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Zapping: Die X-Akten von Dakar
Kultur 1 2 Min. 10.01.2021

Zapping: Die X-Akten von Dakar

X Basile Mangane (Yann Gael, l.) und Soulaymane Sakho (Issaka Sawadogo) ermitteln in einem ungewöhnlichen Krimiabenteuer in Dakar.

Zapping: Die X-Akten von Dakar

X Basile Mangane (Yann Gael, l.) und Soulaymane Sakho (Issaka Sawadogo) ermitteln in einem ungewöhnlichen Krimiabenteuer in Dakar.
Foto: Netflix
Kultur 1 2 Min. 10.01.2021

Zapping: Die X-Akten von Dakar

Sophia SCHÜLKE
Sophia SCHÜLKE
Die erfrischende senegalesische Krimiserie „Sakho & Mangane“, Zombies und Sugarmamas.

Sakho ist der Coole, auf Regeln bedacht, Mangane der Hitzkopf, dem beim Verhör auch mal mehr als eine Hand ausrutscht: Die Polizisten Soulaymane Sakho (Issaka Sawadogo) und Basile Mangane (Yann Gael) ermitteln in Dakar und werfen sich zwischen Aktenheftern und Leichen spielfreudig allerhand Sticheleien zu. Dabei löst das ungleiche Team keine gewöhnlichen Fälle.

In „Sakho & Mangane“, der achtteiligen Serie des französisch-kongolesischen Regisseurs Jean Luc Herbulot, sorgen rachsüchtige Sugarmamas, seelenlose Zombies, nächtliche Sex-Dämonen und verfluchte Fetische für Mord und Totschlag. Weil sich ihre Fälle oft an westafrikanischen religiösen Vorstellungen inspirieren, sind die beiden immer wieder mit dem Übernatürlichen konfrontiert.

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  Flüchtlingsproblematik und Sextourismus   

Ein bisschen wie bei Mulder und Scully. Aber die genuinen Fälle reichen mit Problemen wie der Flüchtlingsproblematik und dem Sextourismus auch in die soziale Realität und lassen die panafrikanische Serie von Canal Plus International für sich stehen. Noch dazu, wenn Luftaufnahmen von den Straßen der Millionenstadt Dakar zum visuell spannenden Stempel der Serie geraten.

Und gute Darsteller die Hauptrollen spielen. Besonders überzeugend ist Issaka Sawadogo, der seine Rolle beinahe stoisch unterspielt, und damit absolut richtig liegt. Denn möglicherweise hat der vorbildliche Polizist Mangane selbst eine Leiche im Keller? Auf jeden Fall passt sein Spiel genau auf die Dramaturgie des Finales. Scheinbar in der Falle, erlebt er einen surrealistischen Alptraum, dessen bedrückende Schwere die Regie federleicht und originell inszeniert, und dessen Ausweglosigkeit Sawadogo seinen Polizisten eindrucksvoll durchleben lässt. Mutige, aber auch gekonnt umgesetzte Szenen wie diese sind es, die man in eher traditionellen Allerweltskrimiproduktionen vermisst.

Machwerk aus der boomenden Filmindustrie Afrikas

Aber es läuft auch nicht alles rund: So ist etwa die Drogenbaronin Bukki, die Manganes Freundin entführt, statt einer bösen Gangstermatriarchin nur eine peinliche Parodie. Mit aufgerissenen Augen und Geschwafel vom Genuss von Menschenfleisch bringt sie den Zuschauer maximal zum Kichern statt zum Fürchten. Eine überzeichnete Rolle, die fehlbesetzt wurde – dieser doppelte Fehlgriff trübt die sonst gute Schaulust.

Auch der von Bukki gesteuerte Angriff einer Zombietruppe krankt an Überzeichnung. Diese mittels Drogen gefügig gemachten Todeskrieger scheinen eher hauptberuflich in einer zweitklassigen Geisterbahn zu tanzen. Grusel gleich null. Dafür unterhalten in Nebenrollen der französische Humorist Christophe Guybe als abgeklärter und Drogen aller Art zugewandter Pathologe und Christiane Dumont als schlagfertige und schlagkräftige Polizeichefin. Keine absolut einzigartigen Charaktere der Seriengeschichte, aber sie erfüllen ihren Zweck zuverlässig.

 Keine westlichen Vorbilder nachahmen   

In puncto Musik versucht die Serie, keine westlichen Vorbilder nachzuahmen. Auf der Tonspur tummeln sich Klänge von Percussions wie Djembé und Balafon und der 21-saitigen Kora und erzeugen mit chromatischen Tonleitern und schwebenden Tönen getriebene und spannungsvolle Stimmungen. Es ist eine erfrischende Klangerfahrung, traditionelle afrikanische Instrumente nicht als Exotikgeklimper zu hören, sondern als handlungstreibende Elemente mit dramaturgischer Funktion. „Sakho & Mangane“ ist ein weiteres Musterbeispiel für neue, afrikanische Unterhaltungsindustrien. Erst im Frühjahr ging mit „Queen Sono“ die erste in Afrika überhaupt produzierte Originalserie auf Netflix über die Bildschirme. Die Geschichte um eine südafrikanische Topagentin hatte der Streamingdienst selbst in Auftrag gegeben.

Auch Rechte an populären Blockbustern aus Nollywood, so heißt die boomende Filmindustrie im nigerianischen Lagos, hat sich der Konzern gesichert. Der Wermutstropfen: Branchenkenner schätzen die Zahl der Abonnenten, die Netflix derzeit südlich der Sahara hat, auf nicht einmal zwei Millionen.

Alle acht Folgen von „Sakho und Mangane“, jeweils rund 50 Minuten lang, sind auf Netflix abrufbar. 

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