baumbach („Frances Ha“) erzählt diese Geschichte mit einer filmischen und menschlichen Hingabe, die man in dieser Intensität selten gesehen hat. Übrigens nicht seine erste Beschäftigung mit dem Thema: 2005 verarbeitete er in dem preisgekrönten Film „Der Tintenfisch und der Wal“ die Scheidung seiner eigenen Eltern im New York der Achtzigerjahre. 

Foto: Wilson Webb / Netflix

Die Zuwendung zu seinen Figuren und seine Sympathien für das Leben der Bohème sind Leitmotive seiner Arbeiten, die in „Marriage Story“ mit zwei herausragenden Hauptdarstellern einen Höhepunkt erreichen. Nicht nur das Spiel von Scarlett Johansson und Adam Driver, die das Niemandsland zwischen Nicht-mehr-verheiratet und Noch-nicht-geschieden in allen Nuancen der Unsicherheit ausloten, auch die kompromisslose Erzählweise mit ihrem Mut zu Uneindeutigkeiten machen „Marriage Story“ zu einem außergewöhnlichen Film, der sich ganz und gar auf seine Geschichte einlässt.


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Angesichts einer Flut von Filmen und Serien, die Technik und Effekten den Vorzug vor einem sinnigen Narrativ geben, ist das eine echte Wohltat. Natürlich ist nicht nur der Anfang der Liebe banal, sondern mitunter auch ihr Ende. Die Kunst liegt hier darin, die große Tragik im Kleinen herauszuarbeiten, das Rührende in diesem Scheitern sichtbar zu machen, und aus Figuren Menschen mit Zweifeln und Widersprüchen werden zu lassen. Das Ende dieser Liebe ist mit Liebe erzählt. So zauberhaft kann eine Scheidung sein. 

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 „Marriage Story“ ist auf Netflix abrufbar.



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