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Zapping - die TV-Kritik: "The Affair": Die zwei Seiten des Fremdgehens
Ausgangspunkt einer komplexen Serie: „The Affair“ arbeitet mit verschiedenen Perspektiven der Protagonisten.

Zapping - die TV-Kritik: "The Affair": Die zwei Seiten des Fremdgehens

FOTO: SHOWTIME
Ausgangspunkt einer komplexen Serie: „The Affair“ arbeitet mit verschiedenen Perspektiven der Protagonisten.
Kultur 1 2 Min. 22.08.2015

Zapping - die TV-Kritik: "The Affair": Die zwei Seiten des Fremdgehens

Schattenseiten eines Seitensprungs: "The Affair" taucht in verschiedenen Perspektiven in das Leben einer scheinbar funktionierenden Ehe ein, die ins Wanken gerät.

Von Maria Falkner

Am Beginn von „The Affair“ steht die Erzählung einer scheinbar gut funktionierenden Ehe. Eigenheim in New York, vier Kinder und ein glückliches Sexualleben. Einzig die Kinder stören die traute Zweisamkeit von Noah (Dominic West) und seiner Frau Helen (Maura Tierney), mit der er bereits seit 17 Jahren verheiratet ist.

Den Sommerurlaub plant die Familie wie jedes Jahr auf dem Anwesen von Noahs Schwiegereltern auf Long Island. Schwiegervater Bruce (John Doman) ist erfolgreicher Schriftsteller und ein von sich selbst überzeugter Egoist, der in Noahs erstem Roman lediglich den netten Versuch eines Möchtegern-Schriftstellers sieht. Auch die Schwiegermutter Margaret (Kathleen Chalfant) ist kein Sympathieträger, bewertet sie doch ihre Tochter und Enkelkinder lediglich nach deren Äußerem. Kompliziert wird es, als sich Noah beim Besuch eines Diners auf Long Island in die hübsche Kellnerin Alison (Ruth Wilson) verkuckt, die mit dem Tod ihres verstorbenen Jungen hadert.

Damoklesschwert des gegenseitigen Verlangens

Bekannt durch ihre Mitarbeit an der erfolgreichen Serie „House of Cards“ zeichnet sich Sarah Treem gemeinsam mit Hagai Levi für die Produktion von „The Affair“ verantwortlich. Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Serien liegen vor allem in der Dramatik und Überbetonung der emotionalen Seite. Dabei bedient Treem in ihrer Darstellung der Affäre zwischen Noah und Alison das US-amerikanische Stereotyp von der Macht der vermeintlichen Liebe auf den ersten Blick. Wie ein Damoklesschwert baumelt das gegenseitige Verlangen über den Köpfen der Protagonisten und wirkt etwas übertrieben, wenn man bedenkt, dass es sich nicht um hormongesteuerte Teenager handelt.

Erzähltechnisch wird die erste Folge von „The Affair“ immer wieder von einer anonymen Stimme unterbrochen, die Noah zu den jeweils gezeigten Situationen befragt. Schnell stellt sich heraus, dass es sich bei diesem Unbekannten um einen Polizisten handelt, der Noah und in der zweiten Hälfte der Folge auch Alison vernimmt. Ab Minute 30, wird die bis dato gezeigte Handlung nämlich aus der Perspektive von Alison geschildert, die alles ganz anders zu erleben scheint. Dieser Trick mit dem unzuverlässigen Erzähler verwirrt im ersten Moment, begeistert jedoch bereits im nächsten.

Was kann der Zuschauer noch glauben?

Der Zuschauer weiß nicht mehr, was er glauben soll und es liegt an ihm aus den widersprüchlichen Darstellungen die Wahrheit herauszuarbeiten. Dies macht die Serie in ihrem weiteren Verlauf umso spannender.

Seit Oktober 2014 läuft „The Affair“ äußerst erfolgreich auf dem US-amerikanischen Sender Showtime. Die Produktion einer zweiten Staffel wurde bereits kurz nach Anlaufen der Serie fixiert und auch eine dritte Staffel ist bereits gesichert. In Deutschland zeigt Amazon Prime ab 14. August „The Affair“ und strahlt somit eine Serie aus, deren Erfolg sich spätestens seit der letzten Golden-Globe-Verleihung deutlich abzeichnet.

Ruth Wilson gewann in der Kategorie „Beste Schauspielerin“ gegen Claire Danes („Homeland“) und Robin Wright („House of Cards“). Auch Dominic West, der bereits in der bravourösen HBO-Serie „The Wire“ als Hauptdarsteller auftrat, war nominiert, verlor jedoch gegen Kevin Spacey („House of Cards“). Die Serie selbst gewann den Golden Globe als „Bestes Drama“.

In „The Affair“ geht es letztlich um die sich entwickelnde Affäre zwischen Noah und Alison und die Ursachen und Folgen derselben. Die ausgeklügelte Erzählkunst dieser Serie macht sie zu einem Genuss für all jene, die dieser komplexen Darstellungsweise etwas abgewinnen können.

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„The Affair“, US-amerikanische Fernsehserie (Drama), abrufbar über „Amazon Prime“ (kostenpflichtiges Abo Deutschland) und „Amazon Instant Video“ (US).


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