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Zapping - die TV-Kritik: Kaum Hörner
Michael Weatherly mimt den Protagonisten der neuen Serie.

Zapping - die TV-Kritik: Kaum Hörner

Foto: CBS
Michael Weatherly mimt den Protagonisten der neuen Serie.
Kultur 2 2 Min. 05.02.2017

Zapping - die TV-Kritik: Kaum Hörner

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Mehr Biss täte der neuen Serie „Bull“ mehr als gut - selbst, wenn Michael Weatherly alles versucht, um Strahlkraft zu entwickeln.

300 Folgen „NCIS“ waren in 13 Jahren genug: Michael Weatherly brauchte wohl neue Herausforderungen. Als „Anthony ,Tony‘ DiNozzo“ war der Ex-Verlobte von Jessica Alba herausragender Part des TV-Ermittlerteams von „Naval Criminal Investigative Service“ und wurde zu einem beliebten TV-Gesicht. Da war es dann wohl nur eine Frage der Zeit, bis man ihm beim NCIS-Heimatsender CBS endlich eine deutlich markantere, ganz eigene Rolle anbieten würde: „Bull“ heißt dann nicht nur die Serie, sondern auch der von Wheatherly gespielte Protagonist.

Griffig wie „House“ sollte das wohl sein. Aber hier ist kein Arzt, kein schnüffelnder „Bulle“ oder ein Boxer gemeint, der mit dem Kopf durch die Wand will. Der Name soll wohl die Unnachgiebigkeit suggerieren, mit der Dr. Bull, ein New Yorker Psychologe mit Hang zur extensiven Datenanalyse neuster Couleur und Manipulationsfreude, Gerichtsprozesse beeinflusst.

Bull und sein Team von Aussteigern aus Behörden, Hackern und einem Style-Berater lassen sich von solventen Kunden dafür bezahlen, um Gerichtsprozesse vor einer Jury im Sinne ihres Mandanten zu gewinnen. Dazu lässt er nichts unversucht – jedes Jury-Mitglied wird in Zeiten seiner unauslöschbaren virtuellen Aktivitäten und mittels demografischer Analyse durchleuchtet, um vorauszusehen, wie es beim Prozess entscheiden würde; ganz abgesehen von der Intuition des Protagonisten Bull.

Psychospiele

Als Experte weiß er – und damit auch der Zuschauer – wer der Gute ist und auf welche Seite er sich stellt. Schließlich hat die Charakter-Vita gleich drei Doktortitel, herausragende strategische Fähigkeiten, ein untrügliches Gespür für die Menschen und Mitleid mit den Schwächeren, offenbar auch, weil er in seinen jungen Jahren selbst zum Opfer wurde. Aber in Frage gestellt werden dabei die eigenen moralischen Fallstricke, die Übertretung von Datenschutz, Privatsphäre und Manipulation nicht – es geht ja um die gute Sache.

Phil McGraw, der als Ideengeber und sogar für den Piloten als Autor fungierte, steckt hinter dem Projekt, das sogar autobiografische Züge haben soll. Der ehemalige Psychologe ist als „Dr. Phil“ eine Talk-TV-Größe in den Staaten und daher war es auch kaum verwunderlich, dass die Serie dort im vergangenen September mit Rückenwind gestartet ist.

Zwar läuft die Serie mit über zehn Millionen Zuschauern immer noch sehr gut, der Trend ist allerdings inzwischen beim Stand der zwölften Folge rückläufig – auch wenn CBS nach den ersten Folgen einen Aufschlag auf 22 Folgen in der ersten Staffel beauftragt hat.

Die Serienautoren geben sich Mühe, die Spannung um die jeweiligen Mandanten mit sozialen Missständen, den Fallstricken des US-amerikanischen Rechtssystems und Trends wie Social Media, Blogging und Datenanalyse zu vereinen. Doch dabei bleiben die Seriencharaktere seltsam blass.

Es fehlt der Biss und damit die Faszination für diese Figur. Wer aber „Suits“, „Lie to Me“ und die gesamten US-Gerichtsserien mochte, wird sicher auch mit „Bull“ glücklich. Im deutschsprachigen Sky-Bezahlfernsehangebot ist Bull über den Kanal 13th Street aktuell synchronisiert zu sehen. Die ProSiebenSat.1-Gruppe hat sich die Free-TV-Rechte gesichert. Da Weatherly über NCIS schon beim Sat.1-Publikum ein bekanntes Gesicht ist, steht zu erwarten, dass die Gruppe „Bull“ auch dort noch in diesem Jahr ansiedeln wird.