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Zapping - die TV-Kritik: Mystery in der US-Kleinstadt
Matt Dillon gibt den Agenten mit Psycho-Knacks.

Zapping - die TV-Kritik: Mystery in der US-Kleinstadt

Foto: Leanne Hentscher/FOX
Matt Dillon gibt den Agenten mit Psycho-Knacks.
Kultur 1 3 Min. 25.05.2015

Zapping - die TV-Kritik: Mystery in der US-Kleinstadt

Ein blutunterlaufenes Auge begrüßt den Zuschauer gleich in der ersten Szene von „Wayward Pines“. Die Mystery-Story um einen "Problem-Agenten" ist das Comeback für "Sixth Sense"-Regisseur M. Night Shyamalan.

Von Pit Thommes

Ein blutunterlaufenes Auge begrüßt den Zuschauer gleich in der ersten Szene von „Wayward Pines“. Mit sichtlichen Schwierigkeiten wird es geöffnet, die Kamera zoomt heraus und man sieht den Secret-Service-Agenten Ethan Burke (Matt Dillon) verletzt am Flussufer liegen. Taumelnd läuft Burke durch einen üppigen Wald, bevor – harter Schnitt – er in einem Gespräch mit seinem Psychiater als Problem-Agent etabliert wird.

Die Anfangssequenz, eigentlich eine Kopie aus der Erfolgsserie „Lost“, ist nur die erste von zahlreichen Szenen, die von großen Vorbildern zehren. Im Verlauf der ersten fünf Folgen wird sich der Vielseher an Lynchs Meisterwerk „Twin Peaks“, dann an das Videospiel „Silent Hill“ oder auch an Elemente von „The Truman Show“ oder „The Village“ erinnert fühlen. Doch spätestens ab Folge fünf fügt sich alles zu einem eigenständigen und nervenaufreibenden Mystery-Thriller zusammen.

Besseres Händchen als bei „The Sixth Sense“

Nicht ganz selbstverständlich für eine TV-Mini-Serie von M. Night Shyamalan, die bereits letztes Jahr gesendet werden sollte und noch dazu von David Lynchs Serie „Twin Peaks“ inspiriert ist. Die Pressemitteilung zu „Wayward Pines“ liest sich jedenfalls wie ein Albtraum für jeden Kritiker. Denn nach „The Sixth Sense“ (1999) und „Unbreakable“ (2000) ist Shyamalan nur mehr bekannt für Film-Flops, die dank Steuertricks und staatlichen Beihilfen trotzdem Gewinn abwerfen.

Bei „Wayward Pines“ hat er ein glücklicheres Händchen. Die Serie profitiert davon, dass nicht wie beim Film nach zwei Stunden Schluss ist. Gewisse Längen in den ersten Episoden werden mehr als wettgemacht, wenn die Serie in der fünften Folge, unter der Regie des ausgezeichneten James Foleys („House of Cards“, „Hannibal“), zu sich selbst findet.

Die Zutaten dafür liegen schon in der ersten Episode. Wie etwa Matt Dillon, der als verzweifelter Agent Burke auf der Suche nach zwei verschollenen Kollegen ist, und durch einen Autounfall vorübergehend außer Gefecht gesetzt wird. Oder aber seine Kollegin Kate Hewson (Carla Gugino), eine der vermissten Agenten und ehemalige Geliebte von Burke.

Die Hinweise führen in die beschauliche, amerikanische Kleinstadt Wayward Pines im nordöstlichen Idaho. Doch schon bald entpuppt sich die Stadt als Vorhof zur Hölle: eine sadistische Krankenschwester, ein Sheriff, der Burke davor warnt, die Stadt jemals zu verlassen und dann plötzlich die Kollegin Hewson, die schwört, seit über zwölf Jahren in der Stadt zu leben. Letztendlich die eindringliche Warnung, dass „die“ alles sehen und hören.

Nicht Fisch, nicht Fleisch

Ein Wermutstropfen ist allerdings, dass die Serie zunächst nicht alle Verheißungen erfüllt. Sie ist nicht grauenvoll genug, um Horror zu sein, aber auch nicht so unheimlich, dass sie die psychologischen Tiefen ihrer Charaktere vollständig ausschöpft. Und surreal-grotesk, wie es David Lynch hinbekommt, erst recht nicht.

Zu oft sieht der Zuschauer Agent Burke in den ersten drei Stunden ziellos herumlaufen, Fragen über Fragen aufwerfen und jeden Schritt kleinlich kommentieren. Es sind vor allem die schnellen Schnitte und Handlungssprünge, die vorübergehend die Zuschaueraufmerksamkeit halten.

Dann endlich beginnt Drehbuchautor Chad Hodge, der die schwache Romanvorlage von Blake Crouch für das Fernsehen adaptiert, Antworten zu geben. Antworten mit denen der Zuschauer so früh nicht gerechnet hätte und die glücklicherweise nicht bis zum Finale aufgespart werden. Was danach kommt? Darauf darf man ruhig gespannt sein. Und sollte es so weitergehen, spricht man vielleicht in einigen Jahren davon, dass dieses und jenes an „Wayward Pines“ erinnert.

„Wayward Pines“, Mini-TV-Serie. Immer donnerstags 21 Uhr auf dem Pay-TV-Sender FOX, in Luxemburg über das Sky-Paket zu empfangen.